Unterstützer*innen des Hauses der Geschichte Österreich in der Vorbereitung der Gründung ab 2014
Von der Idee der Einrichtung eines Hauses der Geschichte Österreich bis zur Festlegung durch einen Gesetzesbeschluss im Nationalrat war es ein weiter Weg. Als der Zeithistoriker Oliver Rathkolb 2014 vom Kulturminister beauftragt wurde, die Gründung des Hauses vorzubereiten, konnte dieser eine breite Basis von Personen des öffentlichen Lebens für das neu zu entwickelnde Museum gewinnen. Mehr als hundert engagierte Unterstützer*innen begleiteten so die ersten Schritte hin zur Entstehung einer Institution.
Viele prominente Persönlichkeiten aus den Bereichen Bildung, Kunst, Kultur, Literatur, Medien, Musik, Museum, Politik, Religion, Theater, Wissenschaft und Wirtschaft sowie renommierte Zeitzeug*innen setzten sich intensiv für die Eröffnung des ersten zeithistorischen Museums des Bundes ein. Auch nachdem das damalige Ziel erreicht wurde, unterstreichen ihre Gedanken die Relevanz und den breiten Auftrag dieses Museums.
„Nicht die ganze Bevölkerung aber war am Heldenplatz, meine Eltern und ich selbst (Jahrgang 1932) jedenfalls nicht.“
— Univ. Prof. Dr. Ludwig Adamovich (1932-2024)
Präsident des Verfassungsgerichtshofes 1984–2002, Zeitzeuge
Ich begrüße sehr die Gründung des Hauses der Geschichte. Besonders wichtig scheint mir, dass zwar der Schwerpunkt auf die Zeit von 1918 bis in die Gegenwart gelegt werden soll, aber unter Berücksichtigung der Zeit ab der Mitte des 19. Jahrhunderts. Der ambivalente und vielfach missbrauchte Begriff „Nation“ lässt sich nicht ohne einen solchen Rückgriff fassen, denn er spielte schon im revolutionären Geschehen des Jahres 1848 und in der folgenden politischen Entwicklung eine wesentliche Rolle.
Bei der unerfreulichen Diskussion über Österreich als behauptetem erstem Opfer des Nationalsozialismus wird folgendes zu bedenken sein: Einerseits war der Staat Österreich noch vor der Erlassung des „Anschlussgesetzes“ Ziel einer militärischen Aggression der deutschen Wehrmacht.
Anderseits hat ein heute nicht mehr quantifizierbarer, aber sicher sehr großer Teil der Bevölkerung diesen Vorgang lebhaft begrüßt. Nicht die ganze Bevölkerung aber war am Heldenplatz, meine Eltern und ich selbst (Jahrgang 1932) jedenfalls nicht.
„Für ganz entscheidend halte ich die Auseinandersetzung mit der Entstehung und Entwicklung der Demokratie.“
— Renate Anderl
Präsidentin der AK Wien und der Bundesarbeitskammer
„Die Geschichte lehrt dauernd, aber sie findet keine Schüler“, konstatierte die Schriftstellerin Ingeborg Bachmann. Damit aber genau das nicht geschieht, sondern es die Möglichkeit gibt, aus unserer Vergangenheit zu lernen, wurde das „Haus der Geschichte“ ins Leben gerufen. Hier sollen – ausgehend von der Gründung der demokratischen Republik 1918 – gesellschaftliche und politische Veränderungen thematisiert werden.
Für ganz entscheidend halte ich die Auseinandersetzung mit der Entstehung und Entwicklung der Demokratie. Das 20. Jahrhundert war geprägt von Umbrüchen und zwei Weltkriegen, die gezeigt haben, dass die Demokratie weder selbstverständlich noch unverrückbar ist, sondern hart erkämpft wurde – und auch heute immer wieder aufs Neue verteidigt werden muss. Die Umsetzung eines modernen Konzeptes zur Wissensvermittlung, halte ich für einen ganz wesentlichen Bestandteil politischer Bildung.
Ich freue mich schon sehr auf dieses wichtige zeitgeschichtliche Projekt und bin davon überzeugt, dass sich das Haus der Geschichte über einen regelrechten Besucher*innenansturm freuen wird.
„Um die Gegenwart zu begreifen und die Zukunft wirkungsvoll gestalten zu können, muss man über die Vergangenheit Bescheid wissen. Ein Haus über die wechselvolle Geschichte unseres Landes, das Verständnis und Bewusstsein über deren Verlauf vermittelt, ist dafür ein wichtiger Beitrag.“
— Dr. Hannes Androsch (1938-2024)
ehem. Bundesminister für Finanzen und Vizekanzler, Ehrensenator des Senats der Wirtschaft
„Es besteht jetzt die einmalige Chance, diesen historischen Ort, der bisher verschlossen und stumm geblieben ist, zu „besetzen“ und zu einem offenen Forum des Lernens, des Entdeckens, der Auseinandersetzung und der Selbstthematisierung aller Generationen, Bundesländer und Parteien zu machen.“
— Prof. Dr. Dr. h. c. Aleida Assmann
Kulturwissenschaftlerin, Preisträgerin Friedenspreis des Deutschen Buchhandels
Mit seinem geplanten Standort in der Neuen Burg, in den Räumen der Österreichischen Nationalbibliothek, füllt das HGÖ eine Lücke und verändert die symbolische Topographie der Stadt Wien. Das symbolische Zentrum des Heldenplatzes wird bislang von der Museumsachse dominiert. Die Touristengruppen von der Innenstadt kommend werden in die Wiener Hofburg durch die Hofreitschule und das Sissi-Museum geleitet und gelangen von dort weiter geradeaus in die Museumsmeile.
Diese Achse wird in Zukunft durch eine Geschichtsachse gekreuzt, die die neue Hofburg aus ihrer optischen Randständigkeit herausholt, und über den historisch wichtigen Balkon in Beziehung setzt zu den Landmarks aktueller Politik wie Parlament, Rathaus und Regierungssitz. Damit wird dem Heldenplatz eine geschichtliche und politische Dimension zurückgegeben. Die Bewohner der Stadt sowie die Touristen haben Gelegenheit, sich nicht nur an beliebten Mythen, Traditionen und Folklore zu erfreuen, sondern können sich nun auch über die Geschichte des Landes informieren und mit aktuellen Themen auseinandersetzen.
Es besteht jetzt die einmalige Chance, diesen historischen Ort, der bisher verschlossen und stumm geblieben ist, zu „besetzen“ und zu einem offenen Forum des Lernens, des Entdeckens, der Auseinandersetzung und der Selbstthematisierung aller Generationen, Bundesländer und Parteien zu machen. Das HGÖ könnte damit eine lange Phase der Geschichtsapathie überwinden. Ein solches Haus ist heute wichtiger denn je, wo die österreichische Geschichte zum Spielball interner Parteipolitik zu werden droht.
„Ich begrüße das Haus der Geschichte und sehe es als einen lebendigen Ort der Begegnung (..)“
— Karin Bergmann
ehem. Direktorin des Wiener Burgtheaters
Geschichte wird in Museen meistens mit Hilfe von Objekten erzählt. Ich begrüße das Haus der Geschichte und sehe es als einen lebendigen Ort der Begegnung, an dem historische, gesellschaftliche und kulturelle Identität aus der Kraft der Gegenwart und aus verschiedenen Perspektiven öffentlich diskutiert wird. Ein Diskurs über die geschichtlichen Prozesse, die Menschen in Österreich nachhaltig geprägt haben, könnte neue, aufschlussreiche Impulse für die Zukunft bringen.
„Wir müssen die Vergangenheit kennen, um die Gegenwart zu verstehen und die Zukunft konstruktiv gestalten zu können. Dazu braucht es einen Ort, an dem Geschichte kritisch diskutiert und wissenschaftlich fundiert beleuchtet wird.“
— Karl Blecha
Bundesminister a.D., ehem. Präsident des Pensionistenverbandes Österreichs (PVÖ), ehem. Präsident des Österreichischen Seniorenrates (ÖSR)
„Die Geschichte lehrt dauernd, aber sie findet keine Schüler.“ Weise Worte, vor langer Zeit gesprochen von der unvergleichlichen Ingeborg Bachmann. Worte, die die Relevanz des Hauses der Geschichte nicht treffender auf den Punkt bringen könnten. Wir müssen die Vergangenheit kennen, um die Gegenwart zu verstehen und die Zukunft konstruktiv gestalten zu können. Dazu braucht es einen Ort, an dem Geschichte kritisch diskutiert und wissenschaftlich fundiert beleuchtet wird. Das neue Haus der Geschichte soll das Zentrum dieses Diskurses sein. Ein Ort, an dem die ideologischen Scheuklappen fallen und eine offene, sachliche und kritische Auseinandersetzung mit allen Facetten der Geschichte unseres Landes – den hellen, aber auch den dunklen Kapiteln – erfolgen kann.
