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Heute im hdgö

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Ausstellung mit großformatigen schwarz-weißen Fotografien von Frauen in roten Rahmen in einem historischen Raum mit Marmorsäulen
Foto: Klaus Pichler/hdgö, cc by-nc 4.0

28. Jänner 2026: Alles Arbeit: Ausstellung zu Arbeit, Geschlecht und Sichtbarkeit im hdgö

Das Haus der Geschichte Österreich (hdgö) zeigt ab 29. Jänner 2026 die Ausstellung Alles Arbeit. Frauen zwischen Erwerbs- und Sorgetätigkeit, Fotoarchiv Blaschka 1950–1966 auf dem Alma Rosé-Plateau der Neuen Hofburg. Die Schau widmet sich der medialen Darstellung von weiblicher Arbeit in der steirischen Nachkriegszeit und verbindet historische Bildbestände mit aktuellen Debatten um Sorgearbeit, Anerkennung und Ungleichheit. Alles Arbeit ist eine Ausstellung des Museums für Geschichte, Graz (Universalmuseum Joanneum), präsentiert in Zusammenarbeit mit dem hdgö.

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Ein Job mit Gehalt? Verpflichtungen im Haushalt? Eine Aufgabe, die gemacht werden muss? Zu tun gibt’s immer etwas. Manche Tätigkeiten bringen Anerkennung und Lohn. Andere fallen einfach an – unbezahlt, unsichtbar und meist von Frauen erledigt. Aber: Ist das nicht alles Arbeit? Ausgangspunkt der neuen Sonderausstellung im hdgö ist das Archiv der Grazer Pressefotoagentur „Foto Blaschka“. Rund 60.000 Negative umfasst die Sammlung jener Bilder, die in den 1950er- und 1960er-Jahren für die Lokalredaktion der Kleinen Zeitung entstanden sind. Die Ausstellung konzentriert sich auf historische Fotografien, die Frauen bei unterschiedlichen Tätigkeiten zeigen und thematisiert wirtschaftliche, soziale und mediale Rahmenbedingungen der frühen Zweiten Republik.

 

Das hdgö versteht Gegenwart als historisch gewachsen – genau wie die Ausstellung Alles Arbeit, die wir ab heute zeigen dürfen. Sorgearbeit, Gender Pay Gap oder Altersarmut sind Themen, die aktuell gesellschaftlich verhandelt werden, aber tief in historischen Strukturen verankert sind. Die neue Sonderausstellung macht diese Geschichte sichtbar und bietet Raum zur Diskussion“, sagt hdgö-Gründungsdirektorin Monika Sommer.

 

Kein „Wirtschaftswunder“ ohne Frauen
Der wirtschaftliche Aufschwung der Nachkriegszeit wäre weder ohne die (schlecht) bezahlte noch die unbezahlte Arbeit von Frauen möglich gewesen. Während das „Wirtschaftswunder“ bis heute vor allem mit industrieller Produktion und männlicher Erwerbsarbeit verbunden wird, macht die Ausstellung sichtbar, dass Marktwirtschaft auf Care-Arbeit beruht. Die Nachkriegszeit war stark von der Idee der Kleinfamilie geprägt: männlicher Ernährer, weibliche Hausfrau und Kinder. Dieses Modell bildete den gesellschaftlichen Rahmen, in dem Frauenleben gedacht wurden –selbst, wenn Frauen erwerbstätig waren. Ihnen wurde weiterhin die alleinige Verantwortung für die Sorge um den Haushalt und seine Angehörigen zugeschrieben. Dabei waren 1951 39 Prozent der Erwerbstätigen in Österreich weiblich.

 

Vielfältige Lebensrealität, mehrfache Belastung
Je nach Milieu, Familienstatus oder Herkunft waren die Erwartungen an Frauen unterschiedlich und oft widersprüchlich. In bürgerlichen Haushalten galt der Rückzug aus dem Erwerbsleben mit der Familiengründung als Ideal, während Erwerbsarbeit für viele Frauen aus proletarischen Verhältnissen selbstverständlich war. Die Sonderausstellung zeigt Frauen in unterschiedlichsten Arbeitsfeldern: in Industrie und Landwirtschaft, in Dienstleistungsberufen und besonders häufig in Bereichen, die heute als „systemrelevant“ gelten – etwa Betreuung, Pflege und Reinigung.

 

Dass Frauen mehrere Rollen übernommen haben, zeigen die Fotoserien fast nie, Mehrfachbelastung wird kaum sichtbar“, so Kuratorin Eva Tropper. „Wir zeigen die Bilder daher bewusst neben und übereinander, um deutlich zu machen, wie sehr sich bezahlte und unbezahlte Arbeit im Alltag vieler Frauen überlagert haben.

