Das Produkt wurde zu Ihrem Warenkorb hinzugefügt.
Zum Warenkorb
Weiter einkaufen
Tickets auswählen

Eintritt Erwachsene
Jahreskarte




Zurück
Anzahl wählen


Ab 10 Einzelkarten empfehlen wir die ermäßigten Gruppenkarten, wenn Sie als Gruppe kommen!

Bitte Menge auswählen

Zum Warenkorb hinzufügen
Zurück
Jahreskarte Personalisieren

Jahreskarte
€ 18.81 / Stk.
Vorname*:
Nachname*:
Geburtsdatum*:

E-mail:



Bitte alle Pflichtfelder(*) ausfüllen!

Zum Warenkorb hinzufügen
Zurück
OK
Heute im hdgö

Inhalte werden geladen

Anton Reinthaller (1895–1958)

Landwirtschaftsminister, Agrarpolitiker

Anton Reinthaller wurde am 14. April 1895 in Mettmach in Oberösterreich als Sohn eines Landwirtes und Besitzers einer Kleinbrauerei geboren. Nach dem Besuch des Realgymnasiums in Linz, wo er 1914 maturierte, war er Soldat im Ersten Weltkrieg und von 1916–1918 in russischer Kriegsgefangenschaft. Danach studierte er Land- und Forstwirtschaft an der Hochschule für Bodenkultur in Wien, dass er 1922 abschloss. Er arbeitete als Vertragsbeamter bei der Landesregierung in der Wildbach- und Lawinenverbauung. Durch Heirat mit der Tochter eines großdeutschen Politikers und Großbauern am Attersee wurde er zweifacher Hofbesitzer in Oberösterreich. Politisch war er im deutschnationalen und nationalsozialistischen Milieu verankert: So gehörte er als Student der Akademischen Landsmannschaft der Salzburger zu Wien an und trat dem Landbund bei, der deutschnational-antisemitischen Bauernpartei in Österreich. 1928 wechselte er zur NSDAP und wurde NSDAP-Ortsgruppenleiter in Attersee. Er stieg zum NSDAP-Gauleiter in Oberösterreich auf und gehörte der NSDAP-Landesleitung Österreich an. Reinthaller hatte eine zentrale Rolle nach dem NSDAP-Verbot in Österreich 1933 im Flüchtlingswerk für illegale Nationalsozialisten inne. Seine „gemäßigte“ Haltung in der illegalen NSDAP und seine Kontakte als Bauernfunktionär zur Christlichsozialen Partei machten ihn zum Vermittler zwischen dem Lager der illegalen Nationalsozialist*innen und der Dollfuß-Schuschnigg-Diktatur. Im April 1934 wurde er im Anhaltelager Kaisersteinbruch eingesperrt, wo er sich mit Ernst Kaltenbrunner anfreundete. Kurz danach scheiterte der „Juliputsch“, woraufhin er seine Vermittlungsgespräche fortsetzte. Seine Initiativen lehnte Bundeskanzler Schuschnigg jedoch ab – darunter die „Aktion Reinthaller“ zur Eingliederung des nationalen Lagers in die als Einheitspartei des Dollfuß-Schuschnigg-Regimes konzipierte Vaterländische Front (VF) sowie die „nationale Aktion“ für eine Übergangsregierung mit NS-Beteiligung.

 

Bei der NS-Machtübernahme in Österreich wurde Reinthaller am 11. März 1938 Landwirtschaftsminister im „Anschluss“-Kabinett von Bundeskanzler Seyß-Inquart. Von Heinrich Himmler wurde er 1938 in die SS aufgenommen, ab April 1938 gehörte er dem deutschen Reichstag an. Ende 1939 setzte ihn Hitler als Unterstaatssekretär im Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft (Unterabteilung Bergbauern) in Berlin ein, 1942 als Landesbauernführer in Niederdonau

 

Am 28. August 1945 wurde Reinthaller von der US-Armee festgenommen. Im Oktober 1950 verurteilte ihn das Volksgericht Wien wegen seiner illegalen NSDAP-Mitgliedschaft zu drei Jahren schweren Kerker. Reinthaller, der seine NS-Funktionen bestritt, betrieb erfolgreich die Wiederaufnahme seines Verfahrens. 1952 setzte das Volksgericht Linz seine Strafe auf zweieinhalb Jahre herab. Nach der Fürsprache von hochrangigen ÖVP- und SPÖ-Politikern wurde er im Juni 1953 von Bundespräsident Theodor Körner begnadigt. In den 1950er Jahren stieg Reinthaller zum prominentesten Vertreter der ehemaligen Nationalsozialist*innen auf. Da ihm der Verband der Unabhängigen (VdU) zu liberal war, das 1949 gegründete Sammelbecken für ehemalige Nationalsozialist*innen, gründete er mit Friedrich Peter und Emil van Tongel die Freiheitspartei, die ein nationales Gegengewicht zum VdU bildete. Freiheitspartei und VdU vereinigten sich 1955 zur Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ). Am 7. April 1956 wurde Reinthaller zum Bundesobmann der FPÖ gewählt. Nach seinem Tod am 6. März 1958 folgte ihm sein politischer Ziehsohn, der ehemalige SS-Offizier Friedrich Peter, als FPÖ-Obmann. 2016 ehrte die oberösterreichische FPÖ Reinthaller mit einem Festakt. 

 

 

Weiterführende Links:

 

https://kurier.at/wissen/fpoe-geschichte-herbert-kraus-anton-reinthaler/402958607

https://www.derstandard.at/story/2000134078100/maerz-1938-die-rolle-des-ersten-fpoe-chefs-beim-anschluss

https://www.news.at/politik/aufarbeitung-fpoe-fuehrer

https://www.profil.at/oesterreich/fpoe-tagebuecher-gruendungsvater-anton-reinthaller-10349166

 

 

Wissenschaftliche Literatur:

 

Wolfgang Graf, Österreichische SS-Generäle. Himmlers verlässliche Vasallen, Klagenfurt/Ljubljana/Wien 2012, S. 89. 

Ernst Klee, Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945, Frankfurt/Main 2007, S. 489. 

Margit Reiter, Die Ehemaligen. Der Nationalsozialismus und die Anfänge der FPÖ, 2. Aufl., Göttingen 2019, S. 161–255. 

Heinz-Dietmar Schimanko, Der Fall Reinthaller. Das Strafverfahren gegen Anton Reinthaller vor dem Volksgericht, Wien 2019. 

 

Autor*innen