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Heute im hdgö

Weltmaschine des Franz Gsellmann, Edelsbach bei Feldbach, 2009, Fotograf: Roman Klementschitz; Wikimedia Commons, cc by-sa 3.0 (digital born)
Weltmaschine

Mein Leben wird von der Weltmaschine eingerahmt. Wie ich sehr klein war, haben wir sie besucht. Es war das einzige Kulturelle, das meine Eltern mit mir je unternommen haben. Sonst war die Stimmung zuhause eher düster. Aber eines Tages hieß es: Dem Gsellmann seine Weltmaschine, die gehen wir jetzt anschauen. Ich erinnere mich an die elendslange Autofahrt. Wir stiegen auf einem Bauernhof aus. Es ging in einen Stall. Aber statt dort im Dämmerlicht angebundenen Tieren, so wie bei meinen Großeltern, lebte da eine Maschine. So war so groß wie eine ganze Achterbahn! Oh und nun führte man sie uns vor - ich weiß nicht mehr genau, von wem. Franz Gsellmann selbst war ein Jahr vor meiner Geburt gestorben. Aber: ich erinnere mich an das erhebende Ineinandergreifen der Teile, an das Stampfen und Schwirren und an den plötzlich das Universum ausfüllenden gellenden Pfiff, den die ungeheure Konstruktion an einer Stelle ihres ablaufenden Programms von sich gab. Herrlich. Mein kleines Herz hat ihn sich gemerkt, diesen Pfiff. 

 

Fast dreißig Jahre später fuhr ich eines Tages mit Freunden wieder dieselbe Strecke durch das steirische Hügelland. Man muss dazu wissen: Die Weltmaschine liegt wirklich mitten im Gemüse, und wir irrten ewig lang mit dem Auto herum, bis wir endlich das Schild sahen. Wir bekamen eine Führung von der inzwischen schon sehr gebeugt gehenden Tochter von Franz Gsellmann, die uns jeden Zentimeter der großen zwecklosen Maschine erklärte. Sie ist eine ganz entzückende Erscheinung. Es ist möglich, dass sie schon damals, in meiner Kindheit, die Führung übernommen hatte. Leider weiß ich das nicht mehr. Alle menschlichen Erscheinungen waren damals neben der Maschine unsichtbar geworden. Nun, da ich beides mit ruhigem Blick nebeneinander wahrnehmen konnte, wollte ich von der Tochter wissen, was sie sich dachte, als sie die Weltmaschine zum ersten Mal sah (denn die Arbeit in der Scheune war lange Zeit Herrn Gsellmanns persönliches Projekt, das die Familie nicht sehen durfte). Sie antwortete: „No, nix hob i ma docht, wos sull i ma denkn.“ 

 

Als Kind hatte ich die in die Maschine eingebauten Plaketten bestimmt nicht lesen können. Nun kam ich endlich dazu: „Der Klobus durch Friede und Verständigung lautet das Motto der Newiorker Weltausstellung 1964“ und „Mit Müch und Blarg harb ich gebaut. Für das so kurze Leben. Gott wird mich in der antern Welt eine schönere Arbeit geben.“ Franz Gsellmann hat sich bei seiner mehr als zwanzig Jahre andauernden, besessenen Arbeit an seiner Maschine fast jede Woche verletzt oder elektrisiert, deshalb musste, so die Tochter, eine riesenhafte „Sprechstundenpackung“ Hansaplast immer gefüllt und griffbereit sein. Wir kauften eines der für Besucher bereitgestellten Souvenirposter, und dazu noch die kleine Monografie von Gerhard Roth. Es stellt eine Art von Sicherheit dar, zu solch wundersamen Erscheinung ein Buch zu haben, in dem vielleicht die Antworten stehen. 

 

Erst als wir mit dem Auto wegfuhren, fiel es mir ein: Etwas hatte gefehlt. Bei der Vorführung hatte die Maschine prächtig mit ihren großen Bauteilen rotiert und ordentlich Lärm erzeugt, so klingt die Sphärenmusik bei uns in der Steiermark, aber der Pfiff, der gellende Pfiff, der all die Jahre als Pfeilspitze in meiner Seele gesteckt hatte, wo war er geblieben? Nein, es hatte nicht gepfiffen. Ich hatte darauf gewartet. Für einen Augenblick dachte ich an diese Handy-Klingeltöne, die nur von Menschen unter sechzehn gehört werden können, ein hohes Gezirpe, ideal für den Schulunterricht. Vielleicht war es das. Ohren werden ja älter, und jetzt war ich dreißig… Aber nein, das kann es nicht gewesen sein. Es muss wohl einfach ein winziger Bauteil in der gewaltigen Konstruktion kaputt gegangen sein. Jetzt gibt es den Pfiff vielleicht nur mehr in meiner Erinnerung. Vielleicht wird er mir - aber noch nicht jetzt, lieber Gott, noch nicht bald - irgendwann, in einer gewissen Stunde, wieder begegnen. 
 

Dieser Text stammt aus dem Band 100xÖsterreich, den Sie im Buchhandel erwerben können. Andere Beispieltexte aus diesem Buch finden Sie hier.

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