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Markus Guschelbauer/hdgö, cc by-nc 4.0

18. Februar 2026: 40 Jahre seit Waldheim: hdgö launcht Online-Lexikon zu NS-Akteur*innen

Der Name Kurt Waldheim steht bis heute für einen Wendepunkt in der österreichischen Erinnerungspolitik. Sein Präsidentschaftswahlkampf drängte der Republik 1986 die lange verweigerte Frage nach der Mitverantwortung für die Verbrechen des Nationalsozialismus auf. Oft übersehen wird jedoch, dass schon zuvor einzelne Ereignisse und kritische Stimmen die österreichische Beteiligung am Nationalsozialismus sichtbar gemacht und damit Voraussetzungen für einen Paradigmenwechsel geschaffen haben. Mit der Diskussionsveranstaltung Vor/nach Waldheim. Umbrüche der Erinnerung bringt das Haus der Geschichte Österreich (hdgö) drei prominente Zeitzeug*innen zusammen, die dem Mythos von Österreich als „erstem Opfer“ früh widersprochen haben. Gleichzeitig präsentiert das hdgö auch in seinem Digitalen Museum die Biografiensammlung Österreichische Akteur*innen des Nationalsozialismus.

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Bereits vor 1986 setzten sich Menschen dafür ein, dass die österreichische Nachkriegserzählung ins Wanken geriet: Dazu zählen etwa die Proteste nach der Publikation von rechtsextremen und antisemitischen Aussagen des Universitätsprofessors Taras Borodajkewycz (1965), Friedrich Zawrels Berichte über die NS-Medizinverbrechen von Heinrich Gross (1978) oder Elfriede Jelineks Stück „Burgtheater“ (1984), das unter anderem die Beteiligung der Schauspielerin Paula Wessely an der NS-Propaganda thematisiert. Diese Biografien sind neben Kurt Waldheim und 102 weiteren in der Online-Sammlung zu Akteur*innen des Nationalsozialismus ab heute zu lesen.

 

Diese frühen Auseinandersetzungen zeigen, dass das offizielle Selbstbild 1986 nicht zufällig in Frage gestellt werden konnte. Jahre- und jahrzehntelang hatten Menschen auf diesen Moment hingearbeitet. Österreich hat sich jahrzehntelang als Opfer erzählt, obwohl es auch Täterland war. Wer Erinnerung ernst nimmt, muss beides sichtbar machen. Die Opfer, aber auch die Täter*innen, ihre Netzwerke und die gesellschaftliche Mitverantwortung“, so hdgö-Gründungsdirektorin Monika Sommer.


Waldheim und die SA
Anfang März 1986 wurde bekannt, dass der ehemalige UN-Generalsekretär und ÖVP-Präsidentschaftskandidat Kurt Waldheim seine Mitgliedschaft in der SA sowie Teile seines Kriegseinsatzes am Balkan verschwiegen hatte. Waldheim war unter anderem in Thessaloniki stationiert, von wo aus 56.000 Jüdinnen und Juden deportiert wurden. Konfrontiert mit dem Verdacht, als Wehrmachtsoffizier von Kriegsverbrechen gewusst zu haben, verwies Waldheim auf „Pflichterfüllung“, wie „hunderttausende andere Österreicher auch“. Er gewann die Wahl zum Bundespräsidenten im Juni 1986 mit 54 Prozent.


International wurde Waldheim in der Folge isoliert, auch in Österreich nahmen Proteste und öffentliche Debatten zu. Waldheim wurde zum Aufklärer wider Willen. Eine stärker sensibilisierte Öffentlichkeit erkannten in der Verteidigung Waldheims einen Verweis auf die Involvierung breiter Teile der Bevölkerung in das nationalsozialistische Terrorregime. Besonders jüngere Generationen stellten das österreichische Selbstverständnis als „erstes Opfer“ des Nationalsozialismus daher infrage. Es ging nun nicht mehr um die Verbrechen einzelner Personen, sondern um die Mitverantwortung einer ganzen Gesellschaft.


Neues Online-Lexikon: NS-Akteur*innen im Fokus
Parallel zur Veranstaltung launcht das hdgö die neue Online-Ressource Österreichische Akteur*innen des Nationalsozialismus. Eine Biografiensammlung. Zum Start umfasst das digitale Lexikon 106 Biografien von nationalsozialistischen Verbrecher*innen, Profiteur*innen und Mitläufer*innen mit Bezug zu Österreich. Das Lexikon macht sichtbar, wer diese Akteur*innen waren, welche Rollen sie im NS-System einnahmen und wie ihre Karrieren nach 1945 weitergingen. Dazu zählen bekannte NS-Täter*innen wie Adolf Eichmann, Leiter der Organisation von Enteignung, Vertreibung und Deportation, und prominente Persönlichkeiten etwa aus dem Kunst- und Kulturbereich wie Künstler Rudolf Hermann Eisenmenger und Fritz Dworschak, dem Direktor des Kunsthistorischen Museums in den 1940er Jahren. Die Sammlung macht aber auch die Biografien von weniger bekannten Menschen zugänglich, wie jene von Helene Hintersteiner, Sekretärin der Tötungsanstalt Hartheim in Oberösterreich oder Erna Aflenzer, die als Lehrerin an der Germanisierung des besetzten Slowenien mitwirkte.


Damit bietet das hdgö eine neue öffentlich zugängliche Grundlage für historisch-politische Bildung und kritische Auseinandersetzung. Das Online-Lexikon ist auch für den Schulunterricht geeignet, weitere Zugänge zu den Themen Nationalsozialismus und Erinnerungskultur für Schüler*innen finden sich auch in den Unterrichtsmaterialien, die das hdgö kostenlos zur Verfügung stellt.

Markus Guschelbauer/hdgö, cc by-nc 4.0

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