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Foto: Markus Guschelbauer/Haus der Geschichte Österreich, cc-by nc 4.0

1995: Gewalt, Erschütterung, Solidarität

Plakat des Benefizkonzerts in der Wiener Stadthalle für die Angehörigen der Mordopfer von Oberwart/Erba, 6.3.1995, Haus der Geschichte Österreich, Schenkung des Kulturverein Österreichischer Roma

Erst extreme Gewalt hat die österreichische Öffentlichkeit aufgerüttelt, wie sehr Romnija (Frauen) und Roma (Männer) in Österreich angefeindet werden: Beim einem der schwersten politisch motivierten Attentate der Zweiten Republik, das 1995 von einem Rechtsextremen in der Bezirksstadt Oberwart (in der Sprache der Burgenland-Rom*nija: Erba, ungarisch: Felsőőr, kroatisch: Borta) verübt worden war, wurden im südlichen Burgenland in der Nacht von 4. auf 5. Februar 1995 vier junge Männer ermordet. Der Sprengsatz der Rohrbombe war mit einer Tafel mit der rassistischen Aufschrift „Roma zurück nach Indien“ verbunden. Er war so konstruiert, dass jene Personen, die versuchten, die Tafel mit der Hassbotschaft zu entfernen, den Zünder der Bombe auslösen mussten. Die vier Männer Erwin Horvath, Karl Horvath, Peter Sarközi und Josef Simon starben noch vor Ort.

 

Der Anschlag erschütterte ganz Österreich und brachte diese Volksgruppe schlagartig ins Rampenlicht. Innerhalb kürzester Zeit solidarisierte sich eine breite Öffentlichkeit, erstmals wurden Grundinformationen über die Volksgruppe der Roma und Romnija in Massenmedien verbreitet. Ein sichtbares Zeichen der Unterstützung waren Initiativen, die sich für die Angehörigen der Opfer einsetzten, beispielsweise durch ein Benefizkonzert in der Wiener Stadthalle. Dort traten die damals größten Stars des Austropop ohne oder gegen geringes Honorar auf. Das waren vor allem Musiker*innen von außerhalb der Volksgruppe, aber auch einige berühmte Roma, wie etwa Tony Wegas, der zu dieser Zeit Österreich mehrfach beim Eurovision Song Contest vertreten hatte. Noch wichtiger als das damit eingespielte Geld war für die Menschen vor Ort in Oberwart, dass eine große Öffentlichkeit schlagartig wachsam geworden war in Bezug auf die Diskriminierung der Rom*nija. Nur dadurch setzten sich rechtsextreme Stimmen nicht durch, die unmittelbar nach dem Attentat – trotz der klar ausgedrückten, rassistischen Botschaft – sogar noch versucht hatten, die Opfer als Täter darzustellen. Schnell wurde es als Skandal betrachtet, dass die Angehörigen der Ermordeten unmittelbar nach dem Attentat auch noch Razzien der Polizei über sich ergehen lassen mussten, weil zuerst sie selbst als Verdächtige geführt wurden.

 

Der Anschlag wurde zu einer Zeit verübt, als die Volksgruppe vor einigen Jahre begonnen hatte, sich selbst zu organisieren und für ihre Rechte zu kämpfen – beispielsweise Alltagsdiskriminierung in der Schule oder in Lokalen öffentlich anzusprechen. Erst zwei Jahre vorher hatte das dazu geführt, dass die Rom*nija offiziell als Volksgruppe anerkannt worden waren. Unter den Rom*nija betrachteten manche die rechtsextreme Gewalt als Folge des Aktivismus. Letztlich war aber klar, dass die einmal erlangte Sichtbarkeit nicht wieder rückgängig gemacht werden konnte – dass sich die Situation in Oberwart/Erba dann auch tatsächlich deutlich und nachhaltig verbesserte, liegt daran, dass die Republik ihre Verantwortung wenigstens in dieser Stadt erkannt hatte. Vor allem aber tragen dafür die Vertreter*innen der Volksgruppe die Verantwortung. Denn sie machte klar, dass jeder Einsatz gegen Diskriminierung und für eine Verbesserung ihrer Situation im sozialen Bereich, im Bildungswesen und am Arbeitsmarkt der Volksgruppe zu Gute kommen und vor allem auch mit der Volksgruppe gemeinsam entwickelt werden sollte.