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1985: Glykolwein-Skandal

Frostschutzmittel im Wein fliegt auf

Anfang Juli 1985 informierte die österreichische Bundesregierung, dass einzelne Winzer eher minderwertigen Wein mit Hilfe eines Frostschutzmittels (Diaethylenglykol) zu einem Prädikatswein gestylt hatten. Diese so produzierte „Spätlese“ war primär für den Export mittels Tankwagen bestimmt und speiste vor allem den deutschen Markt. Die Weinpanscher*innen profitierten von der marktspezifischen Süßweinnachfrage. Illegale Verschnitte mit österreichischen Süßweinen belasteten auch in Deutschland Handel und Produktion. Der Export österreichischer Weine brach in der Folge zusammen, weltweit mussten Produkte zurückgerufen werden und eine Reihe von Staaten verbot oder warnte vor österreichischen Weinen. Im Hinblick auf die Käufer wurde festgestellt, dass sie der niedrige Preis dieser „Qualitätsweine“ hätte stutzig machen müssen. Die Opposition, die ÖVP, forderte den Rücktritt des Landwirtschaft- und des Gesundheitsministers, Günter Haiden, die Bundesregierung reagierte mit einem neuen Weingesetz und verschärften Kontrollen. Eine Reihe von Weinproduzent*innen wurde verurteilt. Der totale Zusammenbruch des Weinexportes führte zu einer nachhaltigen Veränderung der österreichischen Weinproduktion, die nach einigen Jahren den Geschmack der Weintrinker – süßes war out – überzeugen konnte, sodass der Export gegenüber 1984/85 verfünffacht wurde.

Year
1985
Authors