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Foto: United States Information Service, ÖNB, Bildarchiv und Grafiksammlung

Andreas Reischek (1892–1965)

Radioreporter

Andreas Reischek begann seine journalistische Tätigkeit als Leiter der Kulturfilmabteilung der Wiener Urania mit der Gründung der Monatszeitschrift Der Neue Pflug, in der vorwiegend Texte von deutschnationalen Schriftstellern wie Josef Weinheber veröffentlicht wurden. Mit dem Beginn der Sendetätigkeit der Radio-Verkehrs-AG (RAVAG) im Oktober 1924 arbeitete Andreas Reischek für den Rundfunk und übernahm dort 1929 die Leitung des Referats über das wissenschaftliche Vortragsprogramm. In dieser Funktion entschied sich Reischek bewusst dazu, die vorgesehenen wissenschaftliche Vorträge durch regionale Reportagen über Brauchtum und Handwerk zu ersetzen. Diese wurden äußerst populär und machten Reischek bereits in der Frühphase des Rundfunks in Österreich zum Publikumsliebling. Das Format spielte geschickt mit den Möglichkeiten des akustischen Mediums und gilt als Vorgänger des Sendungsformats eines „Radiofeatures”. Vermittelt werden dabei nicht nur Informationen, sondern auch Atmosphäre und Emotionen – unter anderem durch die Verbindung von dokumentarischen und künstlerischen Elementen.

 

Seine Tätigkeit für die RAVAG konnte Andreas Reischek auch in der Dollfuß-Schuschnigg-Diktatur ungebrochen fortsetzen. Seine Popularität wurde auch dadurch gesteigert, dass die Diktatur die enorme Propagandawirkung des Mediums nutzen wollte und die Ausstrahlung von Brauchtumssendungen als Teil der Inszenierung eines österreichischen Nationalbewusstseins bewusst förderte.

 

Nach der NS‑Machtübernahme 1938 wurde Reischek als Reporter des Reichssenders Wien weiterbeschäftigt. Nun vermittelte er Brauchtum und Handwerk in der „Ostmark“ im Sinne der NS‑Propaganda als vermeintlichen Beweis dafür, dass Österreich und seine Bevölkerung deutsch wäre. Dazu gehörten auch Sendungen aus Gebieten im heutigen Slowenien, die vom NS-Staat besetzt wurden. In einer dieser Propagandareportagen von einer Feier der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) aus 1944 lobte Reischek in einem Gespräch mit einem lokalen NS-Funktionär den angeblich „deutschen“ Charakter der Untersteiermark und blendet damit die gewaltsame Germanisierungspolitik und die damit verbundenen Verbrechen bewusst aus.


Nach der Evakuierung des Reichssender Wiens aufgrund der vorrückenden Alliierten 1945, beteiligte sich Andreas Reischek während des Zusammenbruchs der NS-Herrschaft an der Gründung des „Freiheitssenders Ausseerland“, der als Gegenstimme zum Nationalsozialismus gedacht war. Reischek konnte sich aufgrund dieser Tätigkeit nach dem Ende der NS-Herrschaft glaubhaft als Widerstandskämpfer inszenieren. Trotz seiner nachweislichen Tätigkeit für die NS-Propaganda setzte er damit seine Karriere 1945 unmittelbar fort. Er produzierte weiterhin Sendungen in ähnlichem Stil und wurde zum Leiter des Linzer Studios der US‑kontrollierten Sendergruppe Rot‑Weiß‑Rot ernannt. Andreas Reischek starb 1965 in Wien und wurde auch nach seinem Tod noch als Rundfunk-Pionier gefeiert. So wurde beispielsweise von 1976 bis 2010 ein nach ihm benannter Hörfunkpreis vom ORF‑Landesstudio Oberösterreich vergeben.

 

 

Weiterführende Links:


https://oe1.orf.at/artikel/208908/Andreas-Reischek
https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Andreas_Reischek_der_Jüngere

 

 

Wissenschaftliche Literatur:

 

Elias Berner, Birgit Haberpeuntner: Andreas Reischek und Eldon Walli: Geschichten einer Freundschaft, in: Stefan Benedik, Konrad Mitschka, Karin Moser (Hg.), Radiomomente. Erinnerungen und Analysen aus 100 Jahren Radio. Wien 2024, 70–71.

 

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