Gerhard Bast wurde am 12. Jänner 1911 in Gottschee/Kočevje im heutigen Slowenien als Sohn eines Rechtsanwalts und einer Lehrerin geboren. Die Familie zog bald nach seiner Geburt nach Amstetten, wo der Vater eine Rechtsanwaltskanzlei eröffnete. Bast studierte ab 1929 Rechtswissenschaften an der Universität Graz, wo er 1935 mit dem Doktortitel abschloss. Bast wuchs in einem deutschnationalen Elternhaus auf und war bereits früh politisch aktiv: Er gehörte der deutschvölkischen, antisemitischen Burschenschaft Germania Graz an und war 1929–1931 Mitglied des radikalen deutschnationalen und antisemitischen Steirischen Heimatschutzes. 1931 trat er der NSDAP und SS bei. Nach deren Verbot ab 1933 engagierte er sich vor allem in der illegalen niederösterreichischen SS, besonders im Amstettner SS-Sturmbann. Aufgrund seiner illegalen NS-Aktivitäten musste er 1936 seine Gerichtspraxis, die er gerade am Kreisgericht St. Pölten absolvierte, vorzeitig abbrechen, woraufhin er in die Rechtsanwaltskanzlei seines Vaters, eines ebenso überzeugten Nationalsozialisten, einstieg. 1937 wurde Bast wegen illegaler NS-Betätigung zu sechs Monaten Arrest verurteilt.
An der NS-Machtübernahme in Österreich im März 1938 wirkte Bast im Stab der SS-Standarte 38 in Graz mit. Am 20. März 1938 wurde er zum Sicherheitsdienst (SD) versetzt und in den Dienst der Gestapo-Stelle Graz übernommen. Für ihn begann eine steile Karriere: 1939 stieg er zum Leiter der Abteilung II („Gegnerbekämpfung“) der Gestapo Graz auf. Es folgten Positionen als stellvertretender Leiter der Gestapo-Stellen in Koblenz (ab Mai 1940), Linz (ab Jänner 1941) und Münster (ab Juli 1941). In Münster war er an der Deportation der jüdischen Bevölkerung und an der Hinrichtung von Zwangsarbeiter*innen beteiligt. Von November bis Dezember 1942 führte Bast das Sonderkommando 11a der Einsatzgruppe D (der Sicherheitspolizei und des SD). Diese Einheit verübte Massenmorde an Jüdinnen und Juden, Partisan*innen und Zivilist*innen in der Südukraine. Von Jänner 1943 bis Juni 1944 leitete er schließlich die Gestapo-Stelle Linz.
Aufgrund eines von ihm im November 1943 fahrlässig verursachten Jagdunfalls, bei dem ein zwölfjähriger Treiberjunge ums Leben gekommen war, verurteilte ein SS- und Polizeigericht Bast zu einer Gefängnisstrafe, die der Reichsführer-SS Heinrich Himmler umwandelte in einen „Osteinsatz“ („Frontbewährung“). Gemeint war damit die Einsatzbereitschaft zum Massenmord im Rahmen der Shoah. Von Juni bis November 1944 leitete er das Sonderkommando 7a der Einsatzgruppe B im Raum Bialystok/Polen und war vermutlich an der Niederschlagung des Warschauer Aufstands im August 1944 beteiligt. Von November 1944 bis März 1945 unterstand Basts Sonderkommando der Einsatzgruppe H und beging während der Niederschlagung des Aufstands in der Slowakei zahlreiche Kriegsverbrechen und Massaker.
Im April 1945 heiratete Bast Hildegard Pollack. Mit gefälschten Papieren auf den Namen Franz Geyer floh er nach Südtirol, wo er 1946 als Knecht bei einem Bauern im Pustertal unterkam. Bei dem Versuch, am 9. März 1947 über den Brenner nach Österreich zurückzukehren, wurde er von einem Schlepper beraubt und ermordet. Seine Leiche wurde in einem verlassenen Bunker aufgefunden. Sein unehelicher Sohn, der österreichische Schriftsteller Martin Pollack, setzte sich später in dem Buch Der Tote im Bunker kritisch mit der NS-Vergangenheit seines Vaters auseinander.
Wissenschaftliche Literatur:
Josef Fiala, „Österreicher“ in den SS-Einsatzgruppen und SS-Brigaden. Die Tötungsaktionen in der Sowjetunion 1941–1942, Hamburg 2010, S. 86–89.
Ernst Klee, Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945, Frankfurt/Main 2007, S. 30.
Martin Pollack, Der Tote im Bunker. Bericht über meinen Vater, Wien 2004.
Hans Schafranek, Wer waren die niederösterreichischen Nationalsozialisten? Biografische Studien zu NSDAP-Kreisleitern, SA und SS, St. Pölten 2020 (= Forschungen zur Landeskunde von Niederösterreich; Bd. 42), S. 102–105.
Weiterführende Links:
https://e-gov.ooe.gv.at/bgdfiles/p3673/Bast_Gerhard.pdf
https://apis.acdh.oeaw.ac.at/person/89311
https://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_B/Bast_Gerhard_1911_1947.xml