Humbert Achamer-Pifrader (1900–1945)
Leitender Polizist in Riga und Berlin, Leiter einer Mord-Einheit im besetzten Belarus
Humbert Pifrader wurde am 21. November 1900 in Teplice/Teplitz-Schönau im heutigen Tschechien geboren. Über seinen Vater ist nichts bekannt, seine Mutter Elisabeth Pifrader stammte aus der Steiermark und arbeitete als Köchin in Teplice/Teplitz-Schönau.
Humbert Pifrader nahm bereits als 15-Jähriger am Ersten Weltkrieg teil und kam an der italienischen Front zum Einsatz. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs kämpfte er im Kärntner Grenzkonflikt weiter. 1926 stellte ihn Polizeidirektor Otto Steinhäusl bei der Polizeidirektion Salzburg ein – im Rahmen seiner Unternehmung, den Polizeiapparat mit radikalen Deutschnationalen zu unterwandern. Als Polizeiangehöriger legte Pifrader 1930 nebenberuflich die Matura ab und begann Rechtswissenschaft an der Universität Innsbruck zu studieren, ein Studium, dass er 1934 mit dem Doktortitel abschloss. Er war nun als Verwaltungsjurist im Sicherheitsbüro in der staatspolizeilichen Abteilung und im Presse- und Vereinsreferat tätig. Seit er im November 1932 adoptiert wurde, führte er den Namen Achamer-Pifrader.
Bereits 1931 war er der NSDAP beigetreten. Während des Studiums engagierte sich Achamer-Pifrader als Mitglied des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbunds und bei der der NS-Gewerkschaft in Salzburg. Nach dem Parteiverbot in Österreich im Juni 1933 führte er sein Engagement für die illegale NSDAP im Polizeiapparat fort. Da ihm deshalb eine Verhaftung drohte, setzte er sich im Juni 1935 in das Deutsche Reich ab, wo er in die Bayerische Politische Polizei aufgenommen wurde, die Heinrich Himmler leitete. 1935 erfolgte sein Beitritt zur SS. 1936 wechselte er in das Geheime Staatspolizeiamt nach Berlin, in dem er als Sachbearbeiter für „österreichische Angelegenheiten“ tätig war.
Nach der NS-Machtübernahme in Österreich 1938 stieg Achamer-Pifrader im März 1938 zum stellvertretenden Leiter der Gestapo-Leitstelle Wien auf und war als solcher maßgeblich an deren Aufbau beteiligt. Seine weitere Karriere verlief außerhalb Wiens. Von Februar bis März 1940 leitete er die Gestapo Linz, ab April 1940 die Gestapo in Darmstadt. In Hessen war er gleichzeitig Inspekteur der Sicherheitspolizei und Sicherheitsdienst (SD) mit Sitz in Wiesbaden. In dieser Funktion organisierte er 1942 die erste Deportation hessischer Jüdinnen und Juden in Vernichtungslager.
Im September 1942 wurde Achamer-Pifrader im Rahmen des Vernichtungskriegs gegen die Sowjetunion zum Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des SD in Riga bestellt. Als solcher unterstand ihm die gesamte politische Polizei im Reichskommissariat Ostland, das die baltischen Staaten und große Teile von Belarus umfasste. Damit war er auch Kommandeur der Einsatzgruppe A, die Partisan*innen, Widerstandskämpfer*innen und Rom*nija vor allem die jüdische Zivilbevölkerung in Massenerschießungen ermordete. Während seiner Amtszeit kamen in Riga auch Gaswagen beim Mord an den Jüdinnen und Juden zum Einsatz.
Im Herbst 1943 wurde Achamer-Pifrader zum Inspekteur der Sicherheitspolizei und des SD in Berlin und Stettin ernannt. Nach dem Scheitern des Attentats auf Hitler am 20. Juli 1944 wurde Achamer-Pifrader als Inspekteur der Sicherheitspolizei und des SD in Berlin mit den diesbezüglichen Ermittlungen betraut und war damit maßgeblich für die Verfolgung der beteiligten Widerstandskämpfer zuständig. Am 25. April 1945 kam er während einer Inspektionsfahrt bei einem Luftangriff in Linz ums Leben.
Weiterführende Links:
https://e-gov.ooe.gv.at/bgdfiles/p3820/Achamer-Pifrader_Humbert.pdf
https://dfg-vk-darmstadt.de/Lexikon_Auflage_2/AchamerPifraderHumbert.htm
Wissenschaftliche Literatur:
Matthias Gafke, Heydrichs Ostmärker. Das österreichische Führungspersonal der Sicherheitspolizei und des SD 1939–1945, Darmstadt 2015, S. 128 ff.
Wolfgang Graf, Österreichische SS-Generäle. Himmlers verlässliche Vasallen, Klagenfurt–Ljubljana–Wien 2012, S. 303–313.
Elisabeth Boeckl-Klamper / Thomas Mang / Wolfgang Neugebauer, Gestapo-Leitstelle Wien 1938–1945, Wien 2018, S. 396 f.
Ernst Klee, Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945, Frankfurt/Main 2003, S. 10.
Helmut Krausnick / Hans-Heinrich Wilhelm, Die Truppe des Weltanschauungskrieges. Die Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD 1938–1942, Teil I und Teil II, Stuttgart 1981.
Barbara Stelzl-Marx / Andreas Kranebitter / Gregor Holzinger (Hg.), Exekutive der Gewalt. Die österreichische Polizei und der Nationalsozialismus, Wien 2024.