Erich Wasicky wurde am 27. Mai 1911 in Wien geboren, er war das älteste Kind von Franz und Nina Wasicky. Er studierte Pharmazie an der Universität Wien und schloss das Studium im März 1939 ab. Während dieser Zeit besuchte er Vorlesungen seines Onkels Richard Wasicky, eines anerkannten Experten auf dem Gebiet der Pharmakognosie, der 1938 seine Professur an der Universität Wien verlor und aufgrund der NS-Herrschaft und der Verfolgung von Juden und Jüdinnen emigrieren musste.
Nach einem Praktikum am Pharmakologischen Institut arbeitete Erich Wasicky bei der Firma Kwizda im Pharmahandel. Wasicky wurde früh politisch geprägt: 1923 schloss er sich dem deutschnationalen Deutschen Turnerbund und dem rechtsextremen Deutschen Mittelschülerbund an. Im Juli 1930 trat er der NSDAP bei und stieg zum politischen Leiter auf. Im März 1933 wurde er Mitglied der SS. Nach dem Verbot der NSDAP in Österreich blieb er Mitglied, wurde auch Teil der illegalen SS und beteiligte sich an Sabotage- und Terrorakten. 1937 wechselte er zur illegalen 89. SS-Standarte, deren Angehörige beim gescheiterten „Juliputsch“ 1934 involviert gewesen waren. 1938 heiratete er seine Studienkollegin Herta Kolb, mit der er zwei Söhne hatte. An der NS-Machtübernahme in Österreich 1938 nahm Wasicky aktiv teil. Im Jänner 1940 wurde er in die Waffen-SS eingezogen und kam nach der militärischen Grundausbildung zum SS-Hauptsanitätslager nach Berlin.
Im Juni 1940 erhielt Wasicky den Auftrag, im KZ Mauthausen eine Apotheke zu errichten und zu leiten. Als Leiter dieser Lager-Apotheke war er neben dem SS-Standortarzt Eduard Krebsbach 1941/1942 an der Errichtung einer als Duschraum getarnten Gaskammer im KZ Mauthausen beteiligt. Zeugenaussagen zufolge war Wasicky dafür verantwortlich, das Giftgas Zyklon B zu besorgen und bereitzustellen, das von der Reinigungs- und Entwesungsanstalt Anton Slupetzky in Linz geliefert wurde. Auch die Teilnahme Wasickys an Selektionen und Ermordung von hunderten KZ-Häftlingen ist durch Zeugenaussagen belegt. Insgesamt dürften von 1942 bis 1945 mindestens 3.500 Personen in dieser Gaskammer ermordet worden sein. Wasicky stellte sich auch freiwillig als Fahrer eines Wagens zur Verfügung, der zwischen dem KZ Mauthausen und dem rund fünf Kilometer entfernten KZ Gusen pendelte, um Häftlinge währenddessen zu ermorden. Pro Fahrt wurden in dem Gaswagen bis zu 30 Personen durch giftige Autoabgase oder Zyklon B getötet, getarnt war er als „Entlausungswagen“. Die Opferzahlen werden hier 1943 zwischen 900 und 3.300 Häftlingen geschätzt. Wasicky war auch in die „Aktion 14f13“ involviert, in deren Rahmen 1941/1942 und 1944 ca. 10.000 „kranke“, „arbeitsunfähige“ oder „missliebige“ Häftlinge aus den KZs Mauthausen, Gusen, Dachau und Ravensbrück in die Tötungsanstalt Hartheim zur Vergasung überstellt wurden. Im KZ Mauthausen beteiligte sich Wasicky auch an Tötungen, die der berüchtigte KZ-Arzt Aribert Heim durchführte. Als Pharmazeut experimentierte er mit selbst hergestellten Giftmischungen, die er den Häftlingen in Form von Injektionen oder Pillen verabreichte. Im Februar 1944 wurde er in das SS-Lazarett in Auxerre in Frankreich versetzt, ab Jänner 1944 war er bis Kriegsende Divisionsapotheker bei Einheiten der Waffen-SS.
Nach Kriegsende kehrte er nach Österreich zurück, wo seine Frau inzwischen in Gosau in Oberösterreich lebte. Er stellte sich im August 1945 dem Counter Intelligence Corps (CIC), dem Geheimdienst der US-Armee, in Bad Ischl. Wasicky wurde verhaftet, interniert und nach langen Verhören 1946 im Dachauer Mauthausen-Hauptprozess angeklagt. Bis zuletzt zeigte er keine Schuldeinsicht. Das US-Militärgericht verurteilte ihn am 13. Mai 1946 für seine Verbrechen zum Tode. Am 28. Mai 1947 wurde er in Landsberg am Lech in Deutschland hingerichtet.
Weiterführende Links:
Wissenschaftliche Literatur:
Christian Dürr, Die Gaskammer im KZ Mauthausen. Ein Überblick über Erkenntnisse jahrzehntelanger Forschung, in: KZ-Gedenkstätte Mauthausen/Mauthausen Memorial (Hg.), Jahrbuch Mauthausen 2016. NS-Täterinnen und -Täter in der Nachkriegszeit, Wien 2017, S. 131–136.
Gregor Holzinger, Erich Wasicky, in: Gregor Holzinger (Hg.), Die zweite Reihe. Täterbiografien aus dem KZ Mauthausen, Wien 2016 (= Mauthausen-Studien, Bd. 10), S. 180–183.
Ernst Klee, Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945, Frankfurt/Main 2003, S. 656.
Bertrand Perz/Florian Freund, Tötungen durch Giftgas im Konzentrationslager Mauthausen, in: Günter Morsch/Bertrand Perz (Hg.), Neue Studien zu nationalsozialistischen Massentötungen durch Giftgas, Berlin 2011, S. 244–259.
Christian Rabl, Am Strang. Die österreichischen Angeklagten in den Dachauer Mauthausen-Prozessen, Wien 2018.
Wasicky, Richard, in: Werner Röder/Herbert A. Strauss (Eds.), International Biographical Dictionary of Central European Emigrés 1933–1945, Vol. 2/2, München 1983, p. 1209.