Alois Höllriegl wurde am 17. April 1909 in Graz als Sohn des Spenglergehilfen Karl Josef Höllriegl und dessen Ehefrau Theresia Josefa geboren. Da er in seinem erlernten Beruf des Friseurs keine Anstellung fand, musste er als Erd- und Bauarbeiter sowie als Geschäftsdiener arbeiten. Von 1933 bis 1938 war er überwiegend arbeitslos. Nach dem Verbot der NSDAP in Österreich trat er im November 1933 der illegalen SS bei. Aufgrund dieser verbotenen Mitgliedschaft erhielt er 1934 und 1936 mehrmonatige Haftstrafen.
Nach der NS-Machtübernahme in Österreich schloss sich Höllriegl im Mai 1938 der NSDAP an. Bis August 1939 arbeitete er bei der SS-Wache im Fliegerhorst Thalerhof bei Graz. 1939 heiratete er eine Steppdeckennäherin aus Graz und wurde Vater eines Sohnes. Nach Kriegsbeginn wurde er im September 1939 als Mitglied der Waffen-SS in Linz-Ebelsberg stationiert und im November 1939 nach Prag verlegt.
Aufgrund gesundheitlicher Probleme infolge einer Angina-Erkrankung, die er sich während seiner Haft 1936 zugezogen hatte, wurde er als frontuntauglich eingestuft und für den KZ-Dienst vorgesehen. Ende Jänner 1940 kam er ins KZ Mauthausen, wo er zunächst Wachmann war. Im Dezember 1941 wurde er in den Kommandanturstab versetzt und zum Hilfsblockführer bestellt. In diesem Jahr beteiligte er sich – nach eigenem Eingeständnis – an der Erschießung von 30 bis 40 Häftlingen. Im Mai 1943 wurde er zum Blockführer ernannt. Als solcher war er für eine bestimmte Häftlingsbaracke (sogenannten Block) zuständig und ernannte Funktionshäftlinge (Blockälteste, Stubenälteste etc.), Häftlinge die als seine Gehilfen fungierten. In dieser Aufgabe hielt Höllriegl täglich Häftlingsappelle ab und gab den aktuellen Häftlingsstand an seinen Vorgesetzten weiter. Er überwachte aber auch KZ-Insassen in den jeweiligen Arbeitskommandos. Von April bis Juni 1942 beaufsichtigte er eine Häftlingsbrigade beim Bau einer Kläranlage. Im August 1943 leitete er einen Transport von 1.064 Häftlingen nach Wiener Neudorf, wo ein Außenlager des KZ Mauthausen errichtet wurde. Dort erhielt er als Blockführer die Aufsicht über vier Häftlingsblocks und die Lagerwäscherei. Höllriegl war für seine brutalen Misshandlungen von Häftlingen bekannt, die er wegen geringfügiger Vergehen verprügelte – teilweise mit Todesfolge – oder mit dem elektrisch geladenen Lagerzaun ermordete.
Bei der Evakuierung des Außenlagers Wiener Neudorf vor der heranrückenden Roten Armee am 2. April 1945 führte er einen Häftlingsmarsch nach Mauthausen an. Dabei erschoss er einen jugoslawischen Häftling. Mitte April 1945 wurde er im KZ Mauthausen nochmals als Blockführer eingesetzt. Nach eigener Angabe desertierte er am 2. Mai 1945 und versteckte sich bei einem befreundeten Bauern in Mauthausen. Schließlich stellte er sich der US-Armee in Linz. Im Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher in Nürnberg sagte er als wichtiger Zeuge aus. So bezeugte er, dass Ernst Kaltenbrunner im Herbst 1942 eine Vergasung in Mauthausen beobachtet hatte.
Im Juni 1947 musste er sich im Internierungslager Dachau in einem Nebenverfahren zum Mauthausen-Hauptprozess vor einem US-Militärtribunal gerichtlich verantworten. Am 23. Juni 1947 wurde er zum Tode verurteilt und am 29. Oktober 1948 im Kriegsverbrechergefängnis Landsberg am Lech in Deutschland hingerichtet. Seine letzten Worte lauteten: „Ich möchte einen letzten Warnungsschrei an alle Völker der Erde richten: nie wieder KZ.“
Wissenschaftliche Literatur:
Gregor Holzinger, Alois Höllriegl, in: Gregor Holzinger (Hg.), Die zweite Reihe. Täterbiografien aus dem Konzentrationslager Mauthausen, Wien 2016 (= Mauthausen-Studien, Bd. 10), S. 100–103.
Christian Rabl, Am Strang. Die österreichischen Angeklagten in den Dachauer Mauthausen-Prozessen, Wien 2018, S. 131–132.
Florian Freund, Der Dachauer Mauthausenprozess, in: Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Hg.), DÖW-Jahrbuch 2001, Wien 2001, S. 35–66.