Josef Wendl (1910–unbekannt)
Polizist, Mitarbeiter in den Tötungsorten in Mogilew und Malý Trostinec
Josef Wendl bekam mit der Machtübernahme der NSDAP 1938 eine Stelle als Kraftfahrer bei der Kriminalpolizei. Später übernahm er als Angehöriger der SS die Aufgabe, Gaswagen zu lenken. Auf diese Weise ermordete er 1942–43 an den Vernichtungsorten Mogilew und Malý Trostinec im heutigen Belarus Menschen aus ganz Europa während der Fahrt in einem LKW, indem dessen Abgase ins Innere umgeleitet wurden.
Nach Kriegsende verurteilte ihn ein österreichisches Gericht für seine Beteiligung als illegaler Nationalsozialist am Putschversuch 1934. Die Verbrechen in Malý Trostinec waren erst 1970 Gegenstand eines Gerichtsprozesses gegen Wendl, bei dem er trotz eines umfassenden Geständnisses freigesprochen wurde. Er rechtfertigte seine Morde damit, nur Befehle ausgeführt zu haben, denen er sich nicht widersetzen hätte können, ohne sich in große Gefahr zu begeben. Zu dem Zeitpunkt hatten Rechtswissenschafter allerdings bereits nachgewiesen, dass Soldaten oder Polizisten in der NS-Herrschaft keine drastischen Folgen zu fürchten hatten, wenn sie Befehle zu Massenmorden verweigerten.
Wissenschaftliche Literatur:
Claudia Kuretsidis-Haider: „Einsatz in Maly Trostinec“. Der Gaswagenfahrer Josef Wendl vor Gericht, Maly Trostinec – ein weißer Fleck in der österreichischen Rechtsgeschichte, in: DÖW Jahrbuch 2019, 153–189, online verfügbar auf: https://www.doew.at/cms/download/32caa/jb2019_kuretsidis.pdf