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Schwarz-weiße Zeitungsseite mit einem Foto von zwei Personen, die in ein Mikrofon sprechen, dazu Überschrift und Fließtext in Frakturschrift.
ÖNB, ANNO

Eldon William Walli (1913–2003)

Radioreporter

Eldon W. Walli trat bereits im Jahr 1927 als 14-Jähriger der Hitler-Jugend (HJ) bei und war maßgeblich an der Vernetzung der Ortsgruppen in Österreich beteiligt. Bereits kurz nach seiner gleichzeitigen Aufnahme in die NSDAP und SS 1931 stand Eldon Walli wegen der Beteiligung an der „Sprengung einer jüdischen Kinovorstellung” erstmals vor Gericht und wurde nach dem Verbot der NSDAP in Österreich zu einer 4-wöchigen Gefängnisstrafe verurteilt. Nach einer erneuten Anklage wegen der Planung eines Sprengstoffattentats auf die Badner Bahn, emigrierte Eldon Walli nach Deutschland und arbeitete ab 1937 in München für die Reichs-Rundfunk-Gesellschaft (RRG).  

 

Bereits unmittelbar nach der NS-Machtübernahme kehrte Eldon Walli am 12. März 1938 nach Österreich zurück und brachte als einer der ersten Radioreporter Propaganda-Meldungen vom Einmarsch der Deutschen Wehrmacht in Kufstein. Danach verlagerte sich seine Tätigkeit für die NS-Propaganda nach Wien, wo er als Moderator des in den NS-Rundfunk eingegliederten Reichsenders Wien die Gestaltung der Sendung Zeitfunk verantwortete, die als „Nachrichten“-Journal jeden Tag live im Vorabendprogramm ausgestrahlt wurde. 

 

Aus dieser Zeit stammt auch das bekannteste Zeugnis der Beteiligung von Eldon Walli an den Propagandasendungen des NS-Rundfunks, da er im November 1938 live von der Zerstörung des Leopoldstädter Tempels berichtete. Diese Reportage wurde vor allem durch den antisemitischen Kommentar des Reporters Eldon Walli zum beklemmenden Zeugnis dafür, wie die Novemberpogrome in Österreich dargestellt wurden. Anderes als Zeitungsartikel, in denen die organisierten Pogrome als spontaner Racheakt der Bevölkerung vermittelt werden sollten, werden in der Radio-Reportage das Ausmaß der Zerstörung ebenso eindrücklich hörbar wie Wallis Versuch, antisemitischen Hass weiter zu schüren.

 

Nach der Einstellung des Nachrichtenformats war Eldon Walli für eine Vielzahl von Unterhaltungssendungen in Wien tätig und schließlich als Mitglied verschiedener SS-Divisionen Berichterstatter einer Propagandakompanie. Dabei sendete er vor allem während des Russlandfeldzugs der Wehrmacht Sendungen, die sich an die „Heimatfront“ richteten. 

 

Nach dem Ende der NS-Herrschaft setzte er seine journalistische Karriere bei der neu gegründeten US-amerikanisch-kontrollierten Sendergruppe Rot-Weiß-Rot fort und wurde erst 1949 aufgrund seiner Beteiligung an den Sendungen des NS-Rundfunks als Reporter entlassen. 

 

Nach mehreren Verfahren vor dem Volksgerichtshof, die ohne Urteilsspruch endeten, erhielt Eldon Walli erneut Aufträge fürs Radio, diesmal in der französisch-kontrollierten Sendergruppe West und ab 1952 beim Hamburger Rundfunk für das neue Medium Fernsehen engagiert. Nachdem er Anfang der 1960er-Jahre die österreichische Staatsbürgerschaft zurückerhielt und wieder in Wien wohnte, ist nichts über weitere journalistische Tätigkeiten von Eldon Walli im Rundfunk bekannt, obwohl in einer Vielzahl von enttäuschten Leser*innenbriefen vehement auf seine Rückkehr gedrängt wird. Ab Mitte der 1960er Jahre betrieb er ein Schallplattengeschäft am Wiener Graben und starb 2003.  

 

Wissenschaftliche Literatur:

 

Elias Berner & Birgit Haberpeuntner: Andreas Reischek und Eldon Walli: Geschichten einer Freundschaft, in: Stefan Benedik, Konrad Mitschka, Karin Moser (Hg.), Radiomomente. Erinnerungen und Analysen aus 100 Jahren Radio. Wien 2024, 70–71. 

Fritz Hausjell & Theodor Venus: „... wie´s ihm ums Herz ist”. Eine Radioreportage zum Judenpogrom „Reichskristallnacht”, in: Medien & Zeit 3 (1988), 31–33. 

Emmerich Tálos: NS-Herrschaft in Österreich. Ein Handbuch. Wien 2000, 617. 

 

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