Portschy trat 1931 in die NSDAP ein und wurde Gauleiter der Partei im Burgenland, während diese noch verboten war. Nach dem „Anschluss“ 1938 trieb er antisemitische Maßnahmen voran und wurde stellvertretender Gauleiter der Steiermark. Gegen Romnija und Roma entwickelte er Maßnahmen zur Verfolgung, die als Vorlage für die Politik im gesamten Deutschen Reich galten.
Nach Kriegsende 1945 wurde Portschy zu 15 Jahren Haft verurteilt, aber schon nach fünf Jahren begnadigt. Ab 1959 war er Mitglied der FPÖ. Er galt als inoffizieller Politikberater von burgenländischen Spitzenpolitikern, dessen Wort in allen Parteien entscheidend sein konnte. 1992 zeigte Portschy in einem Fernsehinterview, dass sich seine Einstellung nicht verändert hatte. Offen rechtfertigte er die Verfolgung von Roma und Romnija. Er wurde wegen Wiederbetätigung angezeigt, die Staatsanwaltschaft verschleppte die Anklage aber bis zu seinem Tod.
Weiterführende Links:
https://hdgoe.at/vernetzungen_portschy
https://burgenland.orf.at/magazin/stories/3279796/
Wissenschaftliche Literatur:
Ursula Mindler, Tobias Portschy: Biographie eines Nationalsozialisten; die Jahre bis 1945, in: Burgenländische Forschungen Band 92, Eisenstadt 2006.
Ursula Mindler, Die Kriminalisierung und Verfolgung von Randgruppen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts am Beispiel der österreichischen „Zigeuner “. in: Kriminologische Theorie und Praxis. Geistes-und naturwissenschaftliche Annäherungen an die Kriminalwissenschaft (2011): 59–79.
Ursula Mindler-Steiner, Die Begriffe "Heimat" und "Dorf" in den autobiographischen Zeugnissen von Tobias Portschy, in Harald Heppner et al. (Hg.), Dorf und Literatur; 2012, 53–72, online hier verfügbar: https://unipub.uni-graz.at/obvugroa/download/pdf/1314751