Zum Verhältnis von Antisemitismus und Holocaust in der historisch-politischen Bildungsarbeit
Präsentation der deutschsprachigen IHRA-Empfehlungen für das Lehren und Lernen über den Holocaust
Im Rahmen der Aktionwoche gegen Antisemitismus
Datum: Mittwoch, 11. November 2026
Zeit: 18.30 Uhr*
Ort: Haus der Geschichte Österreich
Anmeldung ist erforderlich
Was kann und soll das Lehren und Lernen über Holocaust heute leisten? Mit dem Ende der Zeitzeugenschaft, der Zunahme an Holocaust-Leugnung und -Verfälschung in sozialen Medien und dem weltweit gestiegenen Antisemitismus seit dem 7. Oktober 2023 sind auch die Erwartungen an die Bildungsarbeit immer größer geworden. Zugleich stellt sich die Frage, welche „Lehren aus der Geschichte“ tatsächlich vermittelt werden können – und wo die Möglichkeiten von Holocaust-Education in der Auseinandersetzung mit aktuellem Antisemitismus an ihre Grenzen stoßen.
Die International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) hat ihre 2019 erstmals veröffentlichten Empfehlungen für das Lehren und Lernen über den Holocaust aktualisiert. Die neue Fassung legt unter anderem einen stärkeren Schwerpunkt auf die Auseinandersetzung mit Antisemitismus, um sowohl die Vorgeschichte als auch die Nachwirkungen des Holocaust besser verstehen zu können. Gleichzeitig reagieren die Empfehlungen damit auf eine zentrale Herausforderung der historisch-politischen Bildungsarbeit: Die verbreitete Annahme, dass die Beschäftigung mit dem Holocaust automatisch gegen Antisemitismus „immunisiere“, greift zu kurz.
Welche Rolle soll die Auseinandersetzung mit Antisemitismus beim Lernen über den Holocaust spielen? Welche Fallstricke und Herausforderungen, aber auch welche Chancen und Grenzen gibt es? Und wie können die Empfehlungen der IHRA in der Bildungsarbeit an Schulen, Museen und Gedenkstätten praktisch umgesetzt werden?
Die deutsche Übersetzung der IHRA-Empfehlungen liegt seit Sommer 2026 vor und wird bei einer gemeinsamen Veranstaltung des Hauses der Geschichte Österreich, des OeAD-Programms ERINNERN:AT und der IHRA im Rahmen der Aktionswoche gegen Antisemitismus erstmals im deutschsprachigen Raum präsentiert.
Die Co-Autorin Yael Richler-Friedman erläutert in einem Impulsvortrag, wie die Auseinandersetzung mit Antisemitismus in die überarbeiteten Empfehlungen eingeflossen ist. Anschließend diskutieren Expert:innen der historisch-politischen Bildung aus Österreich, Deutschland und der Schweiz die Empfehlungen, ihre Potenziale und Grenzen sowie Möglichkeiten ihrer Umsetzung in der Bildungspraxis.
Die Veranstaltung findet hybrid statt und wird auf Youtube übertragen.
*Vor der Veranstaltung besteht um 17:30 Uhr die Möglichkeit, die Hauptausstellung des Hauses der Geschichte Österreich zu besuchen: Im Rahmen eines Ausstellungsgesprächs erläutern Stefan Benedik und Eva Meran ihre Zugänge zum Ausstellen und Vermitteln von Antisemitismus und Holocaust im Museum und geben Einblicke in Entscheidungs- und Diskussionsprozesse.
Programm
17:30 Uhr
Ausstellungsgespräch: Holocaust und Antisemitismus ausstellen und vermitteln
Stefan Benedik | Teamleitung Public History und Stellvertreter der Direktorin, hdgö
Eva Meran | Kuratorin für Vermittlung, hdgö
Begrenzte Teilnehmer*innenzahl, Anmeldung erforderlich
18:30 Uhr
Beginn der Veranstaltung
Begrüßung und Grußworte
Monika Sommer | Gründungsdirektorin, Haus der Geschichte Österreich (hdgö)
Jakob Calice | Geschäftsführer des OeAD
Michaela Küchler | Generalsekretärin, International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA)
Hannah Lessing | Vorsitzende des Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus und Co-Leiterin der österreichischen IHRA-Delegation
Einführung und Keynote (in englischer Sprache)
Yael Richler-Friedman | International Institute for Holocaust Education, Yad Vashem und Mitglied der israelischen IHRA-Delegation
Podiumsgespräch zur Umsetzung der IHRA-Empfehlungen in der pädagogischen Praxis (in deutscher Sprache)
Monique Eckmann | emeritierte Professorin der Hochschule für Soziale Arbeit, Fachhochschule Westschweiz, Genf und ehemaliges Mitglied der Schweizer IHRA-Delegation
Derviş Hızarcı | KIgA – Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus, Berlin und Mitglied der deutschen IHRA-Delegation
Patrick Siegele | OeAD ERINNERN:AT, Wien und Mitglied der österreichischen IHRA-Delegation
Moderation
Eva Meran | Kuratorin für Kulturvermittlung, hdgö
Louise Beckershaus | Kulturvermittlung, hdgö
Eine Veranstaltung des Hauses der Geschichte Österreich und des OeAD-Programms ERINNERN:AT im Rahmen der Aktionswoche gegen Antisemitismus 2025.
