Eduard Pernkopf (1888–1955)
Anatom, Rektor der Universität Wien
Pernkopf war seit 1933 Professor für Anatomie, ab 1938 Dekan der medizinischen Fakultät und ab 1943 Rektor der Universität Wien. Er war dabei auch letztverantwortlich dafür, dass die medizinischen Institute sich Leichen von (mindestens 1.377) hingerichteten Menschen beschafften, um an ihnen wissenschaftliche Forschungen durchzuführen. Er profitierte aber auch persönlich von der Zusammenarbeit mit der NS-Unrechtsjustiz.
1945 wurde Pernkopf als prominenter Nationalsozialist entlassen (als „schwer belastet“). Er konnte aber dennoch die Arbeit an einer wichtigen Publikation, seinem Anatomischen Atlas fortsetzen. Dazu griff er weiterhin auf Präparate der Universität Wien zurück, arbeitete also immer noch mit den Leichenteilen der ermordeten Opfer der NS-Herrschaft. Sein Anatomie-Atlas ist bis heute weltweit verbreitet und machte Pernkopf berühmt.
Weiterführende Links:
https://hdgoe.at/pernkopf-affaere
https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Eduard_Pernkopf
https://geschichte.univie.ac.at/de/personen/eduard-pernkopf
Wissenschaftliche Literatur:
Herwig Czech, Erich Brenner, Nazi victims on the dissection table - The Anatomical Institute in Innsbruck. Ann Anat. 2019, 84–95. doi: 10.1016/j.aanat.2019.03.007
Müller, Markus, Herwig Czech, Christiane Druml, Commentary: The Medical University of Vienna and the historic legacy of Pernkopf’s atlas. In: Surgery 165.5 (2019), 871-872.
Hildebrandt, Sabine, and Claudia Krebs, From body to image—Pernkopf's anatomical gaze and eyewitness accounts on the process of creating images from Nazi victims' bodies., in: Anatomical Sciences Education 18.3 (2025): 277–288.