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Person sitzt auf einem Bett oder Sofa vor einer Holzvertäfelung und hält ein aufgeschlagenes Buch in den Händen
Foto: Lothar Rübelt, 1. 2. 1947/ÖNB, Bildarchiv und Grafiksammlung

Hugo Adolf Bernatzik (1897–1953)

Ethnologe in Graz

Hugo Adolf Bernatzik wurde am 26. 3. 1897 in Wien geboren, wo er am 9. 3. 1953 starb. Er war 1921–24 verheiratet mit Margarethe Maria Anna Agnes Bernatzik, geb. Ast (1904–1924), in 2. Ehe ab 1928 mit Emilie Maria Wilhelmine Bernatzik, geb. Winkler (1904–1977), einer Schriftstellerin und Reisebegleiterin ihres Mannes.

 

Von seiner Mutter, einer wohlhabenden Arzttochter aus Wiesbaden, protestantisch erzogen und im Französischen unterrichtet, besuchte Bernatzik eine evangelische Volksschule in Wien sowie das Landerziehungsheim Haubinda in Sachsen-Meiningen (Hermann-Lietz-Schule) und maturierte im Oktober 1916 am Bundesrealgymnasium Mödling. Danach meldete er sich freiwillig zur Armee. Zweimal verwundet, wurde er 1917 zum Leutnant der Reserve befördert und in Albanien eingesetzt. Im Frühjahr 1918 begann Bernatzik ein Medizinstudium an der Universität Wien, das er 1920 aus finanziellen Gründen abbrach. Nach dem Abiturientenlehrgang an der Hochschule für Welthandel in Wien betätigte er sich unternehmerisch als Anlageberater und Manager für seine Verwandten. Die wichtigsten Firmengründungen waren Tochtergesellschaften der Farbenfabrik Marx in Gaaden bei Mödling.  

Finanziell unabhängig, begann Bernatzik 1930 wieder zu studieren, wechselte aber nun zu Ethnologie, Anthropologie und Psychologie. Er schloss sein Studium im Juni 1932 als Dr. phil. an der Universität Wien mit der Dissertation Monographie der Kassanga ab. Wegen methodischer Diskrepanzen zur Wiener Kulturkreistheorie habilitierte sich Bernatzik im Mai 1936 mit der Arbeit Das Leben des Individuums und die Entwicklung des Kindes auf Owa Raha und Owa Riki für Völkerkunde an der Universität Graz. 1939 wurde er dort zum Dozenten und 1940 zum außerplanmäßigen Professor ernannt. 

 

Mitbedingt durch den Tod seiner ersten Frau unternahm Bernatzik immer ausgedehntere Reisen, u. a. nach Nordwestafrika (1923), Ägypten und Somalia (1925), in den anglo-ägyptischen Sudan (1927), nach Portugiesisch-Guinea (1930–31, gemeinsam mit dem Anthropologen Bernhard Struck), auf die Britischen Salomonen, nach Britisch-Neuguinea und Bali (1932–33) sowie nach Burma, Thailand und Französisch-Indochina (1936–37). Dabei beschäftigte er sich zunächst mit Tierbeobachtungen und der Jagd, doch ab 1927 rückte die Ethnographie in den Mittelpunkt seines Interesses. Über seine Reisen berichtete er in lebendig geschriebenen und mit exzellenten Fotografien ausgestatteten Büchern, die noch heute übersetzt werden, auf Lichtbildervorträgen und in Radiosendungen. Die Fotografie erlernte er autodidaktisch. Zu seiner Publikation Gari-Gari (1930) produzierte Bernatzik einen gleichnamigen Expeditionsfilm, der bereits 1928 in Wiener und Prager Kinos gezeigt wurde. Ab 1936 begann er mit der Herausgabe der dreibändigen Großen Völkerkunde (1939), an der 14 Fachautoren beteiligt waren. Damit begründete Bernatzik die angewandte Ethnologie, die als Kolonialethnologie die Grundlage für die moderne Kolonisation bilden sollte. 

 

