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Foto: Lorenz Paulus/hdgö, cc by-nc 4.0

11. Mai 2026: Ein Platz für Helden, Menschen oder Autos? hdgö veröffentlicht Publikation zu partizipativem Projekt „Bewegtes Museum: Im Gespräch am Heldenplatz“

Vier Sommer lang fragte das Haus der Geschichte Österreich (hdgö) jene Menschen, die den Heldenplatz täglich nutzen, durchqueren oder bewusst aufsuchen, nach ihrer Sicht auf den symbolischen Ort im Herzen der Republik. Die neue Publikation und Web-Ausstellung Bewegtes Museum: Im Gespräch am Heldenplatz zeigt nun Perspektiven, Wünsche und Anregungen von mehr als 200 Nutzer*innen des Platzes. Sichtbar wird dabei ein Ort zwischen Erinnerungskultur und Alltag, dessen Zukunft noch verhandelt wird. Die Publikation wird heute um 17 Uhr im hdgö präsentiert.

Weitere Informationen

Er ist ein Platz, der bewegt, und auf dem viele in Bewegung sind – doch er selbst? Der Heldenplatz hat sich seit 1918 kaum verändert und rahmt bis heute das innerstädtische politische und kulturelle Zentrum in eine imperiale Kulisse. Von 2021 bis 2024 standen hdgö-Vermittler*innen insgesamt 29 Mal mit dem Bewegten Museum am Heldenplatz. Mobile Ausstellungen zur Geschichte und Nutzung des Platzes bildeten den Ausgangspunkt für Gespräche mit Passant*innen, Besucher*innen und Nutzer*innen. Im Mittelpunkt standen drei Fragen: Was machst du am Heldenplatz? Was bedeutet der Heldenplatz für dich? Und: Was wünschst du dir am Heldenplatz? Antworten waren entweder in Form mündlicher oder schriftlicher Statements oder als zeichnerische Pläne auf den vorgedruckten Umrissen des Heldenplatzes möglich.

 

Der Heldenplatz steht für vieles zugleich. Er ist Versammlungsort für Zivilgesellschaft und Militär, Ort politischer Repräsentation, Parkplatz, Grünfläche und Treffpunkt. Und doch konnte er sich visuell bisher weder als zentraler Ort der Geschichtspolitik noch als Ort der Republik etablieren. Das hdgö beschäftigt sich seit seiner Gründung mit der Geschichte und Gegenwart des Heldenplatzes. Daher freut es mich besonders, dass wir die Ergebnisse des Vermittlungsprojekts ‚Bewegten Museums‘ nun als Publikation und Web-Ausstellung einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen können – und damit möglicherweise auch Impulse für die Zukunft des Platzes setzen“, sagt hdgö-Gründungsdirektorin Monika Sommer.

 

Zwischen Erinnerung und Gegenwart
Die monumentale Architektur aus der Monarchie, die Reiterdenkmäler und die Hofburg prägen das Bild des Platzes bis heute. In den Gesprächen oft erwähnt wurden historische Ereignisse wie die „Anschluss“-Rede Adolf Hitlers 1938 am Altan der Neuen Hofburg oder das Lichtermeer von 1993. Konkrete Zukunftswünsche bezogen sich zumeist auf die Verbesserung der Infrastruktur, aber auch auf die derzeit fehlende historische Kontextualisierung.  Mehrfach wurde auch eine Umbenennung des Heldenplatzes vorgeschlagen, etwa in „Platz der Republik“ oder „Heldinnenplatz“.

 

Wem gehört der Heldenplatz?
Besonders häufig wurden Forderungen nach mehr Aufenthaltsqualität formuliert. Viele Menschen sprachen sich für weniger oder gar keine Parkplätze aus, genauso oft wurden mehr Bäume, Grünflächen und Maßnahmen gegen sommerliche Überhitzung gefordert. Auch Sport- und Freizeitnutzungen spielen eine wichtige Rolle. Genannt wurden Wünsche nach mehr Raum für Bewegung und Begegnung, aber auch nach einer besseren öffentlichen Infrastruktur wie beispielsweise öffentlichen Toiletten. Die Beiträge machen deutlich, dass der Heldenplatz von vielen Nutzer*innen als lebendiger sozialer Raum verstanden wird, der intensiv genutzt, aber nur begrenzt mitgestaltet werden kann.

 

Ein Ort im Gespräch
Die gesammelten Anregungen lesen sich auch als Überlegungen dazu, wie ein zentraler öffentlicher Platz den Bedürfnissen einer vielfältigen Stadtgesellschaft besser entsprechen könnte. Mit dem ‚Bewegten Museum‘ nutzte das hdgö den Heldenplatz nicht nur als Ort der Vermittlung, sondern auch als Ort des Zuhörens. Im Zentrum stand nicht die Frage, was Menschen über Geschichte wissen, sondern welche Erfahrungen sie mit diesem Ort verbinden und welche Zukunft sie sich für ihn vorstellen“, sagt Antonia Plessing, Leiterin des hdgö-Vermittlungsteams und Miterfinderin des Bewegten Museums.

 

Die neue Publikation versammelt die Stimmen alltäglicher Heldenplatz-Nutzer*innen: Gedruckt und online können über 200 Statements mit Wünschen und Ideen nachgelesen werden. Bei der heutigen Buchpräsentation um 17 Uhr spricht Nora Sternfeld, Professorin für Kunstpädagogik an der Hochschule für bildende Künste Hamburg und Co-Leiterin des ecm-Studiengangs für Ausstellungstheorie und praxis an der Universität für angewandte Kunst (Wien), mit den Herausgeber*innen.

Lorenz Paulus/hdgö, cc by-nc 4.0