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Sigbert Ramsauer (1909–1991)

Lagerarzt in den KZs Gusen, Mauthausen, Dachau und Loibl

Sigbert Ramsauer wurde 1909 in eine Klagenfurter Beamtenfamilie geboren. Nach seiner Matura 1929 studierte er Medizin an der Universität Innsbruck, wo er nur mäßigen Erfolg hatte. Neben dem Studium belegte er Sprachkurse und betrieb Kampfsport. Er engagierte sich in deutschnationalen, antisemitischen Studentenverbindungen. So trat er 1929 der Universitätssängerschaft Skalden zu Innsbruck bei. Ebenso war er Mitglied der antisemitisch eingestellten Heimwehr-Studentenkompagnie Innsbruck. Am 30. Mai 1933, kurz vor deren Verbot, trat er der NSDAP und SS bei. 1935 wechselte er an die Universität Wien, wo er 1940 sein Medizinstudium abschloss. 

 

Nach der NS-Machtübernahme in Österreich 1938 meldete sich Ramsauer zum Dienst in der SS und rückte im Sommer 1940 zur Waffen-SS ein. Seine SS-Laufbahn begann im KZ Dachau, in dem er bald gefürchtet war. Danach beteiligte er sich als Angehöriger der 1. SS-Totenkopf-Reiterstandarte an der Verfolgung und Ermordung der jüdischen Bevölkerung im besetzten Polen. Mitte 1941 wirkte er im heutigen Belarus am Massenmord an sowjetischen Jüdinnen und Juden sowie an der Tötung von Partisan*innen mit. Nach einer Strafversetzung im Dezember 1941 arbeitete er als Arzt in den KZs Gusen, Mauthausen und Dachau. Ab Sommer 1942 wurde er Standortarzt im KZ Neuengamme. Nach der Befreiung dieser Lager wurde ihm extreme Unmenschlichkeit vorgeworfen, darunter, Häftlinge bis zum Tod vernachlässigt und sadistische medizinische Experimente durchgeführt zu haben. 

 

Ab August 1943 war Ramsauer Standortarzt in den beiden KZ-Lagern am Loiblpass/Ljubelj, wo Zwangsarbeiter unter schwierigsten Bedingungen einen Tunnelbau vorantreiben mussten. Ramsauer sorgte dort durch Selektion dafür, dass der Anteil kranker Häftlinge gemäß einer Übereinkunft mit der Baufirma Universale 7,5 Prozent des Gesamtstandes der Gefangenen nicht überstieg, indem er Hunderte arbeitsunfähige Menschen nach Mauthausen in den Tod schickte. Einige Häftlinge tötete er vor Ort durch Benzininjektionen ins Herz. 

 

Nach Kriegsende versuchte Ramsauer zu fliehen, wurde aber von britischen Soldaten gefasst und im Internierungslager Wolfsberg inhaftiert. Ein britisches Militärgericht verurteilte ihn 1947 zu lebenslanger Haft. Bereits am 1. April 1954, nach sechseinhalb Jahren, wurde er aus Krankheitsgründen begnadigt und vorzeitig entlassen, da sich hochrangige ÖVP-Politiker für ihn eingesetzt hatten. Er erhielt eine Anstellung am Landeskrankenhaus Klagenfurt, wo er zum Chefarzt aufstieg. Ab 1956 betrieb er zusätzlich eine Privatpraxis auf dem Klagenfurter Domplatz. In einem Interview kurz vor seinem Tod 1991 für den Film Der Tunnel zeigte er weder Reue für seine Taten noch Empathie für seine Opfer. 

 

 

Weiterführende Links:

 

https://www.derstandard.de/story/3000000238984/kz-arzt-sigbert-ramsauer-morde-mittels-benzininjektionen-ins-herz

https://www.falter.at/zeitung/20101201/die-geschichte-eines-anstaendigen-schlaechters

 

 

Wissenschaftliche Literatur:

 

Lisa Rettl / Peter Pirker, „Ich war mit Freuden dabei.“ Der KZ-Arzt Sigbert Ramsauer – Eine österreichische Geschichte, Wien 2010. 

Ernst Klee, Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945, Frankfurt/Main 2003, S. 478. 

 

 

Film (Dokumentation):

Der Tunnel, Regie: Egon Humer, A, 1992, 54:00 min 

 

Autor*innen