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Erna Wallisch (1920–2008)

Aufseherin in den KZs Ravensbrück und Majdanek

Erna Wallisch wurde am 10. Februar 1922 in Benshausen in Thüringen in Deutschland geboren. Sie war das fünfte Kind des Postbeamten Ernst und der Hausfrau Wilhelmine Pfannstiel. 

 

Im Alter von 19 Jahren trat Erna Pfannstiel der NSDAP bei. Im Frühjahr 1941 bewarb sie sich um eine Stelle als KZ-Aufseherin und absolvierte die dafür vorgesehene Ausbildung. Im Mai 1941 wurde sie als Aufseherin im Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück eingestellt, wo sie mehr als ein Jahr blieb. Im Oktober 1942 wurde sie mit neun anderen Wärterinnen in das KZ Majdanek in Lublin/Polen, versetzt, wo sie, bis Jänner 1944 tätig war.

 

Dort lernte sie ihren späteren Ehemann Georg Wallisch kennen, einen Angehörigen des SS-Wachpersonals. Georg Wallisch suchte im Oktober 1943 um die Erlaubnis zur Eheschließung mit Erna Pfannstiel an, die zu dem Zeitpunkt bereits schwanger war. Das zuständige Amt der SS erteilte diese Genehmigung jedoch nicht, da Wallisch wegen Diebstahls zu drei Jahren Kerker verurteilt worden war – das Verfahren drehte sich um goldene Uhren, die Häftlingen bei der Selektion im KZ abgenommen worden waren, mit denen Wallisch sich selbst hatte bereichern wollen. 

 

Überlebende des KZ berichteten, dass Erna Pfannstiel brutal war, Frauen und Kinder auf dem Weg zu den Gaskammern schlug und persönlich an der Selektion von Häftlingen teilnahm. 

 

Am 15. Januar 1944 beendete Erna Pfannstiel aufgrund ihrer Schwangerschaft den Dienst im KZ Majdanek und ließ sich zunächst in Fürstenberg in unmittelbarer Nähe zum KZ Ravensbrück nieder. Nach dem erfolglosen Versuch einer Ferntrauung erhielten Erna Pfannstiel und Georg Wallisch schließlich die Genehmigung, am 24. März 1944 in Lublin zu heiraten. Danach lebte Erna Wallisch kurze Zeit in Thüringen, brachte im April 1944 ihre Tochter zur Welt und übersiedelte dann nach Wien-Donaustadt, wo sie in Kaisermühlen in einer Zinshauswohnung lebte. Am 23. Juli 1944 befreiten Soldaten der Roten Armee das bereits größtenteils geräumte KZ Majdanek. Im Oktober 1946 kehrte Georg Wallisch aus einem US-amerikanischen Internierungslager nach Wien zurück, wo sich das Paar ein kleinbürgerliches Leben aufbaute. Erna Wallisch erwarb die österreichische Staatsbürgerschaft. 

 

Bei den Ravensbrück- und Majdanek-Prozessen nach 1945 befand sich Erna Wallisch nicht unter den Angeklagten. In Österreich gab es Versuche, Erna Wallisch strafrechtlich für ihre Rolle als KZ-Aufseherin zur Verantwortung zu ziehen. Doch verliefen die Verfahren vor dem Landesgericht Graz Mitte der 1960er Jahre aufgrund „unzureichender Beweise“ und vor dem Landesgericht Wien in den 1970er Jahren aufgrund der damals geltenden Verjährung des Tatbestands der „entfernten Mitschuld am Mord“ im Sand. Im Februar 2006 appellierte Efraim Zuroff, der Direktor des Simon-Wiesenthal-Centers in Jerusalem, an die polnische Regierung, sich um die Auslieferung von Wallisch zu bemühen, weil das polnische Gesetz keine Verjährung für Kriegsverbrechen vorsehe. Als schließlich Anfang 2008 in polnischen Archiven neue Beweise auftauchten und sich Zeug*innen meldeten, die zu den Taten von Erna Wallisch im KZ Majdanek aussagen wollten, wurde ihre Auslieferung an Polen geprüft. Gleichzeitig nahm auch die Staatsanwaltschaft Wien aufgrund der geänderten Beweislage erneut Ermittlungen auf. Ihr Tod in einem Wiener Krankenhaus am 16. Februar 2008 beendete diese letzten Bemühungen um eine strafrechtliche Verfolgung. Ein Versagen der österreichischen Nachkriegsjustiz in Bezug auf die Ahndung von NS-Verbrechen wird hier besonders deutlich, die einem mangelnden politischen Willen geschuldet war. 