Das Haus der Geschichte wird ein Ort der Begegnung sein, ein „Tauschforum“ für Ideen und Zukunftsvisionen, ein Dialogzentrum, wo nach Antworten auf die großen gesellschaftspolitischen Fragen der Gegenwart und Zukunft gesucht wird. Es soll aber auch Jugendlichen, Kindern und kommenden Generationen die Geschichte Österreichs vermitteln. Vergangenes darf nicht vergessen werden, scheinbare historische „Fakten“ müssen immer wieder einer wissenschaftlichen Überprüfung unterzogen werden, damit sich die tatsächliche Wahrheit irgendwann offenbart. Das Haus der Geschichte soll seine Besucherinnen und Besucher animieren, noch aufmerksamer und kritischer zu werden. Die Auseinandersetzung mit dem Vergangenen soll mithelfen, die richtigen Lehren für die Gegenwart und Zukunft zu ziehen.
„Gerade in einer Zeit, in der die Gesellschaft mit Emotionen und Radikalismen konfrontiert ist, soll eine solche Institution ein wesentliches Merkmal für die politische Kultur sein, eine Mahnung für neue Wege eines österreichischen Selbstverständnisses.“
— Dr. Brigitte Bierlein (1949-2024)
Bundeskanzlerin a.D., ehem. Präsidentin des Verfassungsgerichtshofes
Es ist mehr als wertvoll, dass Österreich in einem „Haus der Geschichte“ seine jüngere historische Entwicklung, seine spezifischen, durch Diskontinuität oder Kontinuität geprägten Charakteristika wissenschaftlich und dennoch verständlich darstellt.
Das „Haus der Geschichte“ soll aber keinesfalls nur Symbol des Rückblicks und der Rückbesinnung sein, sondern darüber hinaus Impulse für den demokratischen Diskurs setzen und vor allem der jungen Generation Mut geben, die Zukunft Österreichs zu gestalten, indem grundsätzliche Perspektiven sichtbar gemacht werden, die für die künftige Entwicklung Österreichs in Europa und in der Welt von Bedeutung sind. Gerade in einer Zeit, in der die Gesellschaft mit Emotionen und Radikalismen konfrontiert ist, soll eine solche Institution ein wesentliches Merkmal für die politische Kultur sein, eine Mahnung für neue Wege eines österreichischen Selbstverständnisses. Bei der Gestaltung des innovativen Hauses sollte auch die Stimme der Zivilgesellschaft Berücksichtigung finden, soll es doch eine Einrichtung werden, die das Bewusstsein aller für demokratische Werte in Österreich stärkt.
Möge die Umsetzung des Projekts, das bei Professor Rathkolb und seinem Team in hervorragenden Händen liegt, unter Einbindung der Österreichischen Nationalbibliothek bestens gelingen!
„Das ‚Haus der Geschichte‘ in Wien wird sich damit auseinandersetzen, jedoch kann seine Lokalisierung in der spätgründerzeitlichen Neuen Burg an einem geschichtssymbolisch massiv aufgeladenen imperialen Ort eine riskante Vorgabe darstellen.“
— em. O. Univ.-Prof. Gerhard Botz
Institut für Zeitgeschichte, Universität Wien
Seit den 1990er Jahren hat sich weithin eine verstärkte Konjunktur von Musealisierung und Gedenken zu manifestieren begonnen. Darin mag man ein Brüchig-Werden von alten Selbstverständnissen auf nationalen und übernationalen Ebenen, Versuche zu einer weiteren europäischen „Integration“ oder Manifestierungen neuer Nationalismen erkennen. Das „Haus der Geschichte“ in Wien wird sich damit auseinandersetzen, jedoch kann seine Lokalisierung in der spätgründerzeitlichen Neuen Burg an einem geschichtssymbolisch massiv aufgeladenen imperialen Ort eine riskante Vorgabe darstellen.
Dagegen bietet es sich an, auf mittlerer Sicht einen den neuen „Inhalten“ des Museums gerechter werdenden Neubau auf dem noch freien Platz südwestlich des Äußeren Burgtors („Heldentors“) zu errichten und den von Klischees der Diktaturen des 20. Jahrhunderts belasteten „Heldenplatz“ in „PLATZ DER REPUBLIK“ umzubenennen.
„Die hellen und die dunklen Seiten der österreichischen Geschichte aufzuzeigen, muss die Funktion eines solchen Hauses sein. Nur wer weiß, woher er kommt, kann wissen und entscheiden, wohin die Zukunft führt.“
— Trautl Brandstaller (1939-2024)
Journalistin, Schriftstellerin und Fernsehredakteurin
In Zeiten der Globalisierung wäre es ein Fehler anzunehmen, dass sich historische, politische und kulturelle Traditionen nationalstaatlicher Art generell auflösen. Das Gegenteil ist notwendig: Weltoffenheit geht nur Hand in Hand mit nationaler Selbstvergewisserung.
Deshalb braucht Österreich heute mehr denn je und mehr denn manches andere Land ein Haus der Geschichte. Denn die Geschichte Österreichs weist mehr Brüche und Widersprüche auf als manches andere europäische Land, sie ist aber auch tiefer als die Geschichte anderer Länder am Entstehungs- und Entwicklungsprozess Europas beteiligt.
Die hellen und die dunklen Seiten der österreichischen Geschichte aufzuzeigen, muss die Funktion eines solchen Hauses sein. Nur wer weiß, woher er kommt, kann wissen und entscheiden, wohin die Zukunft führt.
Deshalb muss ein Haus der Geschichte notwendigerweise ein Forum der Diskussion und des Dialogs sein und damit zur Weiterentwicklung der Demokratie beitragen.
„Das genaue und selbstkritische Aufarbeiten der eigenen Geschichte wird vom sogenannten ‚Rest der Welt‘ als durchaus mutig und ehrlich gewertet.“
— Prof. Arik Brauer (1929-2021)
Maler, Grafiker, Bühnenbildner, Sänger und Dichter
Das Aufarbeiten der eigenen Geschichte mit all ihren Irrwegen und Verbrechen wird oft als „Nestbeschmutzung“ und Beschädigung der nationalen Würde empfunden. Es ist jedoch ein Irrtum zu glauben, dass unter dem Teppich gekehrte Ereignisse einfach verschwinden und vergessen werden können. Die Nationen kennen besonders gut alle negativen Taten der Nachbarvölker, geben dieses Wissen von Generation zu Generation weiter und weisen bei jeder passenden oder auch unpassenden Gelegenheit darauf hin. Das genaue und selbstkritische Aufarbeiten der eigenen Geschichte wird vom sogenannten „Rest der Welt“ als durchaus mutig und ehrlich gewertet. Eine gute und aktive Darstellung im Rahmen eines „Hauses der Geschichte“ wird uns nicht schaden, sondern internationale Hochachtung einbringen und auch beispielgebend wirken.
„Österreichs Umgang mit seiner Geschichte war weithin geprägt von Verdrängen oder Verklären. Aber Vergangenheit ist nie abgeschlossen.“
— Hon.-Prof. Dr. Michael Bünker
Theologe, ehem. Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich
Das „Haus der Geschichte“ wird dringend gebraucht. Österreichs Umgang mit seiner Geschichte war weithin geprägt von Verdrängen oder Verklären. Aber Vergangenheit ist nie abgeschlossen. Diese Einsicht hält die jüdische und christliche Tradition lebendig, in der „Erinnern“ und „Gedenken“ zentrale Anliegen sind. Keine rückwärtsgewandte Vergangenheitsverklärung oder museale Vergangenheitsentsorgung, sondern ein kritisches Sichten des Weges, immer neue Ausrichtung in den Herausforderungen der Gegenwart und Orientierung für die Zukunft. Das braucht die Gesellschaft als Ganze, insbesondere unter den heutigen Bedingungen der Globalisierung und Pluralisierung. Daher freut es mich, dass das „Haus der Geschichte“ realisiert wird. Es wird an einem bedeutungsvollen Ort ein Museum sein, das wissenschaftlichen Standards entspricht, und zugleich mehr als das. Nämlich ein Diskussionsforum, wo historische Fragestellungen ebenso Platz haben wie die Herausforderungen der Gegenwart. Damit leistet das „Haus der Geschichte“ einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung Österreichs und seiner demokratischen Werte.
