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Gruppenfoto von Männern in Anzügen und Frauen in Kleidern vor einem Gebäude mit der Aufschrift
Foto: Fotograf*in unbekannt/ÖNB, Bildarchiv und Grafiksammlung

Paul Heigl (1887–1945)

Direktor der Wiener Nationalbibliothek

Heigl (Peter) Paul, Pseudonyme: Friedrich Hergeth, Bibliothekar. Geboren in Maribor/Marburg im heutigen Slowenien, am 29. 4. 1887; gestorben in Wien am 8. 4. 1945 (Selbstmord), römisch-katholischer  Sohn des Gymnasialdirektors und Regierungsrats Gustav Heigl (1851–1918).

 

Heigl studierte 1906–10 Geschichte und Geografie an der Karl-Franzens-Universität Graz und in München (1910 Abschluss als Dr. phil. an der Universität Graz), absolvierte 1909–11 den Ausbildungskurs am Institut für Österreichische Geschichtsforschung, war 1911/12 Mitglied des Österreichischen Historischen Instituts in Rom und trat 1912 eine Stelle als Assistent und Bibliothekar am Institut für Österreichische Geschichtsforschung an; nach seiner Teilnahme am 1. Weltkrieg war er dort wieder als Bibliothekar tätig und erneuerte nicht nur die Aufstellung und Signierung der Bücher, sondern regte gleichzeitig den Ankauf einer Staderini-Kartei an. 

 

1934 wegen hochverräterischer Betätigung für die NSDAP verhaftet, zu sechs Monaten Polizeihaft verurteilt und aus dem Staatsdienst entlassen, flüchtete er danach nach Deutschland, arbeitete kurz an der Universitätsbibliothek Greifswald und bis 1938 an der Preußischen Staatsbibliothek Berlin; 1938–45 war Heigl Generaldirektor der Nationalbibliothek Wien, wobei er fachliches Wissen und Führungskompetenz zeigte. Er engagierte sich aber auch beim Bücherraub an politisch und „rassisch“ Verfolgten und nutzte dabei seine Verbindungen aktiver als andere Bibliotheksdirektoren seiner Zeit, um geraubte Bücher in die Nationalbibliothek Wien zu bringen. An die 500.000 derartiger Objekte gelangten zwischen 1938 und 1945 dorthin. 

 

Heigl hatte sich seit seiner Studienzeit politisch in deutschnationalen Kreisen engagiert. Ab 1906 Mitglied im Akademischen Corps Joannea in Graz und 1921–28 führendes Mitglied der Organisation der Wiener Hochschulstudentenschaft im völkisch-nationalen Selbstschutz Wien, war er 1928–31 Führer des Studentenfreikorps-Wien im Heimatschutz, außerdem Mitglied im Deutsch-österreichischen Volksbund, in der Altburschenschaft Wien sowie im 1908 gegründeten Deutschen Klub in Wien, der im Zentrum der „völkischen“ Bewegung stand und später illegalen Nationalsozialisten als Sammelbecken diente.

 

1927–33 gehörte er dem Heimatschutzverband Steiermark an, ab 1933 der NSDAP sowie der SS (1934 SS-Truppenführer, 1938 SS-Obersturmbannführer, 1942 SS-Standartenführer), 1938–45 Angehöriger des Sicherheitsdienst-Unterabschnitts Wien. 1935–38 Vortragender im Auftrag der Deutschen Arbeitsfront. 1936–38 leitete er im Berliner Rassenpolitischen Amt der NSDAP drei Arbeitsgemeinschaften zum Thema „Freimaurerei und Judentum“. Er war seit 1938 Gauehrenrichter der Deutschen Arbeitsfront Niederdonau, Sachverständigenbeirat des Reichsinstituts für Geschichte des neuen Deutschlands sowie Mitglied des geschäftsführenden Ausschusses der Deutschen Bücherei in Leipzig. 1940–45 Sachbearbeiter des Reichsstatthalters in Wien für die Angelegenheiten des Bibliothekswesens, 1938–41 Vorsitzender der Kommission für die bibliothekarische Fachprüfung in Wien, 1938–45 Mitglied des Reichsbeirates für Bibliotheksangelegenheiten, 1941–45 Kommissar für die wissenschaftlichen Bibliotheken in Jugoslawien. Heigl blieb bis zu seinem Selbstmord am 8. April 1945 überzeugter Nationalsozialist.

 

 

Weiterführende Links:

 

 https://www.lexikon-provenienzforschung.org/heigl-paul

https://www.onb.ac.at/mehr/ueber-uns/timeline/1938-die-ns-zeit-die-politisch-missbrauchte-bibliothek 

https://library.oapen.org/handle/20.500.12657/34433 

 

 

Wissenschaftliche Literatur:

 

Wer istʼs?, 1935 

E. Trenkler, Die Nationalbibliothek (1923–1967), in: Die Geschichte der Österreichischen Nationalbibliothek 2, ed. J. Stummvoll – R. Fiedler, 1973, s. Reg. 

H.-G. Happel, Das wissenschaftliche Bibliothekswesen im Nationalsozialismus. Unter besonderer Berücksichtigung der Universitätsbibliotheken, 1989, s. Reg. 

Das Personenlexikon zum Dritten Reich, ed. E. Klee, 2005 

M. Hall – Ch. Köstner, „… allerlei für die Nationalbibliothek zu ergattern …“. Eine österreichische Institution in der NS-Zeit, 2006, s. Reg. (m. B.) 

Ch. Köstner, P. H. (1887–1945), in: K. Hruza, Österreichische Historiker 1900–1945, 2008, S. 569–595 (m. B.). 

Dieser Text wurde dem Österreichischen Biographischen Lexikon, entnommen und zuletzt am 1.3. 2011 aktualisiert, Heigl, (Peter) Paul; Ps. Friedrich Hergeth, https://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_H/Heigl_Paul_1887_1945.xml, veröffentlicht unter der Lizenz  Creative Commons BY-NC-SA 3.0 AT

 

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