Sprecher*innen:
Monique Eckmann ist emeritierte Professorin an der Fachhochschule Westschweiz in Genf. In ihrer wissenschaftlichen Arbeit setzt sie sich insbesondere mit der Bildung zu Antisemitismen und Rassismen auseinander. Von 2004 bis 2018 war sie Mitglied der Schweizer Delegation der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA). Zu ihren neueren Publikationen zählen Arbeiten zur pädagogischen Auseinandersetzung mit aktuellen Formen des Antisemitismus sowie zur Forschung über das Lehren und Lernen über den Holocaust im internationalen Dialog.
Derviş Hızarcı ist gefragter Experte für Antisemitismus und Erinnerungskultur. Er ist Vorstandsvorsitzender der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus und Mitglied der deutschen IHRA-Delegation. Für sein Engagement erhielt er die Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland und den Landesverdienstorden Berlin. 2024 veröffentlichte er Zwischen Hass und Haltung (Suhrkamp).
Yael Richler-Friedman ist pädagogische Leiterin des Internationalen Instituts für Holocaust Education von Yad Vashem sowie designierte Vorsitzende der IHRA Education Working Group. Sie ist auf Holocaust-Education für unterschiedliche Zielgruppen spezialisiert und verfügt über umfangreiche Erfahrungen bei in der Entwicklung von Lehrplänen und Schulbüchern sowie in der pädagogischen Beratung. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit stehen insbesondere die methodischen und ethischen Dimensionen von Holocaust Education sowie die sich wandelnden Herausforderungen der Vermittlung dieses Themenfeldes in einer sich rasch verändernden Welt.
Patrick Siegele hat in Österreich, Großbritannien und Deutschland Deutsche Philologie, Musikwissenschaft und Museumsmanagement studiert. Von 2014 bis 2021 war er Direktor des Anne Frank Zentrums, der deutschen Partnerorganisation des Anne Frank Hauses in Amsterdam. Patrick Siegele war zwischen 2015 und 2017 Koordinator des unabhängigen Expertenkreises Antisemitismus (beauftragt vom Deutschen Bundestag). Seit 2021 ist Patrick Siegele Leiter des Fachbereichs „Holocaust Education“ (ERINNERN:AT) beim OeAD – Österreichs Agentur für Bildung und Internationalisierung. Er ist Mitglied der österreichischen Delegation der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) und 2026 Vorsitzender der Education Working Group.
Moderation:
Louise Beckershaus ist seit 2018 Teil des hdgö-Vermittlungsteams. Ihre Schwerpunkte liegen im Bereich der diskriminierungskritischen Bildungsarbeit und Holocaust Education. Sie absolvierte sie die Qualifizierungsreihe „Grundsätze und Qualitätsmerkmale antisemitismuskritischer Bildung“ des Kompetenznetzwerks Antisemitismus (DE). Seit 2022 verantwortet sie die jährlich stattfindende Aktionswoche gegen Antisemitismus im hdgö.
Eva Meran ist seit 2017 Teil des hdgö-Teams und seit 2026 als Kuratorin für Vermittlung tätig. Davor verantwortete sie die Abteilung „Diskussionsforum und Kulturvermittlung”. Ihre Schwerpunkte liegen in den Bereichen kritische Geschichts- und Kunstvermittlung, Sprache und Texte im Museum, österreichische Zeitgeschichte und zeitgenössische Bildende Kunst.
Informationen zur Veranstaltung ab 18:30 Uhr
- Die Veranstaltung dauert ca. 90 Minuten ohne Pause.
- Die Beiträge sind in deutscher und englischer Lautsprache.
- Für das Publikum stehen Sitzplätze zur Verfügung. Die Stühle haben keine Armlehnen.
- Bei der Anmeldung können Sie angeben, ob Sie mit Rollstuhl kommen.
- Das hdgö ist gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen (U2, U3, Straßenbahn 1, 2, D, 71 und Bus-Linie 57A).
Bei allen Fragen erreichen Sie uns unter office@hdgoe.at oder +43 1 534 10 – 805.
Mit der Teilnahme an der Veranstaltung stimmen Sie Foto-, Ton- und Filmaufnahmen und der Veröffentlichung zu.
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