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Emil Gelny (1890–1961)

Arzt, Leiter von Tötungsprogrammen in Gugging und Mauer-Öhling

Emil Gelny wurde am 28. März 1890 in Wien geboren. Nach seinem Medizinstudium an der Universität Wien arbeitete er ab 1915 als praktischer Arzt in Klosterneuburg. Gelny schloss sich früh der NS-Bewegung an, 1932 trat er der NSDAP und der SA bei. Auch nach dem NSDAP-Verbot in Österreich 1933 setzte er seine Parteiaktivitäten illegal fort, beteiligte sich am gescheiterten Juliputsch 1934 und kam daraufhin ins Anhaltelager Wöllersdorf. Nach der NS-Machtübernahme in Österreich 1938 zählte Gelny zu den wichtigsten Akteur*innen der NSDAP in Klosterneuburg. Nach einem dreimonatigen Schnellkurs erhielt er im August 1943 den Titel eines Facharztes für Geistes- und Nervenkrankheiten verliehen. Aufgrund seiner freundschaftlichen Beziehungen zum Arztkollegen und NSDAP-Gauleiter von Niederdonau Hugo Jury und dessen Gauhauptmann Josef Mayer wurde ihm im Oktober 1943 die ärztliche Leitung der beiden Heil- und Pflegeanstalten Gugging und Mauer-Öhling übertragen.

 

Bereits 1940/1941 waren im staatlichen „Euthanasie“-Tötungsprogramm etwa 675 Patient*innen aus Gugging und ca. 1.300 Patient*innen aus Mauer-Öhling in der Tötungsanstalt Hartheim ermordet worden. Als überzeugter Anhänger der Euthanasie ermordete Gelny aus eigenem Antrieb angeblich unheilbare oder arbeitsunfähigen Patient*innen mittels überdosierter Schlafmittel sowie mit einem umgebauten Elektroschockapparat. In Gugging führte er seine Mordmethode mit Starkstrom 1944 auch Psychiatern vor. Ab November 1944 ermordete er auch in Mauer-Öhling Menschen, wo er mit Hilfe des Abteilungsvorstands Josef Utz und des dortigen Pflegepersonals mindestens 39 Patient*innen mit Tabletten und Injektionen zu Tode brachte. Ende 1944 kehrte er nach Gugging zurück. 

 

Nach der Ankunft der Roten Armee im April 1945 schlug er sich mit dem Fahrrad nach Mauer-Öhling durch, wo er kurz vor Kriegsende noch 700 bis 800 Pfleglinge als „unnütze Esser“ töten wollte. Dieses Vorhaben wurde durch das rasche Vordringen der Sowjets vereitelt, doch tötete er noch 149 Menschen – darunter auch kranke Zwangsarbeiter*innen – mit seinem Schockapparat. Dabei drohte er dem Pflegepersonal ständig mit KZ oder Erschießen, wenn sie ihn nicht unterstützen würden. Insgesamt war Gelny für mindestens 600 Patient*innenmorde in Gugging und Mauer-Öhling persönlich verantwortlich. Daneben starben in Gugging über 1.300 Schützlinge und in Mauer-Öhling über 300 Patient*innen an Hunger, Mangelversorgung, Vernachlässigung und Infektionskrankheiten, nicht eingerechnet dabei jene Patient*innen, die in andere Anstalten gebracht wurden und dort ums Leben kamen.

 

Nach dem Ende der NS-Herrschaft flüchtete Gelny zunächst nach Kufstein in Tirol, wo er bei der französischen Besatzungsmacht als Arzt arbeitete. Als ihm die Enttarnung drohte, entkam er mit gezückter Waffe und floh über Syrien in den Irak. In Bagdad gründete er eine Familie und praktizierte wieder als Allgemeinmediziner. Er starb vermutlich am 28. März 1961 in Bagdad im Irak ohne je für seine Verbrechen gerichtlich zur Verantwortung gezogen worden zu sein. 

 

 

Weiterführende Links:

 

https://ista.ac.at/de/institut/geschichte/memorial-gugging/ 

https://ist.ac.at/wp-content/uploads/2021/05/Czech_Gugging.pdf

https://sciencev2.orf.at/stories/1749965/index.html 

https://www.derstandard.at/story/2000008592212/ns-medizinverbrechen-in-gugging-opferzahl-viel-hoeher-als-gedacht 

https://science.orf.at/v2/stories/2980242/ 

 

 

Wissenschaftliche Literatur :

 

Herwig Czech, Von der „Aktion T4“ zur  „dezentralen Euthanasie“. Die niederösterreichischen Heil- und Pflegeanstalten Gugging, Mauer-Öhling und Ybbs, in: Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Hg.), Fanatiker, Pflichterfüller, Widerständige. Reichsgaue Niederdonau, Groß-Wien, Wien 2016 (= Jahrbuch 2016), S. 219–266. 

Gerhard Fürstler / Peter Malina, „Ich tat nur meinen Dienst“. Zur Geschichte der Krankenpflege in Österreich, Wien 2004, S. 260–265. 

Henry Friedlander, The Origins of Nazi Genocide. From Euthanasia to the Final Solution, Chapel Hill–London 1995. 

Emil Gelny: Der Massenmörder, in: Stefan Eminger / Ernst Langthaler / Klaus-Dieter Mulley, Nationalsozialismus in Niederösterreich. Opfer. Täter. Gegner, Innsbruck 2021, S. 265–266. 

 

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