„So sehr ich die Beteiligung der Österreichischen Nationalbibliothek begrüße, wäre es dennoch zweckmäßig, ein eigenes Gebäude zu schaffen.“
— Dr. Erhard Busek (1941-2022)
Vorstandsvorsitzender des Instituts für den Donauraum und Mitteleuropa
Allein schon die lange Diskussion über das „Haus der Geschichte Österreich“ macht es notwendig, bald zu einem Ende zu kommen. Es ist zweifellos auch notwendig, eine solche kulturpolitische Aktivität zu setzen, denn Österreich hat in Wien außer dem Museumsquartier in der Zweiten Republik eigentlich keine nennenswerte institutionelle Aktivität im Bereich der Kulturpolitik gesetzt.
So sehr ich die Beteiligung der Österreichischen Nationalbibliothek begrüße, wäre es dennoch zweckmäßig, ein eigenes Gebäude zu schaffen. Seit langer Zeit gibt es den Gedanken, das auf der Donauplatte zu tun, die seinerzeit für die Weltausstellung Wien-Budapest geschaffen wurde. Ich fürchte, dass das Ambiente der Hofburg eigentlich nicht geeignet ist und vor allem auch rein atmosphärisch keine moderne Perspektive eröffnet. Es wäre allerdings zweckmäßig, das besonders in den Vordergrund zu stellen, denn ein solches Haus der Geschichte muss der Zukunft dienen.
„Ja, wir brauchen ein Haus der Geschichte. Eine Gesellschaft und insbesondere die österreichische mit ihrer gemischten Zusammensetzung und ihrer von vielerlei Brüchen gekennzeichneten Geschichte muss sich die Frage stellen: Wer sind wir? Woher kommen wir? Wie sind wir geworden, was wir sind? – darauf kann und soll ein Haus der Geschichte eine differenzierte und einleuchtende Antwort geben.“
— Barbara Coudenhove-Kalergi
Journalistin
„Die Idee des „Haus der Geschichte Österreich“ soll eine intensive Auseinandersetzung mit der Geschichte Österreichs, mit Schwerpunkt ab 1918, gerade am geschichtsträchtigen Ort des Heldenplatzes ermöglichen. Zu lange ist über manche Jahre dieser Periode geschwiegen worden. Dies sollte auch Anlass zu einer umfassenden Neugestaltung der Gedenkstätten an diesem Ort sein, die auch dem heutigen gesellschaftlichen Verständnis entspricht. Nicht umsonst feiern wir erst seit wenigen Jahren dort den 8. Mai als „Tag der Freude“, als Tag der endgültigen Niederlage des Nationalsozialismus.“
— Oskar Deutsch
Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien
„Das Haus der Geschichte Österreich [soll] ‚auch ein aktives und offenes Diskussionsforum für zeithistorische Fragestellungen und Themen der Gegenwartsgeschichte sein und ist zu einer objektiven wissenschaftlichen Darstellung geschichtlicher Entwicklungen und Ereignisse verpflichtet.‘“
— Dr. Peter Diem
Medienwissenschaftler
Nach dem Willen des Gesetzgebers soll das Haus der Geschichte Österreich „auch ein aktives und offenes Diskussionsforum für zeithistorische Fragestellungen und Themen der Gegenwartsgeschichte sein und ist zu einer objektiven wissenschaftlichen Darstellung geschichtlicher Entwicklungen und Ereignisse verpflichtet.“
Zum Grundsätzlichen haben Kolleginnen und Kollegen schon sehr viel Richtiges und Wichtiges gesagt. Ich möchte das nicht wiederholen. Vielmehr hätte ich gerne ein paar praktische Anmerkungen gemacht:
Neben dem sozialpartnerschaftlich konstruierten Publikumsforum sollte möglichst bald ein privater Verein „Freunde des Hauses der Geschichte Österreich“ unter Mitwirkung prominenter Wirtschaftsreibender gegründet werden. Derartige Vereine haben sich bei anderen Kulturinstitutionen sehr bewährt.
Ich halte es für unabdingbar, zumindest einen kleinen Kinosaal/Videoraum einzurichten, denn erstens gibt es kein besseres Anschauungsmaterial als die vielen Filmdokumentationen seit Beginn des 20. Jahrhunderts, und zweitens wollen sich die Besucher auch einmal ein wenig hinsetzen.
Des Weiteren muss es auch ein Lernforum wie im NS-Dokumentationszentrum München mit einer Austriaca-Freihandbibliothek geben. Diese Bibliothek kann durch Bücherspenden seitens der Vereinsmitglieder ohne Mühe eingerichtet und durch Freiwillige administriert werden. Dagegen möge bitte nicht eingewendet werden, dass es „eh daneben die Nationalbibliothek gibt“.
„Zwischen Weltmuseum Wien und Haus der Geschichte sehe ich viele inhaltliche Überschneidungen. Und damit ein großes Potential für zukünftige Kooperationen. Uns beiden geht es um ein besseres Verständnis unserer Geschichte und unserer Kultur.
— Dr. Steven Engelsman
ehem. Direktor Weltmuseum Wien
Zwischen Weltmuseum Wien und Haus der Geschichte sehe ich viele inhaltliche Überschneidungen. Und damit ein großes Potential für zukünftige Kooperationen. Uns beiden geht es um ein besseres Verständnis unserer Geschichte und unserer Kultur.
Was aber bedeutet „unser“, in einer Metropole wo 40% der Einwohner einen Migrationshintergrund haben, nicht hier geboren sind, hier für kurze oder längere Zeit sich angesiedelt haben? Da gehört zu unserer Geschichte auch die Geschichte von Österreichs Beziehungen zur ganzen weiten Welt. Und gehören zu unserer Kultur auch die Kulturen, die in den Sammlungen des Weltmuseums Wien dokumentiert und vertreten sind. Das haben wir gemeinsam: es geht uns um Menschen, deren Geschichte und deren Kulturen. In Wien, in Österreich und in der ganzen weiten Welt.
„Das Haus der Geschichte will es sich zur Aufgabe machen, die österreichische Geschichte kritisch zu beleuchten.“
— o. Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Heinz W. Engl
ehem. Rektor der Universität Wien
Kritisch beleuchten – wissenschaftlich fundiert
Das Haus der Geschichte will es sich zur Aufgabe machen, die österreichische Geschichte kritisch zu beleuchten. Die Universität Wien mit ihrer historisch-kulturwissenschaftlichen Fakultät, die sich in Forschung und Lehre allen Epochen widmet, freut sich, wenn, auf ihre Expertise in vielfältiger Weise zurückgegriffen wird. Gerade im Zusammenhang mit der internationalen, europäischen Kontextualisierung, ist eine wissenschaftliche Herangehensweise unverzichtbare Grundlage. Die universitäre Schwerpunktsetzung im Bereich der Third-Mission, welche in den nächsten Jahren erfolgen wird, macht es sich insgesamt zum Ziel, Projekte zu realisieren bzw. sich an Projekten zu beteiligen, die die Leistungen der Universität direkt zur Beantwortung von gesellschaftlichen Fragestellungen einbringen. Im Zuge der Umsetzung des Hauses der Geschichte werden Studierende der Geschichtswissenschaften ihre Ideen in das Projekt einbringen können. Dies wird im Laufe der nächsten beiden Studienjahre zur Umsetzung kommen.
„Das ‚Haus der Geschichte Österreich‘, das verankert im Zentrum von Wien seinen Präsentationsort hat, lässt die Vergangenheit zur Gegenwart werden, und bringt die Widersprüche, die Kontroversen, die Errungenschaften der österreichischen Geschichte auf Grund des Forschungsauftrages in das Bewusstsein der Öffentlichkeit.“
— Valie Export (1940-2026)
Medienkünstlerin, Performancekünstlerin, Filmemacherin
Mit dem „Haus der Geschichte Österreich“ wird eine sehr wichtige wissenschaftliche Institution als Spiegel der österreichischen Geschichte aufgebaut.
