Asperger war ab 1932 Leiter der Heilpädagogischen Abteilung an der Kinderklinik der Universität Wien. 1944 erlangte er eine Lehrbefugnis mit seinen Forschungen zu einem autistischen Krankheitsbild, das nach seinem Tod als „Asperger Syndrom“ nach ihm benannt wurde. Asperger war kein Mitglied der NSDAP, passte aber seine Heilpädagogik an die Ideologie des NS-Regimes an. Das war durch seine Mitgliedschaft als Jugendlicher im Bund Neuland erleichtert worden. Er galt der NS-Herrschaft als Katholik, seine ärztliche Praxis zeigte jedoch seine Mitverantwortung an NS-Medizinverbrechen: Er unterstützte die Ermordung von Kindern mit Behinderung durch seine Gutachten, in denen er ähnlich häufig junge Patient*innen für die Ermordung bestimmte wie NS-Ärzte. Unterlagen des Personalamt des Gaus Wien belegen außerdem seine Zustimmung dazu, Menschen unter Zwang zu sterilisieren – ausschließlich aus rassistischen Gründen.
Asperger setzte seine Karriere ohne Unterbrechung fort. 1957–1962 war er Leiter der Kinderklinik Innsbruck und ab 1962 Professor für Pädiatrie und Leiter der Universitäts-Kinderklinik Wien. 1971 erhielt er die Ehrenmedaille der Stadt Wien in Gold. Forschungen des Historikers Herwig Czech führten erst lange nach seinem Tod zu einer kritischen Diskussion über Asperger und schließlich dazu, dass in der offiziellen internationalen Regelung der Beschreibung von Krankheitsbildern der Name Asperger-Syndrom 2020 gestrichen wurde.
Wissenschaftliche Literatur:
Herwig Czech, Hans Asperger und der Nationalsozialismus, Geschichte einer Verstrickung, Gießen 2024.
Herwig Czech, Hans Asperger und der Nationalsozialismus. Konturen einer Kontroverse, in: Monatsschrift Kinderheilkunde 168/3 (2020), 163–175.
Weiterführende Links:
https://www.meduniwien.ac.at/web/ueber-uns/news/detailseite/2018/news-im-april-2018/aktuelle-studie-hans-asperger-und-die-ns-rassenhygiene/
https://biographien.ac.at/oebl/oebl_A/Asperger_Johann-Friedrich-Karl_1906_1980.xml