2015: Eurovision Song Contest in der Wiener Stadthalle
Zum zweiten Mal in Österreich
Conchita Wursts Sieg brachte den ESC zurück nach Wien. Die Hofburg – Austragungsort 1967 – war mittlerweile zu klein für den Bewerb, weshalb die Wahl auf die Wiener Stadthalle fiel. Dennoch gab es Parallelen zu 1967: Die Wiener Sängerknaben traten auf und Österreich wurde – ein Jahr nach der russischen Annexion der Krim – als Brückenbauer zwischen Ost und West inszeniert. Obwohl das ESC-Orchester seit 1999 abgeschafft ist, kamen 2015 gleich zwei klassische Musikorchester zum Einsatz – nicht als Teil des Wettbewerbs, sondern um Österreichs Bedeutung als Musikland zu unterstreichen. Am Beginn der Übertragung spielten die Wiener Philharmoniker im Schönbrunner Schlossgarten die Eurovisionsmelodie (Te Deum von Marc-Antoine Charpentier), die ersten Takte aus Le nozze di Figaro und einen Auszug aus dem 4. Satz Beethovens 9. Sinfonie. Im Saal performte das ORF Radio-Symphonieorchester Rise like a Phoenix.
Im April 2014 änderte die Wiener Stadthalle ihre Postadresse von "Vogelweidplatz 14" auf "Roland-Rainer-Platz 1". Stadthallen-Architekt Roland Rainer wurde ungeachtet seiner biologistisch-rassistischen Architekturkonzepte aus der NS-Zeit in der Zweiten Republik mit vielen öffentlichen Aufträgen bedacht. Rainer verschwieg seine NS-Vergangenheit, die aber durch eine Kontroverse in der Zeitschrift FORVM spätestens seit 1993 öffentlich bekannt war. Der ehemalige Direktor des Architekturzentrums Wien, Dietmar Steiner, bezeichnete Rainer 2015 als „Waldheim der Architektur“. Im Vorfeld des ESC 2015 formierte sich die Initiative Roland-Rainer-Platz umbenennen. Von der Stadtpolitik in Aussicht gestellt wurde eine kritische Kommentierung mittels Zusatztafel – umgesetzt wurde sie nicht.