Für mich ist die Intention dieser Institution wichtig, die prägenden, kulturellen, politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftspolitischen Auseinandersetzungen, die Dialoge, die Kontroversen innerhalb dieser vielfältigen Systembereiche zu analysieren, zu präzisieren und darzustellen, die differenten Identitätsbilder, Identitätsbildungen und -vorstellungen in ihrer Vielfältigkeit zu zeigen, zu erforschen und zu vermitteln.
Das „Haus der Geschichte Österreich“, das verankert im Zentrum von Wien seinen Präsentationsort hat, lässt die Vergangenheit zur Gegenwart werden, und bringt die Widersprüche, die Kontroversen, die Errungenschaften der österreichischen Geschichte auf Grund des Forschungsauftrages in das Bewusstsein der Öffentlichkeit, um auch Fragen und Antworten herauszufordern, zu provozieren. Das „Haus der Geschichte Österreich“ trägt auch die Verantwortung die österreichische Geschichte im internationalen historischen und kulturellen Kontext zu dokumentieren.
„An der Vergangenheit können wir nichts mehr ändern. An der Zukunft schon.“
— Dr. Heinz Fischer
Bundespräsident a.D.
Dass die Republik Österreich, die knapp vor ihrem 100. Geburtstag steht, noch kein Haus der Geschichte hat, ist traurig und unerfreulich. Dass die Arbeiten an einer solchen Institution in den letzten Jahren in Angriff genommen und mit Nachdruck vorangetrieben werden, ist vor diesem Hintergrund ein echter Lichtblick. Die Finanzierung eines solchen Vorhabens ist in Zeiten der Sparbudgets keine leichte Aufgabe, aber sie ist lösbar und muss gelöst werden.
Geschichte ist das, was bisher geschah. Und besonders die jüngere Geschichte ist von entscheidender Bedeutung für die Gegenwart und für die nähere Zukunft – also für das, was in einigen Jahren und Jahrzehnten Geschichte sein wird.
An der Vergangenheit können wir nichts mehr ändern. An der Zukunft schon. Und was uns hilft auf die Zukunft in vernünftiger und humaner Weise Einfluss zu nehmen ist die Kenntnis der Vergangenheit. Daher bin ich ein „Überzeugungstäter“, wenn ich sage: Wir müssen uns mit der Geschichte beschäftigen. Wir müssen aus der Geschichte lernen. Und wir brauchen ein Haus der Geschichte.
Ich bin zuversichtlich, dass die Zeit, wo die Republik Österreich über kein Haus der Geschichte verfügt, bald der Vergangenheit angehört.
„Gerade auf dem zentralen und historisch bedeutsamen Heldenplatz einen Wissens- und Begegnungsraum zu schaffen, ist ein schlüssiges Konzept (…)“
— Dr. Franz Fischler
ehem. Präsident des Europäischen Forums Alpbach
Ein Haus der Geschichte bietet die historische Chance, einen in Österreich einzigartigen Diskursort über zentrale gesellschaftliche Fragen der Geschichte, Gegenwart und Zukunft zu bieten. Es kann ein Magnet für alle Österreicherinnen und Österreicher genauso sein wie für die Gäste unseres Landes.
Intellektuell und sinnlich gut aufbereitete Informationen zu vermitteln, wird zu kritischen Reflexionen anregen. Gerade auf dem zentralen und historisch bedeutsamen Heldenplatz einen Wissens- und Begegnungsraum zu schaffen, ist ein schlüssiges Konzept, um Österreichs Rolle für die demokratische Zukunft Europas auf breiter Basis zu behandeln. Ich unterstütze daher dieses Dialogprojekt.
„Geschichte ist dazu da, um aus ihr zu lernen und anschließend bessere Entscheidungen in der Gegenwart für eine friedliche Zukunft zu treffen.“
— Erich Foglar
ehem. Präsident des Österreichischen Gewerkschaftsbundes
Die österreichische Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts war geprägt von großen Errungenschaften und furchtbaren Verbrechen. Insbesondere in den letzten hundert Jahren hat Österreich zahlreiche tiefgreifende Veränderungen durchlebt: Von der Monarchie zur Ersten Republik, vom Austrofaschismus und Nationalsozialismus zur Zweiten Republik und Mitgliedschaft in der Europäischen Union. Geschichte ist dazu da, um aus ihr zu lernen und anschließend bessere Entscheidungen in der Gegenwart für eine friedliche Zukunft zu treffen.
Das Haus der Geschichte soll den Licht- und Schattenseiten der österreichischen Vergangenheit seit Mitte des 19. Jahrhunderts Raum geben und allen interessierten Mitbürgerinnen und Mitbürgern die Möglichkeit eröffnen, sich kritisch mit der jüngeren Geschichte Österreichs auseinanderzusetzen und ihre Bedeutung für die Gegenwart und Zukunft Österreichs zu verstehen.
Eine bedeutende Rolle in dieser bewegten Vergangenheit hat die österreichische ArbeitnehmerInnen-Bewegung eingenommen. So ist es nicht zuletzt den vielen engagierten Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern aus den unterschiedlichen politischen Richtungen zu verdanken, dass wir im Jahre 2016 eine lebendige Demokratie, einen funktionierenden Sozialstaat und einen hohen gesellschaftlichen Wohlstand haben. Mit dem österreichischen Modell der Sozialpartnerschaft ist es nach 1945 gelungen, wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt im Einklang zu entwickeln und sozialen Frieden zu sichern.
Namens des Österreichischen Gewerkschaftsbundes danke ich Prof. DDr. Oliver Rathkolb und seinem Team, dem internationalen wissenschaftlichen Beirat sowie allen bei der Planung und Umsetzung beteiligten politisch Verantwortlichen ausdrücklich für Ihr Engagement.
Möge das Haus der Geschichte insbesondere für junge Menschen ein Ort der Begegnung und des Lernens und Verstehens sein!
„Das Haus der Geschichte wird gebraucht – als Bekenntnis zum antifaschistischen Grundkonsens unserer Republik (…)“
— Dr. Elisabeth Freismuth
Juristin, ehem. Rektorin der Kunstuniversität Graz
Hofburg und Heldenplatz sind Orte, denen Geschichte eingeschrieben ist. Dazu hat sich die Republik zu verhalten. Und eben dazu kann und soll ein Haus der Geschichte seinen Beitrag leisten, wenn es sich aus- und nachdrücklich der Wachsamkeit verpflichtet – und dem kritischen Blick: nicht nur auf die dunkelsten Stellen unserer Vergangenheit, sondern auch auf deren ideologisches Erbe, das in die Gegenwart hineinwirkt.
Vor genau 30 Jahren hat Thomas Bernhard mit seinem „Heldenplatz“ das beredte Schweigen, das diese Orte lange genug umgab, auf die Bühne gestemmt. Der lautstarke Protest aus den Logen findet bis heute Widerhall. Das Haus der Geschichte wird gebraucht – als Bekenntnis zum antifaschistischen Grundkonsens unserer Republik, bevor dieser als vermeintliche „Gesinnungsfrage“ im Abseits der Zeitgeschichte verräumt wird.
„Eine Gesellschaft braucht Orte, an denen Auseinandersetzungen über die Vergangenheit ausgetragen werden, um besser über die Zukunft streiten zu können!“
— Mag. Martin Fritz
Kurator und Publizist
„Wir brauchen ein Haus der Geschichte, weil die Demokratie kein Himmelsgeschenk ist und die Diktatur kein Naturverhängnis.“
— Mag. Dr. h.c. Karl-Markus Gauß
Schriftsteller und Herausgeber der Zeitschrift „Literatur und Kritik“
Allzu oft wird Österreich nur entweder verklärt oder verdammt. Es kommt aber darauf an, es zu entdecken. Ein solcher Raum, in dem wir uns selbst und unsere Geschichte in ihren Widersprüchen entdecken können, möge das „Haus der Geschichte Österreich“ werden. Zur österreichischen Geschichte gehört die Verstrickung in Verbrechen, die lange geleugnet wurde und über deren Vorgeschichte(n) bis heute noch immer kein Konsens in der Nation besteht.
