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Menschenmenge vor einem historischen Gebäude (Staatsoper Wien), einige halten Schilder hoch
Foto: Salus 31. 3. 1965/ÖNB, Bildarchiv und Grafiksammlung

Taras Borodajkewycz (1902–1984)

Historiker und Archivar

Kompakte Infos zum Borodajkewycz-Skandal 1961 finden Sie hier

 

Taras Borodajkewycz , bis 1919 von Borodajkewycz, Pseudonym Heinrich Langer, studierte an der Theologischen, Philosophischen sowie Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien. 1932 promovierte Borodajkewycz bei Heinrich Srbik. Im Jänner 1932 begann er an der Kommission für Neuere Geschichte Österreichs mit der editorischen Bearbeitung der Gelehrtenkorrespondenz von Leo Graf von Thun und Hohenstein. Im Frühjahr 1937 folgte – auf wissenschaftlich dürftiger Basis – die Habilitation an der Philosophischen Fakultät der Universität Wien, mit der Borodajkewycz die Lehrberechtigung für Allgemeine Geschichte der Neuzeit erwarb. Nach der NS-Machtübernahme in Österreich wurde er an der Universität Wien 1940 zum Dozenten neuer Ordnung ernannt. Er nahm politisch motivierte Auftragsarbeiten wie ein Weißbuch über die Heimkehr der Ostmark ins Reich an. Im Oktober 1942 wurde Borodajkewycz an die Deutsche Karls-Universität in Prag berufen. Auf dem dort neu geschaffenen Extraordinariat für neuere Geschichte konnte er allerdings erst im Jänner 1943 seine Lehrtätigkeit aufnehmen, da er im Oktober 1942 zum Wehrdienst bei der Luftwaffe eingezogen worden war. Bis Kriegsende durfte er die Stelle in Prag aufgrund des Widerstands in Parteikreisen nur vertretungsweise wahrnehmen. Die Berufung zum Leiter des Deutschen Wissenschaftlichen Instituts in Zagreb scheiterte 1941 am Widerstand von Kurt Knoll, dem Rektor der Wiener Hochschule für Welthandel. Parallel zu seiner Tätigkeit als Historiker verfolgte Borodajkewycz die Archivarslaufbahn. So belegte er ab 1929 bis zur Staatsprüfung im Dezember 1931 den Ausbildungskurs des Österreichischen Instituts für Geschichtsforschung. 1934‒45 arbeitete er sich am Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchiv bis zum Archivrat hoch. 

 

Organisatorisch sowie politisch engagierte sich Borodajkewycz seit den 1930er-Jahren im katholischen wie auch im nationalsozialistischen Milieu, die er für kompatibel hielt. So fungierte er als Sekretär und Mitglied von zwei Arbeitsausschüssen des Allgemeinen Deutschen Katholikentags, der im September 1933 in Wien stattfand. Gelegentlich gestaltete er Sendungen für die RAVAG bzw. den Reichssender Wien . Nachdem er 1934 der NSDAP aber auch der Vaterländischen Front (VF) beigetreten war, fungierte Borodajkewycz während der „Verbotszeit“ als Blockleiter, später war er Schulungsleiter der Wiener Ortsgruppe Magdalenengrund.  Borodajkewyczs Parteiausschluss von 1943 wegen „defätistischer Aussagen“ wurde vom Wiener Gaugericht in einen strengen Verweis umgewandelt.

 

Anfang April 1945 floh Borodajkewycz aus Prag zu seiner Familie nach Neuenhammer in der Oberpfalz. Nach Österreich kehrte die Familie im Juni 1946 zurück. Hier musste Borodajkewycz sich als ehemaliger Nationalsozialist registrieren. Anfangs als „Belasteter“ klassifiziert, wurde er im Jänner 1950 als „minderbelastet“ eingestuft. Im Juni 1945 aus dem Staatsdienst entlassen, war Borodajkewycz zunächst im Verlagswesen (1946–52 Otto Müller, ab 1953 Holzhausen Nachf.) und in wissenschaftlichen Projekten (Wiener Institut für Wissenschaft und Kunst; 1951–54 Herausgabe des Srbik-Nachlasses) tätig, ehe er im März 1955 zum Professor für Wirtschaftsgeschichte an der Hochschule für Welthandel berufen wurde. Hier avancierte er im November 1958 zum Vorstand des Instituts für Wirtschaftsgeschichte, das unter seiner Ägide in Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte umbenannt wurde. 

 

Auch nach 1945 blieb Borodajkewycz dem deutschnationalen und katholisch-konservativen Lager verbunden. Dies manifestierte sich u. a. in der Teilnahme an der Oberweiser Konferenz (Juni 1949), in der Kandidatur für den Verband der Unabhängigen (VdU) bei den Nationalratswahlen von 1953 sowie in Mitgliedschaften und Ämtern, die Borodajkewycz in entsprechenden Vereinigungen oder Kreisen wahrnahm (z. B. Ennstaler Kreis, Neuer Klub, Verein „Muttersprache“).

