Das Produkt wurde zu Ihrem Warenkorb hinzugefügt.
Zum Warenkorb
Weiter einkaufen
Tickets auswählen

Eintritt Erwachsene
Jahreskarte




Zurück
Anzahl wählen


Ab 10 Einzelkarten empfehlen wir die ermäßigten Gruppenkarten, wenn Sie als Gruppe kommen!

Bitte Menge auswählen

Zum Warenkorb hinzufügen
Zurück
Jahreskarte Personalisieren

Jahreskarte
€ 18.81 / Stk.
Vorname*:
Nachname*:
Geburtsdatum*:

E-mail:



Bitte alle Pflichtfelder(*) ausfüllen!

Zum Warenkorb hinzufügen
Zurück
OK
Heute im hdgö

Inhalte werden geladen

Valentin Schuster (1900–1945)

Journalist in München und Wien

Schuster Valentin, Pseudonym Mungo, wurde am 9. 1. 1900 in Wien geboren und starb am 11. 6. 1945 in Bischofshofen durch Suizid. Er war der Sohn eines k. k. Hofamtstürhüters. Nach Abschluss der zweiklassigen Handelsschule war Schuster bei diversen Firmen tätig und nahm von August 1917 bis November 1918 als Freiwilliger am Ersten Weltkrieg teil, wurde verwundet und mehrmals ausgezeichnet. Welcher Beschäftigung er unmittelbar nach Kriegsende nachging, ist unbekannt; im Oktober 1921 wurde er in Wien wegen Diebstahls, Betrugs, Veruntreuung sowie Zuhälterei zu vier Jahren schweren, verschärften Kerkers verurteilt, im März 1923 auf Bewährung entlassen. Im Oktober 1924 in die Anstalt Am Steinhof eingeliefert, um seine Rauschgiftsucht zu kurieren, stahl er dort Akten zum Prozess gegen einen Sadisten. Der Versuch, das Material journalistisch zu verwerten, dürfte gescheitert sein und Schuster wurde zur Verhaftung ausgeschrieben. Er verließ Österreich 1925 fluchtartig und ging nach Frankreich, wo er sich im folgenden Jahr der Fremdenlegion anschloss, bei der er bis 1929 oder 1930 blieb. 

 

Nach seiner Rückkehr nach Wien trat Schuster 1931 der NSDAP bei, 1938 der SS, in der er es bis zum Untersturmführer brachte. Er wurde dem Rasse- und Sicherheitshauptamt sowie dem SS-Hauptamt zugeteilt. Seine Karriere verlief jedoch nicht ungestört: im April 1941 wurde gegen Schuster parteiamtlich ermittelt, weil er Vorstrafen und Vorleben verschwiegen hatte. Das Verfahren wurde im Mai 1944 eingestellt. 

 

Schuster trat 1924 mit seichten, salopp formulierten Humoresken im Neuen Wiener Journal erstmals schreibend an die Öffentlichkeit; nach seiner Rückkehr aus Frankreich (ab Februar 1931) sind etliche Pariser Reminiszenzen in der Wochenausgabe des Neuen Wiener Tagblatt nachweisbar. Ab 1932 verfasste er für die Deutschösterreichische Tageszeitung und den Kampfruf zahlreiche Artikel und Glossen, in denen er den politischen Gegner diffamierte. Die ungezügelte journalistische Tätigkeit, die zu Wortexzessen ausartete, führte nach eigenen Angaben in 32 Fällen zur Strafverfolgung. Nach dem Verbot der Deutschösterreichischen Tageszeitung (Juli 1933) fand er zunächst in München bei dem von Theo Habicht hrsg. Österreichischen Pressedienst Verwendung sowie beim Kampfblatt der NSDAP für Kärnten und Osttirol, dem Freiheitskampf; ab November 1933 arbeitete er vor allem für den Völkischen Beobachter, den Angriff (1934/35) und Das schwarze Korps (ab 1935). Darüber hinaus war er Chefredakteur der Zeitung Die Deutsche Polizei (ab 1937). 

 

Obwohl Schuster den Nationalsozialismus bei entsprechendem Anlass emphatisch ohne Vorbehalt propagierte, fand er bei Gesinnungsgenossen vor allem als Satiriker Anerkennung, besaß jedoch weder Witz noch Geist, sondern muss zu jenen notorischen Spaßmachern gezählt werden, deren literarischer Ehrgeiz sich in Trivialitäten oder wüsten Beschimpfungen auf der Grundlage von derbem Spott und billigem Wortwitz erschöpft. Ob er in- oder ausländische, große oder kleine Themen glossierte, galt gleichviel; kein Klischee war zu abgeschmackt, um es nicht stereotyp im Sinne der Machthaber zu wiederholen. Was immer Schuster auch schrieb: Vorrangig ging es ihm um die „jüdische Frage“, deren „Endlösung“ er verbal betrieb. Der ideologisch zugerichteten Phrase willfährig zugetan, machte Schuster das politische Schlagwort zum „Totschlagwort“ (K. Kraus), das zu unmittelbarer Befolgung anhielt, und gab sich so als „Wortbereiter“ des Massenmords zu erkennen. 

 

 

Wissenschaftliche Literatur:

 

Eckart Früh, in: Medien & Zeit 3, 1995, S. 3ff.,  
Eckart Früh: Valentin Schuster, in: Macht Literatur Krieg (= Fazit 2), hrsg. von U. Baur u. a., 1998, S. 227ff. 
Eckart Früh. Valentin Schuster, Wien 2007. 

 

Dieser Text wurde dem Österreichischen Biographischen Lexikon entnommen und geringfügig überarbeitet. Der originale Eintrag war zuletzt am 1999 aktualisiert worden, https://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_S/Schuster_Valentin-J_1900_1945.xml, veröffentlicht unter der Lizenz  Creative Commons BY-NC-SA 3.0 AT

 

Autor*innen