Zur österreichischen Geschichte gehören für mich aber auch Revolten, die niedergeschlagen wurden, und widerständige Traditionen, die bis heute totgeschwiegen und so um ihre fortwirkende Kraft gebracht werden. Wir brauchen ein Haus der Geschichte, weil die Demokratie kein Himmelsgeschenk ist und die Diktatur kein Naturverhängnis, sondern es von uns abhängt, wofür wir uns aus der Kenntnis unserer Vergangenheit heute und morgen entscheiden.
„Großartig finde ich als ehemaliger KZ-Häftling, dass im kommenden Haus der Geschichte Österreich klar dargestellt wird, dass ein Drittel der österreichischen Juden und Jüdinnen ermordet wurde und auch sehr viele Roma und Sinti ermordet wurden. Ich hatte einmal eine große Familie, ich habe sie nicht mehr – 19 Mitglieder meiner Familie wurden ermordet. Abschließend möchte ich sagen – nicht alle Opfer waren Juden oder Roma, aber alle Juden und Roma waren Opfer!“
— Prof. Rudolf Gelbard (1930-2018)
Zeitzeuge
„Wir sollen, ja, wir müssen zurückblicken, um uns unserer Herkunft bewusst zu werden, um zu verstehen, wer wir sind und warum.“
— Mag. Bettina Glatz-Kremsner
ehem. Generaldirektorin Casinos Austria und Vorstandsvorsitzende der Österreichische Lotterien
„Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten“, sagte einst der deutsche Politiker August Bebel. Ein Satz, ersonnen vor über 100 Jahren, der bis heute nichts an Wahrheit und Weisheit eingebüßt hat. Wir sollen, ja, wir müssen zurückblicken, um uns unserer Herkunft bewusst zu werden, um zu verstehen, wer wir sind und warum. Das gilt für jeden einzelnen Menschen persönlich ebenso wie für ein Land, zumal eines, das auf eine bewegte Geschichte zurückblickt wie Österreich. Eine Geschichte, die auch viele dunkle Kapitel enthält, die manche, aus unterschiedlichsten Motiven vergessen machen oder uminterpretieren wollen. Damit diese Geschichte lebendig und bewegend bleibt und wir selbst, vor allem aber auch unsere Nachfahren sie wahrnehmen können, muss ihr ein zentraler Platz eingeräumt werden. Das Haus der Geschichte tut genau dies, und dafür sei den Initiatoren herzlich gedankt. Wir unterstützen dieses gesellschaftspolitisch wichtige Anliegen und wünschen dem Haus der Geschichte eine Zukunft, in der es gelingt, die Vergangenheit begreifbar und deren Deutung nicht dem Zufall zu überlassen.
„Wissen um die eigene Vergangenheit ist Voraussetzung für verantwortungsvolles Leben und Engagement in der Demokratie.“
— Univ. Prof. DDr. Dr. h.c. Christoph Grabenwarter
Präsident des österreichischen Verfassungsgerichtshofes
„Wissen um die eigene Vergangenheit ist Voraussetzung für verantwortungsvolles Leben und Engagement in der Demokratie. Auch wenn vieles an Wissen heute aus dem Internet bezogen werden kann, bedarf es gerade für die jüngeren Generationen realer Orte, um dieses Wissen auch erfahrbar zu machen. Von seinem Auftrag her soll das Haus der Geschichte ein solcher zentraler Ort der Geschichtserfahrung sein. Es ist dem Haus der Geschichte Österreichs und seinem Team zu wünschen, dass es diesen Auftrag unter bestmöglichen Rahmenbedingungen erfüllen kann.“
„Ich freue mich, dass nach langen Diskussionen ein Haus der Geschichte Österreichs endlich seine Türen öffnen kann.“
— Univ.-Prof. Dr. Marcus Gräser
Institutsvorstand und Professor für Neuere Geschichte und Zeitgeschichte, Johannes Kepler Universität Linz
„Historisches Wissen ist in einer lebendigen Demokratie notwendig. Die Vergangenheit und ihre Deutung bilden den Kontext, in dem Staatsbürgerinnen und Staatsbürger ihre Entscheidungen treffen. Im Museum wird dieses historische Wissen anschaulich – im wahrsten Sinne des Wortes -, hier stoßen Forschung, Objekte und Publikum vermittelt aufeinander. Ich freue mich, dass nach langen Diskussionen ein Haus der Geschichte Österreichs endlich seine Türen öffnen kann. Für die Historikerinnen und Historiker an Österreichs Universitäten werden Monika Sommer und ihr Team wichtige Partnerinnen und Partner sein.“
„Das Haus der Geschichte Österreich positioniert sich in seiner Grundsatzerklärung als aktives und offenes Diskussionsforum zur österreichischen Geschichte und zu Fragen der Gegenwart.“
— Andreas Großbauer
Mitglied der Wiener Philharmoniker
„Das Haus der Geschichte Österreich positioniert sich in seiner Grundsatzerklärung als aktives und offenes Diskussionsforum zur österreichischen Geschichte und zu Fragen der Gegenwart. Ein Teilbereich dieser Geschichte wird der österreichischen Kultur gewidmet sein, und über die Geschichte der Wiener und Österreichischen Kultur zu reflektieren, heißt auch die Geschichte der Wiener Philharmoniker mit zu bedenken.
Die Gründung unseres Orchesters 1842 legte den Grundstein für die Doppelheit des organisatorischen wie künstlerischen Selbstverständnisses. Sie schuf das Modell eines Orchesters, das auf demokratischer Selbstbestimmung und unternehmerischer Eigenverantwortlichkeit beruht und auch im Dienste eines mehrheitlich vom Staat getragenen Opernhauses steht. Zu dem gesellte sich der hohe künstlerische Anspruch des Orchesters, wie es einer der Gründerväter, Otto Nicolai, zum Ausdruck brachte: „mit den besten Kräften, das Beste auf die beste Weise zur Aufführung zu bringen“. Diese beiden Zielvorgaben sind die Voraussetzung, dass die Wiener Philharmoniker im Kulturleben des Landes und weit darüber hinaus bis heute eine bedeutende Rolle spielen.
Durch die exponierte Stellung in der Öffentlichkeit und als „kulturelles Aushängeschild“ des offiziellen Österreich war das Orchester gerade in den Zeiten politischer und gesellschaftlicher Umbrüche in besonderer Weise involviert. Nach Zeiten der katastrophalen und menschenverachtenden Einwirkung von Kriegsereignissen und autoritären Regimen wie des Nationalsozialismus auf das Orchester und seine Mitglieder kam es zu einer Neubesinnung und zu Neupositionierungen. Diesen Weg kritisch zu reflektieren und neue Sichtweisen für die zukünftige kulturelle Tätigkeit zu entwickeln, ist ein zentrales Anliegen des Orchesters. Durch die Errichtung des Hauses der Geschichte Österreich wird ein längst fälliger Dialog eröffnet, der eine profunde historisch-kritische Durchleuchtung der Geschichte der kulturellen Institution im Einzelnen und der österreichischen Kulturtradition im Ganzen ermöglicht. Dieser Dialog ist ein notwendiger und unverzichtbarer Beitrag zur Definition der Rolle der Kunst in einer demokratischen und weltoffenen Gesellschaft.“
„Eine demokratische Gesellschaft, die ihre eigene Geschichte ignoriert und sich nicht damit auseinandersetzt, läuft Gefahr, diese wichtige Errungenschaft aufs Spiel zu setzen.“
— ao. Univ.-Prof. Dr. Sylvia Hahn
ehem. Vizerektorin für Internationale Beziehungen und Kommunikation, Universität Salzburg
„Eine demokratische Gesellschaft, die ihre eigene Geschichte ignoriert und sich nicht damit auseinandersetzt, läuft Gefahr, diese wichtige Errungenschaft aufs Spiel zu setzen. Denn das Wissen über die eigene Vergangenheit ist ein essenzieller Bestandteil um politische Entwicklungen und Dynamiken verstehen und die Stabilität der Demokratie sichern zu können. Es ist dringend notwendig, die Geschichte Österreichs mit allen ihren Höhen und Tiefen, mit ihrer breiten kulturellen und gesellschaftlichen historischen Vielfalt und ohne jegliche Mythenbildungen in einem Museum darzustellen. Dieser Ort kann und soll ein Integrationsort für alle in diesem Land lebenden Menschen ohne Unterschied ihrer sozialen und regionalen Herkunft sein. Daher ist ein Haus der Geschichte für Österreich eine wichtige und wertvolle Investition in die Zukunft unseres Landes.“
„In letzter Zeit kommt zur Unwissenheit eine gezielte Abwertung demokratischer Errungenschaften und Erfordernisse durch radikale rechte Kräfte. Aufklärungsarbeit ist dringend notwendig.“
— Elfriede Hammerl
Journalistin, Schriftstellerin und Mitinitiatorin für das österreichische Frauenvolksbegehren
„Die Kenntnis der neueren österreichischen Geschichte ist hierzulande immer noch unterentwickelt. Nach wie vor mogelt sich das öffentliche Bewusstsein über kritische Perioden hinweg, blendet aus, was schon in den Familien ungern besprochen wurde, und beruft sich in puncto nationale Identität auf unverfängliche Ahnen wie Walzerkönige und Schifahrerlegenden. In letzter Zeit kommt zur Unwissenheit eine gezielte Abwertung demokratischer Errungenschaften und Erfordernisse durch radikale rechte Kräfte. Aufklärungsarbeit ist dringend notwendig. Ich hoffe sehr, dass es dem „Haus der Geschichte“ gelingt, einer breiteren Öffentlichkeit, vor allem vielen jungen Menschen, historische Zusammenhänge begreiflich zu machen und zur Festigung von Demokratie und Rechtsstaat beizutragen.“
„(…) und obwohl meine Tochter Museen liebt und stundenlang darin verbringen kann, gab es bisher keines, in dem sie die Geschichte des letzten Jahrhunderts erleben konnte.“
— Petra Hartlieb
Gründerin und Inhaberin der Buchhandlung Hartliebs Bücher
„Als ich Kind war, war ich von den Erzählungen meiner Oma gefesselt: Vom Krieg, den Bomben, den Hamsterfahrten ins Mühlviertel, aber auch, dass unterm Hitler schon alles ordentlicher war und vor allem hatte jeder Arbeit.
