Gotzmann wurde als Sohn eines k.u.k. Unteroffiziers am 14. Juli 1893 in Olomouc/Olmütz im heutigen Tschechien geboren. Nach Abschluss seines Studiums der Rechtswissenschaften an der Universität Wien mit dem Doktortitel nahm er 1916–1918 als Soldat am Ersten Weltkrieg teil. 1920 trat der Jurist in den österreichischen Polizeidienst ein und war im Wiener Polizeipräsidium tätig. 1924–1933 war er der Wiener Sicherheitswache zugeteilt und fungierte als Kommandant der Alarmabteilung. Nach dem Verbot der NSDAP in Österreich im Juni 1933 plante Gotzmann noch im selben Jahr mit anderen Polizei- und Bundesheeroffizieren einen Putsch zum Sturz der Regierung Dollfuß. An der Spitze dieser Verschwörung stand Leo Gotzmann, der in der Polizei eine NS-Zelle aufbaute, die rund tausend Mitglieder umfasste und besonders stark in der Alarmabteilung verwurzelt war. Allerdings wurden zahlreiche Angehörige der Alarmabteilung – darunter auch Gotzmann – noch im August 1933 wegen des Verdachts auf illegale nationalsozialistische Betätigung in andere Polizeidienststellen bzw. Bezirkspolizeikommissariate versetzt und somit die Putschpläne vereitelt. Beim Juli-Putsch 1934 ging Gotzmann auf vorsichtige Distanz und wartete ab. Nach dem Scheitern des Umsturzversuchs wurde er verhaftet und im März 1935 wegen Hochverrats zu lebenslanger Haft verurteilt. Da Gotzmann als schwerer Fall eingestuft wurde, fiel er nicht unter die Amnestie des Juliabkommens von 1936, sondern kam erst durch das Berchtesgadener Abkommen 1938 zwischen Adolf Hitler und Bundeskanzler Kurt Schuschnigg auf freien Fuß.
Nach der NS-Machtübernahme in Österreichs im März 1938 wurde Gotzmann wieder in die Wiener Polizei in einer leitenden Position als Oberregierungsrat im Polizeipräsidium aufgenommen. Erst im Mai 1938 erfolgte sein Beitritt zur NSDAP. Für seine Verdienste in der Wiener Polizei in der Zeit des Parteiverbots erhielt er 1938 ein Mandat im Großdeutschen Reichstag, das er bis 1945 innehatte. Als Josef Fitzthum wegen Korruption als Polizeivizepräsident von Wien abgelöst wurde, rückte Gotzmann in dessen Position nach. Nach dem Tod von Otto Steinhäusl stieg Gotzmann schließlich 1941 zum Polizeipräsidenten von Wien auf. Da er in dieser Funktion einen höheren SS-Rang benötigte, wurde er am Geburtstag Hitlers, dem 20. April 1941, in die SS übernommen. Im November 1942 erfolgte seine Beförderung zum SS-Brigadeführer und Generalmajor der deutschen Polizei. Als das Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 und der damit einhergehende Umsturzversuch in Paris und Wien zunächst erfolgreich anlief, ergab sich Gotzmann zusammen mit dem Höheren SS- und Polizeiführer Rudolf Querner und dem Stellvertretenden Wiener NSDAP-Gauleiter Karl Scharizer widerstandslos den aufständischen Wehrmachtsoffizieren.
Bei Kriegsende 1945 versuchte Gotzmann in den Alpen unterzutauchen. Er wurde von US-amerikanischen Truppen festgenommen und in das Internierungslager Zuffenhausen in Deutschland gebracht, wo er am 7. Dezember 1945 eines natürlichen Todes starb.
Wissenschaftliche Literatur:
Wolfgang Graf, Österreichische SS-Generäle. Himmlers verlässliche Vasallen, Klagenfurt–Ljubljana–Wien 2012, S. 323–325.
Ernst Klee, Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945, Frankfurt/Main 2003, S. 194.
Nikolaus von Preradovic, Österreichs Höhere SS-Führer, Augsburg 1987, S. 157, S. 217.
Barbara Stelzl-Marx / Andreas Kranebitter / Gregor Holzinger (Hg.), Exekutive der Gewalt. Die österreichische Polizei und der Nationalsozialismus, Wien 2024.