Anton Burger, Sohn eines Papierwarenhändlers, absolvierte nach dem Besuch der Volks- und Bürgerschule eine kaufmännische Lehre. Nach einem Jahr als Verkäufer in Neunkirchen meldete er sich 1930 freiwillig zum österreichischen Bundesheer. 1931 trat er der NSDAP bei.
Als die NSDAP am 19. Juni 1933 in Österreich verboten wurde, musste Burger das Bundesheer verlassen. Er floh illegal in das Deutsche Reich und schloss sich in München als SA-Mitglied der Österreichischen Legion an. Im Juli 1934 nahm er am gescheiterten Putschversuch der Nationalsozialisten gegen die österreichische Regierung teil.
Nach der NS-Machtübernahme in Österreich kam Burger 1938 nach Wien, wo er zur SS wechselte und für den Sicherheitsdienst (SD) tätig wurde. Ab Herbst 1938 arbeitete er in der Zentralstelle für jüdische Auswanderung, in der er zu einem wichtigen Mitarbeiter Adolf Eichmanns aufstieg und an der systematischen Beraubung, Vertreibung und (ab Oktober 1939) Deportation der jüdischen Bevölkerung beteiligt war. Burger wurde 1939 zur Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Prag versetzt und 1941 mit der Leitung der Zweigstelle in Brünn beauftragt. Ende 1942 war er im Judenreferat (IV B 4) des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA) tätig, dass für die zentrale Organisation sämtlicher Deportationen der Jüdinnen und Juden aus Deutschland und den besetzten Ländern Europas zuständig war. Im Februar 1943 entsandte ihn Eichmann nach Saloniki, wo er innerhalb weniger Monate etwa 46.000 Jüdinnen und Juden in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportieren ließ. Am 5. Juli 1943 wurde er zum Lagerkommandanten des Ghettos Theresienstadt in Terezín im besetzten Tschechien ernannt. Bis Ende Jänner 1944, in dieser Position, führte Burger ein brutales Regime und verhängte harte Strafen. Auf seinen Befehl hin wurden Zehntausende Menschen, darunter viele Kinder, zur Ermordung nach Auschwitz-Birkenau geschickt. Ab März 1944 leitete er das Judenreferat beim Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des SD in Athen. Unter seiner Verantwortung wurden etwa 7.000 Jüdinnen und Juden von Athen, Korfu und Rhodos deportiert. Im Herbst war er in Budapest Teil des Sondereinsatzkommandos Eichmann zur Deportation der jüdischen Bevölkerung Ungarns. Im April 1945 traf Burger seinen Chef Adolf Eichmann in Altaussee in der Steiermark ein letztes Mal, als dieser Geldbeträge und Goldmünzen an seine ehemaligen Mitarbeiter, darunter Burger, als finanzielle Fluchthilfe verteilte. Burger wurde im Juli 1945 in einer Almhütte festgenommen, als verdächtiger SS-Mann im US-amerikanischen Lager für ehemalige NSDAP-Funktionäre in Glasenbach bei Salzburg inhaftiert und zur internationalen Fahndung ausgeschrieben. Erst 1947 wurde er als ehemaliger Ghetto-Kommandant enttarnt.
Vor der drohenden Auslieferung an die Strafjustiz flüchtete er im Juni 1947 aus dem Lager Glasenbach. Vier Jahre lebte er verborgen im Untergrund, bis er im März 1951 erneut verhaftet wurde. Vor Prozessbeginn in Wien gelang es ihm abermals, sich durch Flucht aus der Verantwortung zu stehlen. In den folgenden vierzig Jahren versteckte er sich mit Hilfe eines Netzwerks, das ihm gefälschte Papiere und Unterkünfte verschaffte. 1962 fand er eine Anstellung in Essen in Deutschland, ging 1975 nach einem Herzinfarkt in Pension und lebte zurückgezogen unter dem Namen Wilhelm Bauer. Am 25. Dezember 1991 starb er achtzigjährig an Darmkrebs. Erst zwei Jahre nach seinem Tod konnte seine wahre Identität geklärt werden.
Weiterführende Links:
https://ghetto-theresienstadt.de/lexikon/burger-anton
Literatur:
Hans Safrian, Eichmann und seine Gehilfen, Frankfurt/Main 1997, S. 53, S. 270 ff., S. 323 f.
Ernst Klee, Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945, Frankfurt/Main 2007, S. 86.
Karla Müller-Tupath, Verschollen in Deutschland. Das heimliche Leben von Anton Burger, Lagerkommandant von Theresienstadt, Hamburg 1994.
Anton Burger: Ein NS-Täter auf der Flucht, in: Stefan Eminger / Ernst Langthaler / Klaus-Dieter Mulley, Nationalsozialismus in Niederösterreich. Opfer. Täter. Gegner, Innsbruck 2021 (= Nationalsozialismus in den österreichischen Bundesländern, Bd. 9), S. 331–332.