 

Die Tatsache, dass Borodajkewycz’ Lehrtätigkeit und seine Publikationen nicht frei von antisemitischen Äußerungen und antidemokratischem, großdeutsch-nationalsozialistischem Gedankengut waren, führte in den 1960er-Jahren zu Gerichtsverfahren, einer parlamentarischen Anfrage und Demonstrationen, in deren Verlauf am 31. März 1965 der rechtsextreme Student Gunther Kümel den ehemaligen kommunistischen Widerstandskämpfer Ernst Kirchweger tödlich verletzte. Im Zuge eines Disziplinarverfahrens wurde Borodajkewycz beurlaubt, dann vom Dienst suspendiert und mit Oktober 1972 in den Ruhestand versetzt. Auch danach hielt er Vorträge in rechtsgerichteten Organisationen und veröffentlichte einschlägige Schriften. Borodajkewycz war u. a. Mitglied der Katholischen akademischen Verbindung Norica Wien (1924), des Volksdeutschen Arbeitskreises österreichischer Katholiken (1932), der Deutschen Philosophischen Gesellschaft (1935), des Katholischen Akademikerverbands Deutschlands, des Kuratoriums der Ferien-Hochschulkurse der Universität Wien in Schloss Traunsee, der Deutsch-Ungarischen Gesellschaft (Vizepräsident) sowie des Allgemeinen Deutschen Kulturverbands (1958, zeitweilig Obmann). Er erhielt 1934 das Ehrenkreuz Pro Ecclesia et Pontifice in Gold. 

 

 

Wissenschaftliche Literatur:

 

W. Bouffier, in: Der österreichische Betriebswirt 12, 1962, H. 2, S. 61f 

 

H. Fischer, Einer im Vordergrund: Taras Borodajkewycz. Eine Dokumentation, 1966 (Nachdruck 2015) 

 

C. Gatterer, in: Die Zeit, 1966, Nr. 22 

 

E. Schmidt ‒ A. K. Konecny, „Heil Borodajkewycz!“ Österreichs Demokraten im Kampf gegen Professor Borodajkewycz und seine Hintermänner, 1966 

 

J. Hager, in: Geschichte und Gegenwart 15, 1996, S. 169ff 

 

Ch. Dickinger, Die Skandale der Republik. Haider, Proksch & Co., 2001, S. 55ff 

 

F. Fellner ‒ D. A. Corradini, Österreichische Geschichtswissenschaft im 20. Jahrhundert, 2006 

 

G. Kasemir, in: Politische Affären und Skandale in Österreich. Von Mayerling bis Waldheim, ed. M. Gehler ‒ H. Sickinger, 2. Aufl. 2007, S. 486ff 

 

R. Kropiunigg, Eine österreichische Affäre. Der Fall Borodajkewycz, 2015; J. Nĕmec, in: Österreichische Historiker. Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, 3, ed. K. Hruza, 2019, S. 527ff 

 

K. Kniefacz, Die Borodajkewycz-Affäre 1965, in: 650 plus – Geschichte der Universität Wien (online, mit Bild, Zugriff 21. 11. 2023) 

 

F. Lacina, Mitschrift einer Vorlesung von Taras Borodajkewycz, in: Haus der Geschichte Österreichs (online, Zugriff 21. 11. 2023) 

 

Dieser Text wurde dem Österreichischen Biographischen Lexikon entnommen und geringfügig überarbeitet. Der originale Eintrag war zuletzt am 15.7. 2024 aktualisiert worden, https://biographien.ac.at/0xc1aa5576_0x003f39e0, veröffentlicht unter der Lizenz  Creative Commons BY-NC-SA 3.0 AT 

 

 

Weiterführende Links:

 

Eintrag zum Borodajkewycz-Skandal ab 1961 im Lexikon zur österreichischen Zeitgeschichte, https://hdgoe.at/Borodajkewycz-Skandal

 

Beschreibung und Fotos der Mitschrift einer Vorlesung von Taras Borodajkewycz, von Ferdinand Lacina, Wien 1962, https://hdgoe.at/mitschrift_lacina 

 

Interview von Isabella Ackerl mit Taras Borodajkewycz, 1972 auf der Österreichischen Mediathek, https://www.mediathek.at/atom/055DBEE7-3A6-00009-0000073C-055D2E63

 

Eintrag zum Borodajkewycz-Skandal auf den Seiten der Universität Wien, https://geschichte.univie.ac.at/de/artikel/die-borodajkewycz-affaere-1965

 

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