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Franz Kutschera (1904–1944)

Leitender Polizist im besetzten Warschau

Franz Kutschera wurde als Sohn eines Gärtners am 22. Februar 1904 in Oberwaltersdorf in Niederösterreich geboren. Volks- und Bürgerschule besuchte er an verschiedenen Orten der Habsburgermonarchie, da sein Vater öfter den Dienstgeber wechselte. Im Juli 1918 meldete er sich als Maschinenjunge zur k. u. k. Marine und besuchte eine Marineschule in Budapest. Nach dem Ersten Weltkrieg begann er eine Gärtnerlehre. Von 1920 bis 1928 arbeitete und lebte er in Opava/Troppau und Karlový Vary/Karlsbad, also in Grenzgebieten der Tschechoslowakei mit einer deutschsprachigen Bevölkerungsmehrheit. Kutschera betätigte sich für die deutschvölkisch orientierte Jugendbewegung, so war er Mitglied des Wandervogels und des Deutschen Turnerbunds, beide Verbände schlossen Menschen “jüdischer” oder “slawischer” Herkunft von einer Mitgliedschaft aus. Kutschera gehörte überdies dem rechtsextremen, antisemitischen Geheimbund Deutsche Gemeinschaft an, der sich dem Kampf gegen das „Ungeradetum“ widmete, worunter die Mitglieder Jüdinnen und Juden, Liberale, Sozialdemokrat*innen, Marxist*innen, Bolschewist*innen, Freimaurer*innen und mit diesen Sympathisierende verstanden. 

 

Im Dezember 1930 trat Kutschera der NSDAP, im Oktober 1931 der SS bei. Nach dem Verbot der NSDAP in Österreich im Juni 1933 war Kutschera wegen seiner Betätigung für die illegale NSDAP viermal – insgesamt elfeinhalb Monate – im Anhaltelager Wöllersdorf inhaftiert. Von 1935 bis zum März 1938 war er mit der Führung der illegalen SS-Standarte Kärnten betraut. Von Februar bis März 1938 übte er die Leitung des NSDAP-Gaues Kärnten-Osttirol aus. Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 wurde er zum kommissarischen Gauleiter, am 24. Mai 1938 zum stellvertretenden Gauleiter des NSDAP-Gaus Kärnten (für den abwesenden Gauleiter Hubert Klausner) bestellt. Nach Klausners Tod 1939 bis zur Bestellung von dessen Nachfolger Friedrich Rainer 1941 war Kutschera NSDAP-Gaugeschäftsführer Kärntens. Er war zudem Mitglied des Großdeutschen Reichstags

 

Nach dem Angriff der deutschen Wehrmacht auf Jugoslawien im April 1941 und der Aufteilung Sloweniens in Besatzungszonen stieg Kutschera zum Chef der Zivilverwaltung der Oberkrain/Gorenjska auf, die als Zivilverwaltungsgebiet „Kärnten und Krain“ von Klagenfurt aus verwaltet wurde. Als solcher war er für die Bekämpfung der Partisan*innen zuständig, die sich gegen die deutsche Besatzung zur Wehr setzten. Kutschera ging gegen diese mit Fanatismus und Härte vor. Im November 1941 wurde er in die Dienststelle des Reichskommissars für die Festigung des deutschen Volkstums berufen, die eine ethnische Neuordnung der eroberten Gebiete Osteuropas durch Zwangsumsiedlungen nach rassistischen Vorstellungen zur Aufgabe hatte. 

 

1942/1943 kam Kutschera als SS- und Polizeiführer im Bezirk Mogilew/Belarus zum Einsatz und wurde in den Rang eines SS-Brigadeführers und Generalmajors der Polizei befördert. Im September 1943 wurde er als SS- und Polizeiführer nach Warschau/Polen versetzt, wo er den polnischen Widerstand massiv unterdrücken ließ. Die von ihm veranlassten Verhaftungen und Hinrichtungen von Tausenden polnischen Zivilist*innen trugen ihm den Ruf eines „Henkers von Warschau“ ein. Kutschera wurde schließlich – mit Billigung der polnischen Exilregierung – von einem Gericht der Armia Krajowa (AK), der im Untergrund agierenden polnischen Heimatarmee, zum Tode verurteilt. Am 1. Februar 1944 wurde Kutschera in Warschau in der Nähe seines Amtssitzes von Partisanen erschossen, die einer der AK nahestehenden Pfadfinder*innenorganisation angehörten. Als Vergeltung ließen die NS-Besatzer am folgenden Tag 300 polnische Geiseln erschießen. 

 

 

Weiterführende Links:

 

https://www.gedenkorte-europa.eu/de_de/article-kutschera-franz-1904-ndash-1944-warschau.html

https://www.reichstag-abgeordnetendatenbank.de/select.html?pnd=130554626 

https://bliskopolski.pl/historia-polski/armia-krajowa/akcja-kutschera/ 

 

 

Literatur:

 

Alfred Este, Kärntens braune Elite, 2. verb. Aufl., Klagenfurt–Ljubljana–Wien 1997, S. 98–103. 

Wolfgang Graf, Österreichische SS-Generäle. Himmlers verlässliche Vasallen, Klagenfurt–Ljubljana–Wien 2012, S. 279–281. 

Hans Schafranek, Wer waren die niederösterreichischen Nationalsozialisten? Biografische Studien zu NSDAP-Kreisleitern, SA und SS, St. Pölten 2020 (= Forschungen zur Landeskunde von Niederösterreich; Bd. 42), S. 118–120. 

 

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