Fritz Dworschak (1890–1974)
Direktor des Kunsthistorischen Museums in Wien
Fritz Dworschak studierte an der Universität Wien Geschichte und Kunstgeschichte und war zunächst am Institut für Österreichische Geschichtsforschung tätig. 1915 kam er als Münzexperte (Numismatiker) an das Kunsthistorische Museum. Mit der nationalsozialistischen Machtübernahme übernahm Fritz Dworschak die Leitung des Kunsthistorischen Museums, das er zu einer der wichtigsten Schaltstellen der NS-Kulturpolitik in Wien umgestaltete.
Im September 1938 erreichte Dworschak es, dass die Neue Burg am Wiener Heldenplatz mit Genehmigung Adolf Hitlers offiziell zur Drehscheibe der Enteignung von Menschen für Museumszwecke wurde: Hierher kamen große Kunstsammlungen von Familien, die als jüdisch verfolgt wurden. Das sogenannte Zentraldepot für beschlagnahmte Sammlungen stand unter der administrativen und wissenschaftlichen Leitung des Kunsthistorischen Museums und damit von Dworschak als Person. An diesem Ort wurden Gemälde, Kunstgegenstände, Instrumente und andere Objekte aus privaten Sammlungen von verfolgten Familien erfasst, fotografiert, wissenschaftlich beschrieben und für die weitere Verteilung vorbereitet. Adolf Hitler besuchte die binnen kurzer Zeit auf beinahe 10.000 Objekte angewachsene „Sammlung“ erstmals im Herbst 1938 im Zuge seines Rundgangs durch das Kunsthistorische Museum und die Neue Burg. Zahlreiche der in den Jahren 1938 und 1939 enteigneten Objekte wurden mit Genehmigung der obersten Stellen auch für die Ausstattung der Neuen Burg verwendet, wie die erhaltene Korrespondenz sowie Bestandslisten zeigen. Bereits im Frühjahr 1939 stellte Fritz Dworschak erste Ansuchen um baldige Auflassung des Depots, um die ursprünglich dem Kunsthistorischen Museum zugesprochenen Raumfluchten für geplante Großausstellungen nutzen zu können. Mit Kriegsbeginn wurden die ersten Kunstgegenstände aus dem Zentraldepot verteilt und im März 1940 war es Dworschak möglich, Sonderschauen in neuen Museumsräume im ersten Stock der Neuen Burg zu eröffnen, womit ihm eine Erweiterung des Kunsthistorischen Museums gelungen war. In den folgenden Jahren ermöglichte das Kunsthistorische Museum zahlreiche Großausstellungen der NS-Propaganda an diesem Standort.
1941 stieg Dworschak vom „Leiter“ zum offiziellen „ersten Direktor“ des Kunsthistorischen Museums auf. Wie sehr er die Institution als Sprachrohr der NS-Propaganda nutzte, zeigt schon seine Initiative zur Erinnerung an Hitlers „Anschluss“-Rede am 15. März 1938 vom Altan der Neuen Burg am Heldenplatz: Dworschak ergriff die Initiative, um 1942 an der Brüstung des Altans eine Gedenktafel mit einem Auszug aus Hitlers Rede anzubringen. Außerdem wurde – spätestens 1943 – in den Boden des Altans der Neuen Burg eine runde Bodenplatte mit einer Darstellung des Reichsadlers samt den Initialen Adolf Hitlers und der Jahreszahl 1938 eingelassen.
Ab 1942 übernahm Fritz Dworschak zusätzlich eine leitende Funktion bei der Vorbereitung eines „Führer-Museums“, das für Linz geplant war. Nach dem Ende der NS-Herrschaft behauptete Dworschak, kein Mitglied der NSDAP gewesen zu sein (was er jedoch unzweifelhaft war). 1947 wurde er vom Bund pensioniert, jedoch unmittelbar von der Stadt Krems eingestellt. 1960 ehrte ihn die Republik mit dem Berufstitel „Hofrat“, Verantwortung für seine Beteiligung an der Verfolgung jüdischer Wiener*innen und seinen Einsatz für die NS-Propaganda musste Dworschak nie übernehmen.
Wissenschaftliche Literatur:
Susanne Hehenberger, Eintrag zu Fritz Dworschak im Lexikon der Österreichischen Provenienzforschung, Online abrufbar unter: www.lexikon-provenienzforschung.org/dworschak-fritz, zuletzt aktualisiert am 6.1.2019
Emanuele Sbardella: Die dritte Seite der Medaille. Dworschak als Sonderbeauftragter Hitlers für den Aufbau eines Münzkabinettes im sog. Führermuseum. Masterarbeit Berlin, 2015.
Anna Stuhlpfarrer: Hofburg und Heldenplatz als Bühne der politischen Machtdemonstration, in: Maria Welzig (Hg.), Die Wiener Hofburg seit 1918. Von der Residenz zum Museumsquartier, Wien 2018, 134–143.