Auch von den Geschichten der anderen Oma, wie sie mit dem Baby vor den Russen geflohen ist und dass mein Opa, den ich nie gekannt habe, es immer schon gewusst hat, und ein Illegaler war.
Und als Studentin war ich das erste Mal in Auschwitz, und sie erzählten sie uns die Geschichte, von Österreich als erstes Opfer der Nationalsozialisten. Und ich habe nicht in den 70er Jahren studiert.
Dass meine Kinder mehr über diese Zeit wissen, ist letztendlich der Literatur, der Filmproduktion und engagierten Lehrer*innen zu verdanken und obwohl meine Tochter Museen liebt und stundenlang darin verbringen kann, gab es bisher keines, in dem sie die Geschichte des letzten Jahrhunderts erleben konnte. Man kann sich alte Tonscherben, viel Kunst, Sisi und Schönbrunn und spannende Ausstellungen, wie etwa die im Wien Museum anschauen, doch wer sich wirklich mit der wechselvollen und nicht immer ruhmreichen Geschichte unseres Landes fernab vom Operettenkitsch beschäftigen will, hatte bis jetzt keine wirkliche Anlaufstelle. Das ändert sich hoffentlich mit dem Haus der Geschichte.“
„In der Gegenwart aus dem Wissen der eigenen jüngsten Vergangenheit Erkenntnisse für die Zukunft zu gewinnen, ist die Voraussetzung (…)“
— Univ.-Prof. Dr. Edeltraud Hanappi-Egger
Universitätsprofessorin für "Gender & Diversity in Organizations" an der WU Wien, ehem. Rektorin der Wirtschaftsuniversität Wien
„In der Gegenwart aus dem Wissen der eigenen jüngsten Vergangenheit Erkenntnisse für die Zukunft zu gewinnen, ist die Voraussetzung, um diese positiv zu gestalten. Dabei ist es trotz oder vielleicht gerade wegen der unüberschaubaren Informationsmengen im Internet notwendig, verschiedene geschichtliche Kontexte professionell aufzuarbeiten und zusammenzuführen. Neue, zeitgerechte Formen der Wissensvermittlung, Zugang zu einem Ort der kritischen Reflexion und regen Austausch – all das bietet das Haus der Geschichte.“
„(…) wir lernen, dass die ultima ratio der Vernunft nicht die Guillotine sein darf, sondern das Kunstwerk und das Bürgerliche Gesetzbuch.“
— Xenia Hausner
Malerin
„Künstler nehmen seit je ihre Gegenwart sinnlich unmittelbar wahr und legen damit Zeitzeugenschaft ab. Großen Künstlern gelingt es immer wieder, obwohl sie präzise Diagnosen der Verkommenheit ihrer Zeit in deprimierenden Momentaufnahmen liefern, dennoch mit ihrem Werk, allein schon dadurch, weil es widersinnig entstanden ist, der Resignation zu widersprechen. Dieses tröstende Paradox ist in den Museen zu besichtigen – wir lernen, dass die ultima ratio der Vernunft nicht die Guillotine sein darf, sondern das Kunstwerk und das Bürgerliche Gesetzbuch.“
„Österreich, ein Land in dem allzu viele notorisch unfähig oder unwillig sind Lehren aus unserer bitteren Geschichte zu ziehen (…)“
— André Heller
Künstler
„Österreich, ein Land in dem allzu viele notorisch unfähig oder unwillig sind Lehren aus unserer bitteren Geschichte zu ziehen, braucht aus politischen und sozialen Hygienegründen einen wissenschaftlich fundierten, faszinierenden Ort für Menschen aller Alters- und Ausbildungsgrade, an dem geschichtliche Entwicklungen, deren logische Zusammenhänge, Ursachen und Folgen, so nachvollzogen werden können, dass sich Besucher aus eklatanten Selbstbeschädigungsdenken und Unsinns- Haltungen verabschieden können.“
„Wer seine Geschichte nicht kennt, hat keine Zukunft (…)“
— Prof. Dr. Clemens Hellsberg
Violinist, ehem. Vorstand der Wiener Philharmoniker
„In einer Gesellschaft, die in erschreckend zunehmendem Maße Ausbildung mit Bildung verwechselt, kann nicht genug für die umfassende Kenntnis von Geschichte getan werden, eröffnet doch die auf ihr basierende Erkenntnis von historischen Zusammenhängen die Möglichkeit, Fehlentwicklungen rechtzeitig zu begegnen und dadurch Menschheitskatastrophen zu vermeiden. Wer seine Geschichte nicht kennt, hat keine Zukunft: Ich vertraue darauf, dass das Team um Oliver Rathkolb mit dem „Haus der Geschichte“ diesem zutiefst moralischen Anspruch, den kommende Generationen uns gegenüber haben, gerecht wird!“
„Der, wenn auch noch bescheidene Anfang ist gemacht, die Hoffnung aufrecht zu halten, dass dieses Land, immer wieder herumstolpernd zwischen A.E.I.O.U, Glaubt an dieses Österreich! und Pummerin statt Muezzin! zum aufrechten Gang findet: aus der Geschichte in die Geschichte.“
— Miguel Herz-Kestranek
Schauspieler und Autor
„Gerade in Zeiten der Globalisierung und der multikulturellen Gesellschaft kommt der Kenntnis der geschichtlichen Umstände und Prägungen des eigenen Landes, aber auch fremder Völker eine immer größere Bedeutung zu.“
— Senator e.h. KommR Ing. Wolfgang Hesoun
Vizepräsident der Wirtschaftskammer Österreich
„Ereignisse der Vergangenheit bestimmen die Gegenwart – oftmals sogar über Jahrhunderte hinweg. Gerade in Zeiten der Globalisierung und der multikulturellen Gesellschaft kommt der Kenntnis der geschichtlichen Umstände und Prägungen des eigenen Landes, aber auch fremder Völker eine immer größere Bedeutung zu. Die Realisierung des „Hauses der Geschichte Österreich“ birgt die Chance einer zeitgemäßen, kritisch-reflektierenden Darstellung der neueren Geschichte Österreichs. Gleichzeitig bietet es aber auch die Gelegenheit, die Situation unseres Landes aus globaler Perspektive aktuell zu bewerten. Österreich braucht einen Ort der Bildung und des lebendigen Gedankenaustausches, der auch einen möglichst breiten Ausschnitt von Wissenschaftsdisziplinen, Bevölkerungsschichten und Generationen einbezieht. Ich wünsche den Initiatoren und dem Beirat viel Erfolg in der Umsetzung dieses Projektes und sehe schon jetzt der Eröffnung des „Hauses der Geschichte Österreich“ mit großer Freude entgegen.“
„Anders als es die Nationalmuseen des 19. Jahrhunderts getan haben, wird in modernen Geschichtsmuseen heute die Vergangenheit nicht mehr als Goldenes Zeitalter vermittelt, sondern Multiperspektivität macht den Besuchern deutlich, dass es nicht nur ein Geschichtsbild gibt.“
— Prof. Dr. Hans-Martin Hinz
ehem. Präsident des International Council of Museums (ICOM)
„Zur Errichtung eines Hauses der Geschichte der Republik Österreich darf man Regierung, Parlament, Museumsexperten und Historiker herzlich gratulieren. Was lange währt wird gut!
