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#nachgefragt bei Stephanie Mayerhofer und Nikolaus Tsekas vom Verein NEUSTART
Video: Lorenz Paulus/hdgö

Wir haben #nachgefragt bei Stephanie Mayerhofer und Nikolaus Tsekas vom Verein NEUSTART:

 

Was ist der Verein NEUSTART?

Was ist das Programm „Dialog statt Hass“?

Welche Rolle spielt dabei NS-Wiederbetätigung?

Wer sind die Menschen, die ihr betreut?

Wie funktioniert Bewährungshilfe?

Wo liegen die Grenzen von „Dialog statt Hass“?

 

 

Im Rahmen der Reihe #nachgefragt berichteten Nikolaus Tsekas und Stephanie Mayerhofer vom Verein NEUSTART – Bewährungshilfe, Konfliktregelung, Soziale Arbeit über ihre Arbeit als Bewährungshelfer*innen von Menschen, die wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung straffällig geworden sind. Die beiden erzählen über die vielfältigen Erscheinungsformen ideologischer Hasskriminalität, die Herausforderungen in der Arbeit mit Täter*innen und die gesetzlichen Rahmenbedingungen der verordneten Bewährungshilfe. Von Fällen gezielter Verhetzung bis hin zu als Humor getarnten Grenzüberschreitungen betreuen die Sozialarbeiter*innen im Programm „Dialog statt Hass“ Menschen verschiedenster Altersgruppen und sozialer Hintergründe.  

 

Die Veranstaltung fand in der Ausstellung „Hitler Entsorgen. Vom Keller ins Museum“ statt, die sich mit der Frage nach dem gesellschaftlichen Umgang mit den materiellen – und oftmals damit verknüpften ideologischen – Relikten des Nationalsozialismus befasst.

 

Stephanie Mayerhofer arbeitet als Sozialarbeiterin beim Verein NEUSTART Wien. Davor war sie 15 Jahre beim Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus unter anderem als persönliche Assistentin der Generalsekretärin tätig. Sie studierte Soziale Arbeit und Sozialmanagement. 

 

Nikolaus Tsekas ist Sozialarbeiter und seit mehr als 30 Jahren im Sozialbereich in unterschiedlichen Funktionen, so unter anderem auch beim Verein ESRA und seit 2000 bei der Non-Profit-Organisation NEUSTART – Bewährungshilfe, Konfliktregelung, Soziale Arbeit tätig. Seit 13 Jahren leitet er den Standort in Wien und ist Mitinitiator des Programms Dialog statt Hass.  

Die Veranstaltung in Bildern (5)
Interview Transkript

Was ist der Verein NEUSTART?

[Nikolaus Tsekas] Der Verein NEUSTART ist ein privater Träger, der im Auftrag der Republik Österreich arbeitet. Jetzt inzwischen schon seit 65 Jahren – so als zivilgesellschaftliche Initiative damals gegründet von unterschiedlichen Protagonist*innen, die der Meinung waren, es muss uns etwas anderes einfallen, auf Straffälligkeit zu reagieren, als junge Leute einzusperren. 

 

Was ist das Programm „Dialog statt Hass“?

[Nikolaus Tsekas] Und von diesem Gedanken heraus haben wir uns auch damit auseinandergesetzt mit diesem neuen Phänomen des Hasses im Netz. Und haben uns überlegt, dass es doch für diese Gruppe, die tatsächlich mit derartig schlimmen Aussagen im Netz auffällt, ein sozial-konstruktives Angebot geben muss. Und wir haben tatsächlich 2017 entschieden, zunächst ein Projekt zu machen mit dem, finde ich, sehr gelungenen Namen „Dialog statt Hass“. Weil es wirklich das ganze Projekt – und jetzt als Programm tatsächlich in ganz Österreich – gut erklären kann: Mit Menschen, die durch Hass auffallen, in den Dialog zu treten und in eine Auseinandersetzung zu kommen, um zu einer Verhaltensveränderung zu führen.

