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Josef Niedermayer (1920–1947)

Leiter des Gefängnisses im KZ Mauthausen

Josef Niedermayer wurde am 11. April 1920 in Salzburg geboren. Nach dem Tod seines Vaters Friedrich Niedermayer, eines Bahnangestellten, im Jahr 1926 war seine Mutter Anna Alleinerzieherin von ihm und seinen vier Geschwistern. Nach Abschluss seiner Lehre 1937 als Installateur arbeitete er als Geselle in einem Installateurbetrieb in Salzburg. 1938 wurde er arbeitslos. Nach der NS-Machtübernahme in Österreich trat er mit der Einwilligung seiner Mutter am 4. April 1938 freiwillig der SS bei und wurde im KZ Dachau eingesetzt. Er nahm im Oktober 1938 nach dem Münchner Abkommen an der Besetzung der Randgebiete der Tschechoslowakei („Sudetenland“) durch die Truppen NS-Deutschlands teil. Während des Zweiten Weltkriegs kämpfte er im Westfeldzug gegen Belgien und Frankreich. Im Juni 1941 beteiligte er sich am Angriffskrieg gegen die Sowjetunion. Bereits im Juli 1941 erlitt er an der Ostfront einen schweren Lungendurchschuss, der ihn für mehrere Monate ins Lazarett brachte. 

 

Im April 1942 erfolgte Niedermayers Versetzung in das KZ Mauthausen. Zunächst war er dort als Blockführer tätig. Als solcher war er für eine bestimmte Häftlingsbaracke (sogenannten Block) zuständig. Später wurde er als Arrestaufseher im Lagergefängnis tätig, das von Max Seidl geleitet wurde. Im Herbst 1942 stieg er bereits zum Stellvertreter Seidls auf, im März 1943 übernahm er als Nachfolger Seidls die Leitung des Zellenbaus, der 33 Zellen umfasste. Im Gefängnis waren Häftlinge eingesperrt, die gegen die Lagerordnung verstoßen hatten und auf ihre Verhöre oder Exekutionen warteten. Niedermayer war für zahlreiche Gräuel- und Gewalttaten verantwortlich. Überlebende Häftlinge bezeugten, dass er mehr als 200 Personen im Exekutionsraum ermordet hatte. Vor Gericht gestand Niedermayer später die befehlsgemäße Teilnahme an ca. 400 Exekutionen im Zellenbau. Nach eigenen Angaben “erhielt” er vom SS-Standortarzt Waldemar Wolter zwischen Oktober 1944 und Februar 1945 mehrere hundert kranke Häftlinge zur Tötung in der Gaskammer. Ab November 1944 war Niedermayer zudem Blockführer von Block 20, dem sogenannten „Todesblock“ für sowjetische Kriegsgefangene, der mit einem elektrisch geladenen Stacheldrahtzaun hermetisch vom restlichen Lager abgeriegelt war. Dort wurden vor allem Offiziere der Roten Armee, die nicht gleich bei ihrer Ankunft ermordet worden waren, durch Hunger, Kälte, Krankheit oder Misshandlungen seitens der SS systematisch zu Tode gebracht. Diese Mordaktion basierte auf dem sogenannten „Kugel“-Erlass, demzufolge geflohene und wiederergriffene Kriegsgefangene – mit Ausnahme von Briten und US-Amerikanern – vom Sicherheitsdienst (SD) in das KZ Mauthausen unter dem Code „Kugel“ einzuliefern und zu exekutieren waren. In der Nacht zum 2. Februar 1945 unternahmen über 500 dieser Häftlinge – kriegsgefangene sowjetische Offiziere – bei -8°C einen Massenausbruch aus Block 20. Niedermayer leitete das SS-Suchkommando während der drei Wochen andauernden, von der SS zynisch „Mühlviertler Hasenjagd“ genannten Treibjagd auf Menschen und beteiligte sich an den Massakern. Die Such- und Fahndungsaktion wurde nicht nur von SS, SA, Gendarmerie, Feuerwehr, Volkssturm und HJ, sondern auch von Teilen der Zivilbevölkerung unterstützt. Nur zwölf Geflüchtete überlebten das Kriegsende.

 

Niedermayer wurde am 6. Mai 1945 in Steyr festgenommen, nach Dachau verbracht und im Mauthausen-Hauptprozess angeklagt. Am 13. Mai 1946 erfolgte seine Verurteilung zum Tod, am 28. Mai 1947 wurde das Urteil in Landsberg am Lech vollstreckt.

 

 

Weiterführende Links:

https://austria-forum.org/af/AustriaWiki/Mauthausen-Hauptprozess

 

 

Wissenschaftliche Literatur:

 

Gregor Holzinger, Josef Niedermayer, in: Gregor Holzinger (Hg.), Die zweite Reihe. Täterbiografien aus dem Konzentrationslager Mauthausen, Wien 2016 (= Mauthausen-Studien, Bd. 10), S. 119–121. 

Christian Rabl, Am Strang. Die österreichischen Angeklagten in den Dachauer Mauthausen-Prozessen, Wien 2018. 

Florian Freund, Der Dachauer Mauthausenprozess, in: Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Hg.), DÖW-Jahrbuch 2001, Wien 2001, S. 35–66. 

 

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