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#nachgefragt bei Edith Mühlgaszner von der kroatischen Volksgruppe

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Wir haben #nachgefragt bei Edith Mühlgaszner:

 

Wo leben die Angehörigen der kroatischen Volksgruppe hauptsächlich?

Was unterscheidet die burgenlandkroatische Sprache vom Standard-Kroatisch?

Mit welchen Sprachen sind Sie aufgewachsen?

Was hat Sie dazu motiviert für die Volksgruppe aktiv zu werden?

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

 

Edith Mühlgaszner stammt aus Schandorf im Südburgenland und wurde kroatisch-sprachig erzogen. Mühlgaszner studierte in Graz und schloss das Studium mit einer Diplomarbeit zu „Der Dialekt von Schandorf“ ab. Die gelernte Volksschul- und Hauptschullehrerin war dann Landesschulinspektorin für die Volksgruppenschule im Burgenland und Leiterin der Minderheiten-Schulabteilung im Landesschulrat Burgenland. Auch politisch war sie sehr aktiv und Landtagsabgeordnete (SPÖ) im Burgenland. Ebenfalls war Mühlgaszner lange Vorsitzende der Volkshochschule der Burgenländischen Kroaten und Vorsitzende der Volkshilfe Burgenland.

Die Veranstaltung in Bildern (6)
Interview Transkript

Guten Tag. Ich begrüße Sie mit den folgenden Informationen über die burgenländischen Kroaten [in Kroatisch].

 

Mein Name ist Edith Mühlgaszner. Ich komme aus dem südlichen Burgenland, bin Angehörige der burgenländisch-kroatischen Volksgruppe und in kroatischer Sprache aufgewachsen.

 

Wo leben die Angehörigen der kroatischen Volksgruppe hauptsächlich?
Die burgenländischen Kroaten leben heute im Burgenland, über das ganze Bundesland verteilt, in sogenannten Sprachinseln. Mehrere Orte gemeinsam in
einer Gegend sind zweisprachig, das heißt, in diesen Gemeinden wird Kroatisch und Deutsch gesprochen und in diesen Gemeinden ist auch die deutsche und kroatische Sprache Amtssprache. 

 

Was unterscheidet die burgenlandkroatische Sprache vom Standard-Kroatisch?
Das Burgenländisch-Kroatische unterscheidet sich von der Standardsprache in Kroatien im Wesentlichen dadurch, dass wir im Burgenland die Sprache, die damals die Neusiedler im 16. Jahrhundert mitgebracht haben, in großen Teilen erhalten haben und sich unsere Sprache nicht so weiterentwickelt hat, wie die Standardsprache in Kroatien. Diese Unterschiede beziehen sich auf die Wortschatzebene ebenso wie auf die grammatikalische Ebene bzw. einige Sprachentwicklungen haben wir dann nicht mehr mitgemacht, weil wir den Kontakt, die Verbindung zum kroatischen Staat nicht in dieser Weise gepflogen haben oder erhalten haben.

 

Mit welchen Sprachen sind Sie aufgewachsen?
Ich selber gehöre einer Generation an, die in ihrer Kindheit noch keine Berührungspunkte mit der deutschen Sprache hatte. Im Dorf wurde damals ausschließlich Kroatisch gesprochen. Erst in der Volksschule begann sozusagen das Erlernen der deutschen Sprache für mich. Es war damals die gesetzliche Regelung so, dass die Unterrichtssprache in den kroatischen Ortschaften Kroatisch war und Deutsch einige Stunden, damals waren es drei Wochenstunden, unterrichtet wurde. Ich hatte das Glück, dass ich in der Grundschule eine sehr gute und sehr gewissenhafte Lehrerin hatte, die auch die Vermittlung der deutschen Sprache sehr ernst genommen hat. Ich weiß aber von anderen Standorten, dass dort auch die drei Stunden nicht immer so eingehalten wurden, sodass Kinder aus kroatischen Gemeinden in weiterführenden Schulen eigentlich aufgrund der geringen Deutschkenntnisse fast keine Chance hatten. Ich habe das Glück gehabt, dass ich eine besondere Chance erhalten habe durch die Bereitschaft meiner Eltern mich in ein Internat zu geben. Man kann natürlich diese Tatsache von verschiedenen Aspekten beleuchten, aber es war eigentlich damals die einzige Chance, wenn man eine weitere Schulbildung erreichen wollte. Für mich war es damals kein leichter Schritt, obwohl ich mich darauf sehr gefreut habe, weil ich der deutschen Sprache nach diesem
geringen Anteil von Deutschunterricht natürlich nicht für die alltägliche Kommunikation mächtig war. Und ich habe das noch sehr gut in Erinnerung, als ich im Internat von meiner Mutter damals im Internat gelassen wurde, dass ich zwei Wochen lang kein einziges Wort gesprochen habe. Selbst die Internatsleiterin, die hat sich sehr bemüht um mich, aber ich konnte einfach nicht reden, weil ich keinen deutschen Satz formulieren konnte. Und dieses Erlebnis sitzt in mir tief, weil es einfach nicht möglich war, dass ich meine Gefühle ausdrücke oder mit jemandem teile. Es war so ein bisschen ein Minderwertigkeitsgefühl auch dabei, weil wir gespürt haben, unsere Sprache ist da eigentlich nicht vorhanden und ist nicht wert, dass man sie da spricht. Das war schon ein bisschen auch mit negativen Gefühlen verbunden.

 

Was hat Sie dazu motiviert für die Volksgruppe aktiv zu werden?
Ich glaube, ein Beweggrund war eben, diese Erfahrung, dass die Sprache sozusagen etwas wert ist, wenn man sie auch gut beherrscht, und wenn man auch mit der anderen Sprache kommunizieren kann. Ich habe mich auch bewusst dafür entschieden, unseren Kindern mit meinem Mann gemeinsam, der auch Kroatisch konnte, die Sprache weiterzugeben. Und diese Chance wollte ich eben auch anderen bieten und weitergeben. Vor allem dann auch in der Lehrerausbildung habe ich mich auch dann dafür engagiert, dass möglichst viele Teilnehmer bei den Seminaren dabei sind. Sonst wäre auch unsere Gruppe für die Lehramtsprüfung gar nicht zustande gekommen und dann hätten wir nicht die Ausbildung abschließen können.

 

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Ich würde mir sehr wünschen, dass man von öffentlicher Seite und auch von politischer Seite das Gemeinsame der burgenländischen Volksgruppen
weiter unterstützt und vielleicht noch mehr unterstützt in manchen Bereichen. Beispielsweise im Schulwesen, ist das noch ausbaufähig, dass man die Möglichkeiten eröffnet, damit alle Kinder Kroatisch lernen können. Erstens einmal die, die von zu Hause irgendwelche Voraussetzungen schon mitbringen oder einen Hintergrund, aber ich würde es auch für wichtig finden, dass im Burgenland entsprechend der EU-Richtlinie alle Kinder in der Schule drei Sprachen lernen, so wie es in Wales oder in anderen Ländern ganz normal ist, dass man die Staatssprache lernt, Englisch und eine Regionalsprache. Und das wäre im Burgenland bei uns sozusagen aufgelegt, dass man Deutsch, Kroatisch, Ungarisch beispielsweise den Kindern zu erlernen ermöglicht. Für die burgenländische kroatische Volksgruppe würde ich mir sehr wünschen, dass man die junge Generation dann schon, wenn sie im Berufsleben ist, begeistern kann, sich zu engagieren und sich einzubringen, auch bei politischen Forderungen. Dass die Sprache auch in allen Lebensbereichen Verwendung finden kann.

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