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Heute im hdgö

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Gestapelte Geschirrtücher mit gestickten Angaben zu Namen, Alter, Todesdatum und Ort
Foto: David Tiefenthaler/hdgö, CC BY 4.0

30. Juli 2026: Femizide sollten Geschichte sein: hdgö zeigt künstlerische Arbeit zu geschlechtsspezifischer Gewalt

Seit heute ist die Textilarbeit „er/stickt. Über Femizide in Österreich“ der Künstlerin Sabine Schwarz in der Hauptausstellung Neue Zeiten. Österreich seit 1918 des Hauses der Geschichte Österreich (hdgö) zu sehen. Die Arbeit macht ermordete Frauen der Jahre 2023 bis 2025 sichtbar und erweitert die Hauptausstellung um die Perspektive geschlechtsspezifischer Gewalt. Parallel dazu zeigt die Sonderausstellung Alles Arbeit. Frauen zwischen Erwerbs- und Sorgetätigkeit historische Kontinuitäten geschlechtsspezifischer Ungleichheiten.

Weitere Informationen

Frauen werden in Österreich meist nicht von Fremden getötet, sondern von Männern, die ihnen nahestehen. Tödliche Gewalt gegen Frauen findet häufig in (Ex-)Beziehungen und Familien statt. Bis 2024 machten Frauen regelmäßig mehr als die Hälfte der Mordopfer in Österreich aus. Auch im EU-Vergleich zählt Österreich bei Tötungen von Frauen durch Partner oder Angehörige jahrelang zu jenen Ländern mit überdurchschnittlich hohen Werten. Die tödliche Gewalt wurzelt in patriarchalen Besitzvorstellungen und Strukturen.

 

„Als Museum, das Demokratie und Menschenrechte vermittelt, ist es uns ein Anliegen, das Thema geschlechtsspezifischer Gewalt aufzugreifen und dagegen Stellung zu beziehen. Dabei gilt es, einen sensiblen Zugang zu finden, der die Würde der Opfer wahrt und trotzdem die breite gesellschaftliche und politische Relevanz jedes einzelnen Falls ernst nimmt“, sagt hdgö-Gründungsdirektorin Monika Sommer.

 

Seit 2023 bestickte die Innsbrucker Künstlerin Sabine Schwarz 71 Geschirrtücher mit dem Ort, dem Datum des Verbrechens und – soweit bekannt – dem Vornamen der ermordeten Frau. Jedes Tuch erinnert an einen einzelnen Menschen und steht zugleich für eine erschütternde Gesamtzahl. Die künstlerische Arbeit ist als laufender Prozess angelegt und wird jährlich im hdgö aktualisiert. Material und Technik greifen bewusst geschlechtsspezifische Zuschreibungen auf: Geschirrtücher verweisen traditionell auf den häuslichen Raum, Sticken auf eine textile Praxis, die feministische Künstlerinnen heute vielfach neu besetzen. So verbindet die Arbeit individuelle Erinnerung mit einer Reflexion über Geschlechterrollen, Machtverhältnisse und gesellschaftliche Verantwortung.

 

„Jeder Mensch hat das Recht auf ein gewaltfreies Leben, doch jede dritte Frau ist in Österreich von sexualisierter Gewalt betroffen. Als Mitglied des Publikumsforums begrüße ich die konsequente frauen- und gendersensible Haltung des Hauses der Geschichte Österreich. Die Erweiterung der aktuellen Hauptausstellung um die sensible künstlerische Arbeit von Sabine Schwarz zu Femiziden in Österreich macht Gewalt gegen Frauen sichtbar und unterstreicht das gesellschaftsrelevante Thema des Gewaltschutzes“, betont Klaudia Frieben, Vorsitzende des Österreichischen Frauenrings.

Vorstellungen von Weiblichkeit und vom Privaten prägen nicht nur die Gewalt selbst, sondern oft auch ihre mediale Darstellung. Da Täter häufig aus dem engsten persönlichen Umfeld stammen, greift die Berichterstattung auf die Sprache von Beziehungskonflikten zurück. Das hdgö ordnet die künstlerische Arbeit deshalb in den größeren Zusammenhang von Menschenrechten und Mediengeschichte ein und will zu einer differenzierten öffentlichen Diskussion über Gewalt gegen Frauen beitragen.


Auf einen Blick

·        Die Künstlerin Sabine Schwarz macht mit „er/stickt. Über Femizide in Österreich“ ermordete Frauen sichtbar.

·        Die künstlerische Textilarbeit ist nun in der Hauptausstellung des hdgö zu sehen.

·        Die aktuelle Sonderausstellung Alles Arbeit beleuchtet parallel historische, geschlechterspezifische Ungleichheiten.

David Tiefenthaler/hdgö, cc by-nc 4.0