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Felix Landau (1910–1983)

Mitglied einer Mord-Einheit, Polizist in Wien und im besetzten Polen

Felix Landau wurde am 21. Mai 1910 als uneheliches Kind von Paul Stipkowich und Maria Maier mit dem Namen Felix Maier geboren. Nach der Heirat seiner Mutter mit Jakob Landau 1911 wurde er 1916 von seinem jüdischen Stiefvater adoptiert und erhielt dessen Nachnamen. Landau begann eine Lehre als Kunsttischler in einem katholischen Lehrlingsinternat. Er musste dieses jedoch 1925 verlassen, weil er sich der Hitlerjugend (HJ) angeschlossen und aktiv Mitglieder geworben hatte. Danach absolvierte er eine Lehre als Möbeltischler.

 

Im März 1930 wurde er in den Dienst des Bundesheers aufgenommen. Ein Jahr später, im März 1931, trat er in die NSDAP ein. Nach dem NSDAP-Verbot in Österreich wurde er im Juni 1933 wegen seinem Engagement für die verbotene Partei aus dem Heer entlassen. Er blieb illegales NSDAP-Mitglied und schloss sich 1933/1934 zuerst der SA, dann der SS an. Am 25. Juli 1934 beteiligte er sich am „Juli-Putsch“ bei der Besetzung des Wiener Bundeskanzleramts, in deren Rahmen der Bundeskanzler Engelbert Dollfuß ermordet wurde. Dafür wurde er verurteilt und von 1934 bis 1937 im Anhaltelager Wöllersdorf interniert. Im April 1937 wanderte er ins Deutsche Reich aus, durchlief eine Ausbildung in einem SS-Lager in Thüringen und wurde danach in die Berliner Kriminalpolizei als Kriminal-Assistenzanwärter aufgenommen. 

 

Nach der NS-Machtübernahme in Österreich 1938 arbeitete er als Kriminalassistent und SS-Offizier in der Gestapo-Leitstelle Wien, zuständig für Delikte wie „Vermögens- und Devisenverschiebungen“ von Menschen, die als Jüdinnen und Juden verfolgt wurden. In dieser Funktion war er unter anderem mit der Beschlagnahmung von jüdischem Vermögen beauftragt. Zum Beispiel ließ er den Besitz und die Kunstwerke des Textilfabrikanten Bernhard Altmann beschlagnahmen und bereicherte sich an dessen Vermögen.

 

1939 meldete sich Landau freiwillig zu einem Einsatzkommando der Sicherheitspolizei (Sipo) und des Sicherheitsdiensts in Olmütz/Olomouc in der besetzten Tschechoslowakei. Im April 1940 wechselte er zum Kommandeur der Sipo und des Sicherheitsdienstes in Radom im vom Deutschen Reich besetzten Polen. Dort begann er eine Beziehung mit der aus Wien stammenden Stenotypistin Gertrude Segel, die er später heiratete. Am 22. Juni 1941, dem Tag des Überfalls der Deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion, kam er nach Lemberg/Lwów/Lviv, wo er an der Ermordung von Jüdinnen und Juden sowie von Professoren der Universität Lemberg beteiligt war. Im Sommer 1941 trat er seinen Dienst beim Grenzpolizeikommissariat in der nahegegelegenen Stadt Drohobycz/Drohobych an und wurde zum Leiter des Arbeitseinsatzes der jüdischen Bevölkerung des dortigen Ghettos bestellt. In dieser Funktion bezeichnete sich selbst als „Judengeneral“. Er beging zahlreiche Gräueltaten, u.a. ließ er 20 Männer erschießen, weil sie nicht sofort zur Arbeit erschienen waren. Mit seiner Frau Gertrude, die ihrerseits Verbrechen verübte, bewohnte er eine von ihm beschlagnahmte Villa. In seinen Tagebucheinträgen, die er an seine Frau adressierte, hielt er seine Gedanken zu den Ereignissen und Morden im Ghetto Drohobycz/Drohobych fest. 1944 kehrte Landau zur Gestapo-Leitstelle nach Wien zurück.

 

Nach dem Ende der NS-Herrschaft wurde Landau 1946 von einem Überlebenden der Shoah in Linz erkannt, daraufhin von US-Behörden verhaftet und eingesperrt. Seine Frau Getrude ließ sich von Felix Landau 1946 scheiden. 1947 floh er aus dem US-amerikanischen Gefangenenlager Glasenbach bei Salzburg in die BRD, wo er unter dem Namen Rudolf Jaschke als Unternehmer für Innenausstattung in Bayern lebte. Nach seiner erneuten Verhaftung 1958 verurteilte ihn das Landgericht Stuttgart 1962 zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. 1973 wurde er allerdings begnadigt und aus der Haft entlassen. Landau starb am 20. April 1983 in Wien und wurde auf dem Friedhof Hernals beigesetzt. 

 

 

Weiterführende Links:

 

https://alchetron.com/Felix-Landau

Der Professorenmord in Lemberg: https://lwow.home.pl/lwow_profs-n.html

http://remembertogetheracrossborders.eu/wp-content/uploads/2019/12/Felix-Landau.pdf

https://www.nsdoku.de/lexikon/artikel/einsatzgruppen-180

https://www.juedische-allgemeine.de/allgemein/maerchenbilder/

Abschrift der Tagebuchaufzeichnungen von Felix Landau: https://digital.kenyon.edu/cgi/viewcontent.cgi?article=2878&context=bulmash

 

 

Wissenschaftliche Literatur:

 

Elisabeth Boeckl-Klamper / Thomas Mang / Wolfgang Neugebauer, Gestapo-Leitstelle Wien 1938–1945, Wien 2018, S. 393–394. 

Alexander Emanuely, Die drei Musketiere in der toten Klasse. Gombrowicz, Schulz, Witkacy, Kantor, in: Context XXI, Heft 4–5/2004, S. 35–37. 

Tuviah Friedmann, Bericht des SS- und Polizeiführers über die Vernichtung der Juden Galiziens – Tagebuch des SS-Hauptscharf. F. Landau über seine Tätigkeit in Drohobycz, 1941–1944, Dokumentensammlung, Haifa 1988, S. 17, S. 23. 

M. Klanska, Bruno Schulz, in: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL), Bd. 11, Wien 1999, S. 342–344. 

Ernst Klee / Willi Dressen / Volker Rieß (Hg.), „Schöne Zeiten“. Judenmord aus der Sicht der Täter und Gaffer, Frankfurt/Main 1988, S. 88–104. 

Christiaan F. Rüter, Dick W. de Mildt (Hg.), Justiz und NS-Verbrechen. Sammlung (west-) deutscher Strafurteile wegen nationalsozialistischer Tötungsverbrechen, 1945–2012, 49 Bände, Amsterdam–München 1968–2012, hier Bd. 18: Die vom 21.11.1961 bis zum 10.01.1963 ergangenen Strafurteile, Verfahren Lfd.Nr.531, Amsterdam 1978, S. 12–32. 

Thomas Sandkühler, Endlösung in Galizien. Der Judenmord in Ostpolen und die Rettungsinitiativen von Berthold Beitz 1941–1944, Bonn 1996, S. 441–442. 

Dieter Schenk, Der Lemberger Professorenmord und der Holocaust in Ostgalizien, Bonn 2007. 

 

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