 

 

Weiterführende Links:

 

https://wiev1.orf.at/stories/258427

https://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/1566994/Elderly-woman-is-wanted-Nazi-war-criminal.html

https://www.newstatesman.com/long-reads/2008/02/nazi-war-holocaust-age

https://web.archive.org/web/20110605055334/http://www.wiesenthal.com/site/apps/nlnet/content2.aspx?c=lsKWLbPJLnF&b=4442245&ct=5851509

https://www.derstandard.at/story/3234645/der-fall-erna-wallisch-die-banalitaet-der-verjaehrung

https://www.derstandard.at/story/3234527/fruehere-kz-aufseherin-erna-wallisch-in-wien-gestorben

https://www.diepresse.com/364536/fruehere-kz-aufseherin-wallisch-in-wien-gestorben

https://www.diepresse.com/364637/kz-aufseherin-wallisch-tot-justiz-muss-akten-schliessen

https://www.falter.at/zeitung/20080206/der-fall-erna-wallisch

https://volksgruppenv1.orf.at/diversitaet/aktuell/stories/45421.html

https://www.zeit.de/online/2008/09/majdanek/komplettansicht

 

 

Wissenschaftliche Literatur:

 

Winfried R. Garscha / Claudia Kuretsidis-Haider, Justizielle „Diktaturfolgenbewältigung“ in Österreich nach 1945. Unterschiede und Gemeinsamkeiten im Vergleich zu Westdeutschland, in: Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Hg.), Forschungen zum Nationalsozialismus und dessen Nachwirkungen in Österreich. Festschrift für Brigitte Bailer, Wien 2012, S. 223–246. 

Florian Klenk / Stefan Apfl, „Der Fall Erna Wallisch“, in: Claudia Kuretsidis-Haider / Irmgard Nöbauer / Winfried R. Garscha / Siegfried Sanwald / Andrzej Selerowicz (Hg.), Das KZ Lublin-Majdanek und die Justiz. Strafverfolgung und verweigerte Gerechtigkeit: Polen, Deutschland und Österreich im Vergleich, Graz 2011, S. 427–437. 

 


Wissenschaftliche Literatur:
 

Matthias Gafke, Heydrichs Ostmärker. Das österreichische Führungspersonal der Sicherheitspolizei und des SD 1939–1945, Darmstadt 2015, S. 128 ff. 

Wolfgang Graf, Österreichische SS-Generäle. Himmlers verlässliche Vasallen, Klagenfurt–Ljubljana–Wien 2012, S. 303–313. 

Elisabeth Boeckl-Klamper / Thomas Mang / Wolfgang Neugebauer, Gestapo-Leitstelle Wien 1938–1945, Wien 2018, S. 396 f. 

Ernst Klee, Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945, Frankfurt/Main 2003, S. 10. 

Helmut Krausnick / Hans-Heinrich Wilhelm, Die Truppe des Weltanschauungskrieges. Die Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD 1938–1942, Teil I und Teil II, Stuttgart 1981. 

Barbara Stelzl-Marx / Andreas Kranebitter / Gregor Holzinger (Hg.), Exekutive der Gewalt. Die österreichische Polizei und der Nationalsozialismus, Wien 2024. 

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