Josefine Block wurde als Josefine Krepp am 11. März 1910 in Wien geboren. Als ihren erlernten Beruf gab sie später Stenotypistin an. Im März 1932 schloss sie sich der NSDAP an. Nach der Zerstörung der Demokratie in Österreich und dem NSDAP-Verbot 1933 trat sie in die Vaterländische Front, die Einheitspartei der Dollfuß-Schuschnigg-Diktatur, ein. Seit 1937 war Josefine Krepp Mitarbeiterin der Polizeidirektion Wien. Nach der NS-Machtübernahme in Österreich 1938 wurde sie Sekretärin bei der Gestapo-Leitstelle Wien. Dort lernte sie den reichsdeutschen Gestapo-Beamten Hans Block kennen, den sie schließlich heiratete. Im März 1940 erhielt das Ehepaar eine Wohnung in der Apollogasse in Wien-Neubau – deren Mieter*innen waren deportiert worden, “frei geworden”, als 1.500 Wiener*innen, die als jüdisch verfolgt wurden, im Oktober 1939 nach Nisko/Polen verschleppt wurden. Die Arbeitskolleginnen Josefine Block und Gertrude Segel (verh. Landau) sollten nicht nur in Österreich, sondern auch in Polen Nachbarinnen werden.
Josefines Ehemann, SS-Offizier Hans Block, wurde nach Beginn des Zweiten Weltkriegs im September 1939 zum Stellvertreter des Kommandeurs der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes in Lublin befördert, wo er als Mitglied eines „Rollkommandos“ die jüdische Bevölkerung im Gebiet zwischen den Flüssen Bug und San terrorisierte. In Chelm nahm er – nach dem Motto „Geld oder Leben“ – an der Beraubung und Misshandlung von Jüdinnen teil. Im Juni 1942 übernahm er die Leitung des Grenzpolizeikommissariats Drohobycz/Polen und wurde zum dortigen SS- und Polizeistandortführer bestellt. Somit war er auch unmittelbarer Vorgesetzter des SS-Offiziers und NS-Täters Felix Landau. Allein 1942 wurden von den ursprünglich 15.000 jüdischen Bewohner*innen des Ghettos mehr als zwei Drittel in das Vernichtungslager Belzec deportiert und über 2.000 erschossen.
1942 übersiedelte Josefine Block zu ihrem Mann nach Drohobycz, wo sie zwar nicht offiziell bei der Gestapo angestellt war, aber dennoch zum weiblichen SS-Gefolge zählte. Ihr Mann übertrug ihr gelegentlich spezielle Aufgaben, die meist mit der Aufsicht und Überwachung von jüdischen Bewohner*innen des Ghettos Drohobycz zusammenhingen. Als 200 Rom*nija in der Stadt zusammengetrieben wurden, forderte sie die ukrainische Hilfspolizei dazu auf, sie rasch zu töten. Einem Gestapo-Mann befahl sie, vier jüdische Mädchen zu erschießen, die ihr für die Gartenarbeit zu schwach erschienen. Überlebende berichteten, dass ihr Verhalten unter jüdischen Zwangsarbeiter*innen Panik verbreitete und sie jüdische Kinder grausam behandelte. Als das Ghetto von Drohobycz, in dem zuletzt noch etwa 3.000 Jüdinnen und Juden lebten, im Mai und Juni 1943 von der Sicherheitspolizei und SS geräumt wurde, ermordete Josefine Block ein siebenjähriges jüdisches Mädchen. Die verbliebenen jüdischen Zwangsarbeiter*innen wurden entweder im Wald von Bronica erschossen oder in das KZ Plaszow deportiert. Bei der Befreiung der Stadt fand die Rote Armee nur noch 400 jüdische Bewohner*innen vor.
Während ihr Ehemann im Zweiten Weltkrieg ums Leben kam, kehrte Josefine nach Wien zurück. 1946 wurde ein Verfahren gegen sie vor dem Volksgericht Wien eingeleitet, das jedoch 1949 mit einem Freispruch für Block endete. Sie starb am 28. Jänner 1993 im Alter von 83 Jahren in Wien.
Weiterführende Links:
https://www.diepresse.com/1471722/hitlers-furien-tobten-im-holocaust
https://www.derstandard.at/story/2000002851700/hitlers-kaltbluetige-furien-aus-wien
Wissenschaftliche Literatur:
Wendy Lower, Hitlers Helferinnen. Deutsche Frauen im Holocaust, München 2014, S. 82–84, S. 180–181, S. 235–236 (engl. Originalfassung: Wendy Lower, Hitler’s Furies. German Women in the Nazi Killing Fields, Boston–New York 2013).
Roland Pichler, „Hitler’s Furies“? Zur Beteiligung von Frauen an NS-Verbrechen am Beispiel zweier österreichischer Nachkriegsprozesse vor dem Volksgericht Wien, in: Beiträge zur Rechtsgeschichte Österreichs (BRGÖ), 2015, S. 91–111, hier S. 100–109.
Thomas Sandkühler, Endlösung in Galizien. Der Judenmord in Ostpolen und die Rettungsinitiativen von Berthold Beitz 1941–1944, Bonn 1996, S. 335–336, S. 368–370, S. 440.
Gudrun Schwarz, Eine Frau an seiner Seite. Ehefrauen in der „SS-Sippengemeinschaft“, 2. Aufl., Hamburg 2001.