 

Welche Rolle spielt dabei NS-Wiederbetätigung?

[Nikolaus Tsekas] Schon in der Anfangsphase des Projektes haben wir uns mit dem Phänomen auseinandergesetzt, dass es durchaus Menschen gibt, die nach dem sogenannten Wiederbetätigungsgesetz, nach dem dem Verbotsgesetz, auffällig werden, weil sie die genau gleichen Hasstiraden von sich geben, aber es einen Kontext gibt zum Nationalsozialismus.

 

[Stephanie Mayerhofer] Der häufigste Zuweisungsgrund in das Programm sind eben Verhetzung und Äußerungen im Netz, unterschiedlichster Form: Kommentare bei Online-Zeitungen, Kommentare auf Social Media-Kanälen, teilweise auch das Liken von einschlägigen Bildern oder Postings. Quer durch die Bank. Auch viele Memes; das nimmt immer mehr zu, also diese Bild-Sprach-Objekte.

 

Wer sind die Menschen, die ihr betreut?

[Stephanie Mayerhofer] Also Profil in dem Sinn gibt es tatsächlich nicht. Wir haben Klienten/Klientinnen jeglicher Herkunft, Altersgruppe, sozialem Hintergrund. Das Einzige, was tatsächlich eventuell eine Gemeinsamkeit ist, weil es bei den meisten zu Tage tritt im Laufe der Gespräche ist, dass die meisten unserer Klienten/Klientinnen eigene Diskriminierungserfahrungen haben, eigene Erfahrungen mit Abwertung, und trotzdem, oder vielleicht auch mitunter deswegen, eben auch diskriminieren.

 

Wie funktioniert Bewährungshilfe?

[Stephanie Mayerhofer] Also Bewährungshilfe ist generell eine sehr langfristige Betreuung. Kommt darauf an, wie lange die Anordnung ist, zumindest drei Jahre. Die Betreuungsfrequenz ist unterschiedlich; wir haben eigene Systeme, die quasi berechnen, je nach Problemlagen der Klienten/Klientinnen, wie oft wir sie sehen. Kann von einmal die Woche bis zu einmal im Monat gehen, je nachdem. Und man kann eigentlich nicht wirklich sagen, dass es so eine klassische Form eines Betreuungsgesprächs gibt. Natürlich haben wir einen Plan, wie die Betreuung ausschaut. Wir haben Vorgaben, wir haben ein Ziel im Kopf, wie es funktionieren soll, aber natürlich kann es passieren, dass die Leute einfach mit Notfallsituationen kommen und man dann den Plan, den man im Kopf hatte, mal kurz außen vorlässt. Hauptgesprächsthema in der Bewährungshilfe ist die Deliktverarbeitung, einfach um eine Rückfallprävention zu erreichen, um eine Auseinandersetzung mit dem Delikt zu erreichen, Verantwortungsübernahme zu erzielen. 

 

Wo liegen die Grenzen von „Dialog statt Hass“?

[Nikolaus Tsekas] Es darf keine Grenze geben. Und selbst mit Menschen, die ganz furchtbare Taten begangen haben, gibt es keine Alternative, als mit diesen Menschen tatsächlich zu arbeiten und ihnen Perspektiven aufzuzeigen. Das ist, glaube ich, so das Wesentliche in unserer Arbeit, würde ich sagen, in Hinkunft ein Leben ohne Straffälligkeit zu führen.

 

[Stephanie Mayerhofer] Darf ich da was dazu sagen, weil ich glaube, es ganz gut passt: Ich glaube tatsächlich, die einzige Grenze unserer Arbeit jetzt auch in Bezug auf „Dialog statt Hass“ ist, wenn uns die Leute nicht zugewiesen werden. Wenn sie bei uns sind, und wenn sie sich der Auseinandersetzung stellen, ist viel möglich. 

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