Angebote zu unterbreiten, sich seiner Vergangenheit gerade 100 Jahre nach der Errichtung der Republik zu vergewissern, stellt eine große Herausforderung dar. Anders als es die Nationalmuseen des 19. Jahrhunderts getan haben, wird in modernen Geschichtsmuseen heute die Vergangenheit nicht mehr als Goldenes Zeitalter vermittelt, sondern Multiperspektivität macht den Besuchern deutlich, dass es nicht nur ein Geschichtsbild gibt. Die Menschen möchten unterschiedliche Sichtweisen erfahren, um andere Standpunkt kennenzulernen, zu vergleichen und sich ein eigenes Urteil bilden. In vielen Ländern hat sich diese Konzeption als Erfolg erwiesen, die Besucherzahlen belegen es. In Österreich wird es ebenso gelingen.
Die Internationalisierung des Alltagslebens und die Globalisierung der Märkte sowie der Kommunikation wird es erforderlich machen, neben der innenpolitischen Entwicklung des Landes auch Österreichs internationale Rolle im Haus der Geschichte herauszustellen, damit die Sicht der Anderen in Geschichte und Gegenwart deutlich wird, was das Verständnis für historische Prozesse und künftige gesellschaftliche und politische, eben auch internationale Entwicklungen stärken wird.“
„Sehr freue ich mich, dass die „unendliche Geschichte“ des „Hauses der Geschichte“ nun doch ein gutes Ergebnis bringen kann.“
— Prof. Herwig Hösele
Koordinator der Unabhängigen Opferschutzanwaltschaft, Vorsitzender des Kuratoriums des Zukunftsfonds der Republik Österreich und Vorsitzender des Universitätsrates der Kunstuniversität Graz
„Sehr freue ich mich, dass die „unendliche Geschichte“ des „Hauses der Geschichte“ nun doch ein gutes Ergebnis bringen kann. Ich halte den geschichtsaufgeladenen Ort Heldenplatz für eine gute Wahl genauso wie die Anbindung an die von Generaldirektorin Rachinger exzellent geführte Nationalbibliothek. Nicht ganz glücklich bin ich mit dem Begriff „Haus der Geschichte“, „Haus der Zeitgeschichte“ oder „Haus der Republik“ wäre mir lieber. Jedenfalls wünsche ich mir, dass differenzierte Präsentationen ohne platte Instrumentalisierung (und ich gehe davon aus, dass Oliver Rathkolb und die renommierten nationalen und internationalen ExpertInnen dafür bürgen) viele Denkanstöße für möglichst viele vor allem junge Menschen geben werden.“
„Hoffnung macht, dass das „Haus der Geschichte Österreich“ sich nicht als Museum verstehen will – obwohl es das auch sein wird und sein muss -, sondern als Ort des Dialogs, der Auseinandersetzung, des Streits.“
— Dr. Peter Huemer
Publizist, Journalist und Historiker
„Soll das Geschichtsmuseum der Zukunft ein realer Ort sein mit realen Objekten, oder soll es virtuell sein, ein ständig auf den neuesten Stand gebrachtes Informationssystem im Netz? Das war Diskussion im Institut für Zeitgeschichte und es ist erfreulich, dass die Entscheidung für den realen Ort gefallen ist. Menschen wollen Geschichte „begreifen“ – auch wenn Glasscheiben dazwischen sind.
Zum Standort: einiges spricht dafür, einiges dagegen. Aber irgendwann musste entschieden werden. An den Gestaltern des Museums liegt es nun, uns zu überzeugen, dass die Entscheidung für diesen Ort richtig war.
Hoffnung macht, dass das „Haus der Geschichte Österreich“ sich nicht als Museum verstehen will – obwohl es das auch sein wird und sein muss -, sondern als Ort des Dialogs, der Auseinandersetzung, des Streits. Zu streiten wird es genügend geben, wiewohl unser historisches Gedächtnis seit dem Streit um Waldheim einen Sprung nach vorn gemacht hat.
Und zuletzt: Österreich ist eine junge Nation. Das Nation Building fand in den Jahrzehnten nach 1945 statt. Das erhöht die Gefahr des Chauvinismus: „Österreich den Österreichern“, „Daham statt Islam“ und ähnliches. Dem Haus der Geschichte Österreich wird gegen diesen Schmutz eine große aufklärende Bedeutung zukommen. In diesem Sinne die besten Wünsche!“
„Mit dem Haus der Geschichte Österreich entsteht jetzt im Zentrum Wiens ein Ort der kritischen Auseinandersetzung mit der jüngeren Geschichte des Landes.“
— Prof. Dr. Hans Walter Hütter
Historiker, ehem. Präsident der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
„Als Jurist erhoffe ich vom „Haus der Geschichte Österreich“, dessen Gründung ich sehr begrüße, dass auch die verfassungshistorischen Zusammenhänge – dem Museumskonzept entsprechend – aufbereitet werden.“
— Univ.-Prof. Dr. Clemens Jabloner
Leitung der Forschungsstelle Hans Kelsen und sein Kreis, Universität Wien
„Die österreichische Verfassungsgeschichte ist von wiederholten Diskontinuitäten geprägt. Mehr noch, die jeweils neuen Verfassungen kamen kaum je vor der Aussicht auf eine nun herankommende freudig begrüßte Zukunft, sondern stets vor den Ruinen real und ideell zusammengebrochener Reiche zustande: So 1804 die Entstehung des Kaisertums Österreich angesichts des Verfalls des Hl. Römischen Reichs und der Selbsterhebung Napoleons zum Kaiser der Franzosen, so 1867 die Dezember-Verfassung vor dem Hintergrund von Königgrätz, so die Bundesverfassung von 1918/1920 nach dem Zusammenbruch der Monarchie und schließlich 1945 die Unabhängigkeitserklärung nach der Katastrophe des Nationalsozialismus. Im Kontrast zu den jeweils negativen Anlässen steht freilich, dass die so entstandenen Verfassungen legistisch klug gefertigt und durchaus zukunftsgerichtet waren: Denken wir an die Befestigung der Staatlichkeit Österreichs, an die Dezember-Verfassung mit den Grundrechten und rechtsstaatlichen Garantien, an die innovative republikanische Verfassung – und schließlich an die kluge Entscheidung, es 1945 nicht auf eine Verfassungsdiskussion ankommen zu lassen.
Als Jurist erhoffe ich vom „Haus der Geschichte Österreich“, dessen Gründung ich sehr begrüße, dass auch die verfassungshistorischen Zusammenhänge – dem Museumskonzept entsprechend – aufbereitet werden. Zweifellos wird dies bestens gelingen.“
„This new museum will not only provide a crucial re-evaluation of Austria’s role in World War II, but it will also be a very important step revitalizing the Jewish Community. I support the House of Austrian History with enormous enthusiasm.“
— Prof. Dr. Eric Kandel
Neurowissenschaftler, Nobelpreisträger
„It is with great enthusiasm and a full appreciation of its importance that I join the efforts to establish a House of Austrian History with a special emphasis on the Hitler period and its amnestic consequences for Austrian consciousness in the several decades after the end of World War II. I am all the more pleased that the future museum will include the terrace facing the Heldenplatz where Adolf Hitler declared the „Anschluss“ in 1938.