Die Einbindung des sich selbst als unpolitisch verstehenden Wissenschaftlers in den NS-Staat ist schwer zu beurteilen. 1935–38 gehörte Bernatzik dem Nationalsozialistischen Kraftfahrkorps im Rang eines Staffelführers an. Ab 1. Mai 1938 war er Mitglied der NSDAP (Mitgliedsnummer 6.106.337). Laut Gauakt Wien und eigenen Angaben war er bereits am 25. Dezember 1935 der NSDAP in Österreich beigetreten, was ihn als „alten Kämpfer“ auswies. Außerdem war er Träger der Medaille zur Erinnerung an den 13. März 1938 („Ostmarkmedaille“). Trotz dieser vorteilhaften politischen Referenzen und Verbindungen zu hohen Parteifunktionären erhielt Bernatzik nach 1938 keine der begehrten Positionen in Wien (Leitung des Universitätsinstituts bzw. des Museums für Völkerkunde oder der Urania). Auch das Ahnenerbe der SS lehnte seine Aufnahme ab. Dabei war er Anfeindungen und Diskriminierungen durch Kollegen ausgesetzt und sein wissenschaftlicher Ruf wurde beschädigt. Erst im September 1940 erhielt er im Kolonialpolitischen Amt der NSDAP für einige Monate eine Anstellung, wo man ihn mit der Herausgabe eines ethnologischen Handbuchs über Afrika beauftragte. Es war als wissenschaftliches Hilfsmittel für künftige Kolonialpolitiker, -beamte und Siedler konzipiert, 32 Fachautoren aus Deutschland, Frankreich, Italien und Belgien wirkten daran mit. Bernatzik und seine Mitarbeiter wurden für diese Arbeit als „unabkömmlich“ eingestuft, was sie vor dem aktiven Kriegsdienst bewahrte. Die druckfertigen Manuskripte wurden im Krieg zerstört, doch Bernatzik konnte den Satz sichern und veröffentlichte das Werk 1947 unverändert als Afrika. Handbuch der angewandten Völkerkunde

 

1945 wurde Bernatzik wegen nationalsozialistischer Betätigung der Professorenrang aberkannt. Er rechtfertigte sich damit, dass seine Zugehörigkeit zur NSDAP vordatiert worden sei. Das Verfahren wegen des Verdachts auf Hochverrat wurde 1947 eingestellt. Obwohl er im selben Jahr als “minderbelastet” eingestuft wurde, riss die Kritik an seiner Person bis kurz vor seinem Tod nicht ab. 1952 wurde er zum ao. Professor an der Universität Graz ernannt und arbeitete an der Herausgabe des Werks Die neue große Völkerkunde, das 1954 posthum mit zum Teil anderen Autoren und zahlreichen Ergänzungen erschien. 1973 fand anlässlich seines 20. Todestags eine Gedenkausstellung im Afrikamuseum in Bad Deutsch-Altenburg statt. Bernatzik war ein begabter und äußerst erfolgreicher Fotograf und Reisejournalist. In der akademischen Ethnologie nimmt er jedoch nur eine Randstellung ein. Er gehörte ab 1932 der Anthropologischen Gesellschaft in Wien und ab 1937 als korrespondierendes Mitglied dem Württembergischen Verein für Handelsgeographie an. 1938 wurde er zum Ehrenmitglied der Geographischen Gesellschaft in Wien ernannt. Nach ihm wurde 1957 die Bernatzikgasse in Wien 19 benannt. 

 

 

Wissenschaftliche Literatur:

 

D. Byer, Der Fall Hugo A. Bernatzik. Ein Leben zwischen Ethnologie und Öffentlichkeit 1897–1953, 1999

H. Mückler, in: Österreicher im Pazifik 2, ed. H. Mückler, 1999, S. 185ff. 

I. C. Glover u. a., Bernatzik. Southeast Asia, 2003 

M. Faye, Hugo Adolf Bernatzik und die Afrika-Ethnologie: Wahrnehmung und Darstellung Afrikas in den Reiseberichten „Gari-Gari“ und „Im Reich der Bidyogo“, DA Graz, 2005 

 F. Stifel, in: Tribal. The Magazine of Tribal Art 38, 2005, S. 108ff.; Zeichnung als universelle Sprache. Werke aus Südostasien und Melanesien. Sammlung Hugo A. Bernatzik, ed. D. Byer – Ch. Reder, 2011 

Die herrlichen schwarzen Menschen. Hugo Bernatziks 
fotojournalistische Beutezüge in den Sudan 1925–1927
, ed. M. Faber – M. Pfitscher, 2014 

U. Baur – K. Gradwohl-Schlacher, Literatur in Österreich 1938–1945, 4, 2018, S. 83ff. 

 K. Matczak, in: Völkerkunde zur NS-Zeit aus Wien (1938–1945), ed. A. Gingrich – P. Rohrbacher, 2021, S. 1005ff. 

 I. Scheele, in: cultura & psyché. Journal of Cultural Psychology 3, 2023, Nr. 1, S. 1ff.; evang. Kirche A.B. Wien-Innere Stadt 

ÖStA Wien / AdR Bundesministerium für Unterricht, Personalakt Hugo Bernatzik, fol. 1–114 

ÖStA Wien / AdR Bundesministerium für Inneres, Zivilakten der NS-Zeit, „Gauakt“ Hugo A. Bernatzik Nr. 39.489 

 WStLA / 2.5.1.4.K11. Meldezettel; 2.7.1.4. „Gauakt“ Hugo A. Bernatzik; Bundesarchiv Berlin / NS 21/1048 

Dieser Text wurde dem Österreichischen Biographischen Lexikon entnommen und geringfügig überarbeitet. Der originale Eintrag war zuletzt am 15.7. 2024 aktualisiert worden, https://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_B/Bernatzik_Hugo-Adolf_1897_1953.xml, veröffentlicht unter der Lizenz  Creative Commons BY-NC-SA 3.0 AT 

 

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