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Rosa Schandl (1895–1978)

Denunziantin in Wien

Rosa Schandl wurde 1895 in Wien geboren und erlernte den Beruf der Strohhutnäherin. Sie war Angehörige der römisch-katholischen Kirche, bis sie 1922 den jüdischen Schneider Michael (Mischko) Schwarz heiratete und zur jüdischen Religionsgemeinschaft wechselte. In den folgenden 16 Jahren ihrer Ehe bekam sie sieben Kinder, die 1938 zwischen einem und 15 Jahre alt waren. Die Familie lebte in ärmlichen Verhältnissen in einer Barackensiedlung in der Hasenleitengasse in Wien-Simmering. Der Vater hatte alle Mühe, seine Familie mit Schneiderarbeiten durchzubringen. 

 

Die NS-Machtübernahme in Österreich im März 1938 markierte einen dramatischen Wendepunkt im Leben und Verhalten der damals 43-jährigen Rosa Schwarz. Ihre Einstellung zu ihrem jüdischen Ehemann begann sich zu wandeln, sie entwickelte eine zunehmend antisemitische Gesinnung und beklagte sich, dass sie wegen ihrer „Mischehe“ mit einem Juden kein „Mutterkreuz“ bekommen könne. Sie äußerte sich zunehmend ablehnend und auch ausdrücklich antisemitisch über ihren Mann. 

 

Die Situation verschärfte sich, als Michael Schwarz 1941/1942 in Steyr zur Zwangsarbeit eingesetzt wurde. Aus diesem Grund konnte er seine Familie in Wien nur noch äußerst selten besuchen und nicht mehr ausreichend unterstützen. Rosa Schwarz nahm eine Stelle als Köchin in einem Gasthaus an und begann eine Beziehung mit dem Nationalsozialisten Josef Scholz. Ab diesem Zeitpunkt verweigerte sie ihrem Ehemann den Zugang zur gemeinsamen Wohnung und drängte auf eine Scheidung, die sie jedoch nicht durchsetzen konnte, da die Einwilligung des Mannes dazu Voraussetzung war. Michael Schwarz war sich wohl bewusst, dass er und seine Kinder nur so lang vor einer drohenden Deportation geschützt waren, als die „Mischehe“ mit seiner „arischen“ Ehepartnerin bestand. Eine Scheidung würde für ihn und seine Kinder Lebensgefahr bedeuten. In dieser Situation griff Rosa Schwarz zum Mittel der Verleumdung (Denunziation): So zeigte sie ihre beiden älteren Kinder bei der Polizei an, weil sie den vorgeschriebenen „Judenstern“ außer Haus nicht getragen hätten. Beide Kinder kamen dafür sechs Wochen in Haft. Mitte April 1943 ging sie noch weiter und denunzierte ihren Mann bei der Gestapo wegen angeblicher „kommunistischer Betätigung“. Michael Schwarz wurde daraufhin am 13. April 1943 von der Gestapo festgenommen, kam zehn Wochen in Haft und wurde danach in das KZ Auschwitz deportiert, wo er am 25. November 1943 ermordet wurde. Die jüngeren der sieben Kinder brachte Rosa Schwarz in das einzige noch verbliebene Kinderheim der Israelitischen Kultusgemeinde in der Tempelgasse. Im April 1944 wurden diese in das Sammellager in der Malzgasse in Wien-Leopoldstadt überstellt, wo sie auf ihre älteren Geschwister trafen, die bislang in der kleinen Wohnung des Vaters gelebt hatten. Alle sieben Geschwister wurden von dort in das Ghetto Theresienstadt deportiert und überlebten die Shoah, erfuhren aber erst nach 1945 vom Tod ihres Vaters.

 

Rosa Schnedlitz, wie sie nun hieß, wurde nach dem Ende der NS-Herrschaft wegen Denunziation  nach dem Kriegsverbrechergesetz angeklagt. Sie wies jede Schuld von sich und machte zunächst ihren vormaligen Liebhaber Josef Scholz, der 1945 verstorben war, verantwortlich oder behauptete, die Gestapo habe sie zu diesem Vorgehen gezwungen. Das Volksgericht Wien verurteilte sie wegen Denunziation ihres Mannes zu fünf Jahren schweren Kerkers. Im August 1949 wurde sie allerdings bereits wieder auf Bewährung entlassen. 1957 wurde ihre Strafe aufgrund der Generalamnestie für NS-Verbrechen getilgt. Zynisch waren ihre Versuche in den 1960er Jahren, aus dem von ihr mitverursachten Tod ihres Mannes skrupellos Profit zu schlagen. Die von ihr unter ihrem Mädchennamen eingebrachten Anträge auf Entschädigung nach dem Opferfürsorgegesetz für ihren in Auschwitz ermordeten Mann wurden von der Behörde aber abgelehnt. Rosa Schandl starb 1978 in Wien. 

 

 

Weiterführende Links:

 

https://www.bmi.gv.at/104/Wissenschaft_und_Forschung/SIAK-Journal/SIAK-Journal-Ausgaben/Jahrgang_2024/files/Scholz_1_2024.pdf 

 

 

Wissenschaftliche Literatur:

 

Herbert Dohmen/Nina Scholz, Denunziert. Jeder tut mit. Jeder denkt nach. Jeder meldet, Wien 2003, S. 9–31. 

Rosa Schandl: „Der Jud’ muss weg!“ – Eine Denunziantin im engsten Familienkreis, in: Martin Krist/Albert Lichtblau, Nationalsozialismus in Wien. Opfer. Täter. Gegner, Innsbruck 2017, S. S. 165–167. 

Nina Scholz, Private Denunziationen im Nationalsozialismus. Das Denunziantentum trug zum reibungslosen Funktionieren des Nationalsozialismus und der Judenverfolgung bei, in: SIAK-Journal − Zeitschrift für Polizeiwissenschaft und polizeiliche Praxis (1/2024), S. 72–86. 

 

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