 

Alleinstehende Frauen konnten in den 1950er- und 1960er-Jahren kaum vom Lohn ihrer Arbeit leben. Ein eigenständiges Leben außerhalb von Familie oder Ehe war strukturell nicht vorgesehen. Entsprechend erscheint selbständige weibliche Existenz im Fotoarchiv Blaschka vor allem im Zusammenhang mit Altersarmut.  Auch politische und öffentliche Arbeit von Frauen bleibt weitgehend unsichtbar. Politische Arbeit von Frauen ist im Archiv kaum vertreten, obwohl die Mehrheit der Wahlberechtigten weiblich war.

 

Muster und Mechanismen, die unsichtbar machen
Die Bilder entstanden für die tägliche Berichterstattung der Kleinen Zeitung und folgen wiederkehrenden visuellen Mustern: Frauen erscheinen meist in ausführender Tätigkeit, Männer dagegen in erklärenden, hierarchisch höher bewerteten Rollen. Häufig stehen arbeitende Hände im Fokus, während die Frauen dahinter unsichtbar bleiben. Vieles blieb undokumentiert und erscheint in der Ausstellung als markierte Leerstelle. Was gedruckt wird und wie, entschied die Redaktion durch Auswahl, Zuschnitt und Kontext. Die meisten der Fotografien erschienen nie in der Zeitung. Die Ausstellung stellt Fotoserien aus dem Archiv den publizierten Bildern gegenüber und macht so die selektive Darstellung weibliche Arbeit sichtbar. Auffällig ist dabei, wie Bildunterschriften Tätigkeiten einordnen und deuten. Ergänzt wird dies durch großformatige rote Zitate aus Interviews mit Frauen, die von ihrem eigenen Leben oder dem ihres Umfelds erzählen und so in Alles Arbeit selbst wieder zu Wort kommen.

 

Ein Archiv, zwei Biografien: Erika Blaschka – Arbeit ohne Absicherung
Diese Themen verdichten sich exemplarisch in der Geschichte der Agentur selbst. Foto Blaschka wurde 1947 von Egon Blaschka gegründet, ab den späten 1950er-Jahren jedoch maßgeblich von Erika Blaschka geführt. Sie organisierte den Betrieb, bildete Lehrlinge aus, übernahm die häusliche Care-Arbeit und war in den 1960er-Jahren auch selbst als Pressefotografin tätig – eine Ausnahme im männlich dominierten Feld der Tagesberichterstattung. Ihre Geschichte wirft zugleich die Frage nach Autorinnenschaft auf: Wie viele der Fotografien im Archiv stammen tatsächlich von ihr? Zudem zeigt sich an ihrem Lebensweg, dass Arbeit nicht automatisch mit Absicherung einherging. Ihre Arbeit im Familienbetrieb kam ohne Pensionsanspruch.

 

Die Ausstellung Alles Arbeit. Frauen zwischen Erwerbs- und Sorgetätigkeit, Fotoarchiv Blaschka 1950–1966 lädt Besucher*innen aktiv ein, gesellschaftliche Debatten über Arbeit und Geschlecht neu zu betrachten. Künstlerische Interventionen wie Kein Wunder und Housewifes strike back sowie die interaktive Station am Ende der Ausstellung verbinden das Thema mit der Gegenwart.

 

Programm und Kooperationen im Rahmen der Ausstellung
Die Kurzführung Zeitgeschichte kompakt: Alles Arbeit sowie die ausführliche Führung durch die Sonderausstellung sind regelmäßig im hdgö-Kalender zu finden. Kuratorin Eva Tropper gibt am 18. Juni und am 24. September jeweils um 18.15 Uhr Einblicke in die Ausstellung – an diesen wie an allen anderen Donnerstagabenden ist der Eintritt frei. Schulklassen können für die Ausstellung einen Workshop buchen. Durch eine Kooperation mit der Arbeiterkammer Wien steht hier ein kostenloses Kontingent zur Verfügung. Bis 30. August 2026 ermöglicht ein Kombi-Ticket im Rahmen der Ausstellung Alles Arbeit zudem den Besuch der Ausstellung „Alles in Arbeit“ im Dom Museum Wien. Am 22. Februar, 16. April und 14. Juni finden gemeinsame Führungen durch beide Ausstellungen statt. Begleitend zur Ausstellung im hdgö zeigt das Österreichische Filmmuseum zwei außergewöhnliche Filme der 1970er-Jahre: Am 20. Mai um 18 Uhr steht Jeanne Dielman, 23 quai du Commerce, 1080 Bruxelles (1975) auf dem Spielplan, am 27. Mai um 18 Uhr The Sealed Soil (1977).

Fotos: Klaus Pichler/hdgö, cc by-nc 4.0

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