Paula Lang (1906–1991)
NS-Aktivistin aus Tirol
Paula (Paulina) Lang (verheiratete Wackerle) wurde 1906 in Innsbruck geboren. Nach Abschluss der Handelsschule und ersten Arbeitserfahrungen als Haushaltshilfe in Tirol und in der Schweiz, schloss Lang 1922 eine Ausbildung zur Rechtsanwaltsgehilfin ab und arbeitete anschließend in unterschiedlichen Kanzleien im Raum Innsbruck. Zwischen 1922 und 1937 war sie aufgrund der schlechten Auftragslage immer wieder arbeitslos.
Sie war ein engagiertes Mitglied im deutschnational geprägten Turnverein Hall 1862. 1933 trat sie der österreichischen NSDAP bei und blieb auch nach deren Verbot politisch aktiv. Bereits vor 1938 war sie BDM-Führerin und leitete eine Gruppe des nationalsozialistischen Jungmädelbunds (JMB). Paula Lang war keine NS-Täterin, engagierte sich jedoch bereits vor 1938 in vielfältiger Weise für den Aufbau des NS-Regimes in Österreich.
1937 stand Paula Lang wegen ihrer Betätigung für die illegale NSDAP vor Gericht und wurde zu zwei Monaten Arrest auf Bewährung verurteilt. Neben ihrer Arbeit als Rechtsanwaltsgehilfin stellte sie Abschriften von Propaganda sowie Befehlen der illegalen SA zur weiteren Verbreitung her. Bei der Durchsuchung ihrer Wohnung fand die Polizei außerdem nationalsozialistische Literatur und den Text der Parteihymne der NSDAP, des Horst-Wessel-Liedes. Der Liedtext war auf Durchschlagpapier zum Vervielfältigen abgetippt. Auf Paula Lang wurden die Behörden durch die Aussage von Karl Patscheider aufmerksam, der ebenfalls wegen seiner Tätigkeit für die illegale NSDAP angeklagt war. Er selbst war seit 1936 für die Organisation von illegalen Nationalsozialisten innerhalb des Bundesheeres in Tirol verantwortlich. 1940 wird Langs Verurteilung von der NS-Justiz rechtlich aufgehoben.
Kurz nach dem Gerichtsverfahren begann Paula Lang im Juli 1937 eine Tätigkeit bei der Firma Swarovski in Wattens, wo sie bis 1942 als Kontoristin und Stenotypistin beschäftigt war. Nach der NS-Machtübernahme in Österreich 1938 erhielt sie eine besondere Mitgliedsnummer, die für Nationalsozialist*innen vor 1938 reserviert war. Ende 1939 lernte sie ihren späteren Ehemann Hans Wackerle bei einem Kaffeehausbesuch kennen. Sie heirateten im März 1940. Im Oktober 1942 kam das gemeinsame Kind Ingeborg zur Welt. 1943 starb Hans Wackerle an den Folgen einer Kriegsverletzung in Chorzów, Polen. Anschließend nahm Paula Lang ihre Tätigkeit bei der Firma Swarovski erneut auf und blieb dort bis zu ihrer Pensionierung beschäftigt.
Nach dem Ende der NS-Herrschaft kam Paula Lang 1946 der Registrierungspflicht für ehemalige Nationalsozialist*innen bei der Entnazifizierungskommission der Gemeinde nach. Ob dies in weiterer Folge Konsequenzen für sie hatte, ist nicht bekannt. Wie in den meisten österreichischen Familien wurde auch in Paula Langs Familie nach dem Ende der NS-Herrschaft über die NS-Vergangenheit geschwiegen. Die materiellen Zeugnisse aus dieser Zeit blieben jedoch über Jahrzehnte hinweg in der Familie präsent. Ein Teil ihres Nachlasses befindet sich in der Sammlung des Hauses der Geschichte Österreich (hdgö) und ist auch in der Sammlung Online einsehbar. Paula Lang starb 1991.