I was in Vienna on March 13th when Hitler came into Vienna, and my brother and I heard on our shortwave radio the enormous enthusiasm with which Hitler was received by the more than 200,000 cheering Viennese. I share the view that the museum should reopen this terrace and turn it into a place of critical remembrance of Austria’s role in the Holocaust and of the contribution that the Austrian Jewish community has made historically to Austria’s medical, scientific and cultural achievements.
Let me simply put the recent history of the Austrian Amnesia into a bit of a historical perspective. As we all remember, from the end of the war in 1945 until July 8, 1991, Austria considered itself Hitler’s first victim. Since then four events have occurred that have gradually brought a realistic perspective to modern Austrian history.
First, on July 8, 1991, Franz Vranitzky, the chancellor of Austria, addressed Parliament and for the first time acknowledged a share of the responsibility, not simply by Austria as a State but by the citizens of Austria, for their role in World War II and the Holocaust. This departed officially, for the first time, from the portrayal of Austria as Hitler’s first victim.
Second, in April 2006, Heinz Fischer, the President of Austria, became the country’s first Head of State to admit that a large number of Austrians actually welcomed Adolf Hitler with open arms when the dictator annexed the country. Heinz Fischer said a „not inconsiderable portion of the population greeted the Anschluss in 1938 with euphoria.“ Heinz Fischer further pointed out that the Declaration of Independence of 1955 covered these events and tried to establish a picture, which unfortunately is still accepted by many, that Austria was a victim, and played no role in the Holocaust. As Fischer pointed out, „I find the version of history which it presents very problematic. It is full of clichés that for decades stood in the way of an honest appraisal of what happened in Austria and why it happened.“ Heinz Fischer, whom I greatly admire, also regretted that Austria had not reached out at the end of the war to Jews who had fled because of the Anschluss. About 65,000 Austrian Jews were deported and murdered and an equal number, if not more, fled to escape from Austria.
Third, in September 2012, as a result of an effort by the University of Vienna, led importantly by Oliver Rathkolb, the name of the Lueger Ring was changed to University Ring. Hitler had written in Mein Kampf that he had learned more from Lueger’s anti-semitic rhetoric on how to run an election campaign than from anyone else.
Fourth, the current effort, which will prove the most important effort of all, is your attempt to establish a House of Austrian History. We will now be in a position to recall that period with integrity and to bring Austria’s past history in line with truth and in preparation for an honest future filled with a sense of moral obligation to Jews, Gypsies, and to other minorities that were persecuted.
I would hope that this museum would not only recognize the contribution of the Jewish Community to Austria’s cultural life but also encourage some Jews to possibly settle in Austria once again. In March 1938, Vienna had 200,000 Jews. Now it has about 10,000. I would hope that an honest confrontation with the past would encourage some Jews to consider settling in Austria.
This new museum will not only provide a crucial re-evaluation of Austria’s role in World War II, but it will also be a very important step revitalizing the Jewish Community. I support the House of Austrian History with enormous enthusiasm.“
„Die Geschichte Österreichs ist auch die Geschichte der Heimatvertriebenen aus den Gebieten der ehemaligen Donaumonarchie und so freut es uns, dass das Haus der Geschichte auch „unseren“ Volksgruppen Aufmerksamkeit schenken und die dramatischen Ereignisse der unmittelbaren Nachkriegszeit thematisieren wird.“
— Ing. Norbert Kapeller
Präsident des Verbandes der deutschen altösterreichischen Landsmannschaften in Österreich (VLÖ)
„Ich bin überzeugt, dass das Haus der Geschichte eine gute und notwendige Einrichtung für die Republik darstellen wird. Viele Ausstellungen und Museen beschäftigen sich mit historischen Ereignissen, die Jahrhunderte zurückliegen. So ist es nur recht, dass ein solches Haus vor allem die jüngere – auf uns noch immer stark wirkende – Geschichte des 20. Jahrhunderts darstellt. Die Geschichte Österreichs ist auch die Geschichte der Heimatvertriebenen aus den Gebieten der ehemaligen Donaumonarchie und so freut es uns, dass das Haus der Geschichte auch „unseren“ Volksgruppen Aufmerksamkeit schenken und die dramatischen Ereignisse der unmittelbaren Nachkriegszeit thematisieren wird.
Als Generalsekretär des Verbandes der deutschen altösterreichischen Landsmannschaften (VLÖ) sehe ich hier die Möglichkeit, dass auch „unser“ Teil der Zeitgeschichte endlich Eingang in das öffentliche historische Bewusstsein finden kann. Ich bedanke mich daher ausdrücklich bei Univ.-Prof. DDr. Oliver Rathkolb.“
„Österreich hat eine wechselvolle Geschichte mit sehr positiven, aber auch sehr dunklen Abschnitten. Es ist die Verantwortung jeder Gesellschaft sowohl zu den positiven wie auch zu den dunklen Zeiten seiner Geschichte zu stehen und die dunklen aufzuarbeiten, um einerseits den Betroffenen Wiedergutmachung, soweit dies überhaupt möglich ist, und Entschuldigung entgegenzubringen und andererseits Wiederholungen zu verhindern. Österreich hat sich des Öfteren in seiner Geschichte obgleich Täter als Opfer gesehen. Umso wichtiger ist es, die Geschichte objektiv darzustellen und das Bewusstsein und die Achtsamkeit der Menschen zu fördern. Ich freue mich, dass es das Haus der Geschichte nun gibt.“
— Mag. Georg Kapsch
CEO der Kapsch TrafficCom AG
„Das Haus der Geschichte Österreich stellt eine historische Chance dar, allen Menschen unseres Landes, Europas und der Welt ein Bild Österreichs zu zeigen, wie wir es als Bürger dieses Landes sehen, verstehen oder es uns wünschen.“
— Arsenios Kardamakis
griechisch-orthodoxer Metropolit von Austria und Exarch von Ungarn und Mitteleuropa
„In Zeiten großer internationaler Herausforderungen hilft uns das Reflektieren über die eigene Geschichte und Gegenwart, uns in einer globalisierten Welt zu verorten. Wir lernen aus den Fehlern der Vergangenheit, sehen die Zeichen der Gegenwart und formulieren die Aufgaben der Zukunft. Europa, das aus christlichen Wurzeln erwachsen ist, benötigt mehr denn je einen Diskurs über seine Werte. Aus diesem Grunde ist jede Initiative offenherzig willkommen, die den Menschen des 21. Jahrhunderts eine Hilfe bei der Suche nach sinnvollen und sinnhaften Antworten bietet. Das Haus der Geschichte Österreich stellt eine historische Chance dar, allen Menschen unseres Landes, Europas und der Welt ein Bild Österreichs zu zeigen, wie wir es als Bürger dieses Landes sehen, verstehen oder es uns wünschen. Eine Rückbesinnung auf die immerwährenden Werte der Liebe, Nächstenliebe und Solidarität unter den Völkern ist der einzige Weg des Friedens, zu welchem das besagte Projekt unter anderem beizutragen vermag.“
„Das „Haus der Geschichte“ leistet damit im Rahmen der politischen Aus- und Weiterbildung einen wichtigen Beitrag zur Förderung eines kritischen, selbstbestimmenden Denkens.“
—Prof. Rudolf Kaske
ehem. Präsident der Arbeiterkammer Wien und der Bundesarbeitskammer, Abgeordneter zum Wiener Landtag und Gemeinderat a.D.
„Die Bundesarbeitskammer begrüßt die Errichtung eines „Hauses der Geschichte“, gestaltet als „offenes Diskussionsforum“ mit „zukunftsorientierten Ansprüchen“. Denn die Darstellung der österreichischen Geschichte insbesondere vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart im transnationalen Kontext bietet die Chance einer kritischen und zukunftsweisenden Auseinandersetzung mit unserer Vergangenheit und Gegenwart. Das „Haus der Geschichte“ leistet damit im Rahmen der politischen Aus- und Weiterbildung einen wichtigen Beitrag zur Förderung eines kritischen, selbstbestimmenden Denkens. Deshalb erwarte ich mir auch, dass dem Streben der ArbeiterInnenbewegung und ihrer Organisationen nach Frieden und Demokratie, Solidarität und Mitbestimmung, Chancengerechtigkeit und dem Abbau sozialer Ungleichheit in emanzipatorischer Absicht Rechnung getragen wird. In diesem Sinne sehe ich mit Freude und Spannung der Realisierung des ambitionierten Projekts entgegen.“