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Festrede der hdgö-Direktorin Monika Sommer
Anlässlich der Eröffnung des Hauses der Geschichte Österreich
10. November 2018

Sehr verehrte Festgäste, sehr verehrte Damen und Herren!

Heute ist ein großer Tag für die österreichische Museumslandschaft, für die historische und die politische Bildung in diesem Land und für ein klares Bekenntnis Österreichs zur Auseinandersetzung mit seiner jüngeren und jüngsten Geschichte. Nach jahrzehntelangen Debatten übergeben wir heute das Haus der Geschichte Österreich der Öffentlichkeit. Wir eröffnen ein Museum des 21. Jahrhunderts, das sich als Diskussionsforum versteht. Die Vorstellung, in einem Geschichtsmuseum kann nur eine Sicht auf die Vergangenheit Platz haben, ist Geschichte. Österreich ist ein reiches, ein vielfältiges und vielstimmiges Land – daraus ergibt sich die Aufgabe, die Verpflichtung und das Selbstverständnis für ein Haus der Geschichte Österreich.

Obwohl nur knapp 450 Tage Zeit waren, eröffnet heute das neue Zeitgeschichte-Museum in der Wiener Hofburg im Zeitplan und im vorgesehenen Budget. Wir tun das aus mehreren Gründen zwei Tage vor dem eigentlichen historischen Jahrestag der Ausrufung der Republik, dem 12. November. Diese Gründe möchte ich kurz erläutern.

Wir machen dieses Museum nicht in erster Linie für uns, die wir hier als Vertreterinnen und Vertreter der Wissenschaft, der Politik, der Kirchen und Religionsgemeinschaften und anderer gesellschaftlicher Bereiche anwesend sind. Wir realisieren dieses Museum für die Gesellschaft, für alle Menschen, die sich für Österreichs Geschichte, Gegenwart und Zukunft interessieren. Heute, am Samstag, haben hoffentlich viele Zeit, mit uns zu feiern. Das Haus der Geschichte Österreich will den Menschen entgegen kommen – in der realen Welt im Museum, und virtuell in unserer neu geschaffenen Webplattform, die innovative Formen der Partizipation ermöglicht – Dr. Stefan Benedik hat sie verantwortet. Unsere Bildungsangebote, die Workshops zur Geschichtsvermittlung, die neu erarbeiteten Unterrichtsmaterialien sind ein Herzstück de des Hauses – sie wurden federführend von Frau Mag. Eva Meran gemeinsam mit zahlreichen ExpertInnen aus dem Bereich der Geschichtsdidaktik und in Zusammenarbeit mit den Pädagogischen Hochschulen entwickelt.

Am 10. November 1920 trat das Bundes-Verfassungsgesetz in Kraft. Es beinhaltet auch das Staatsgrundgesetz über die allgemeinen Rechte der Staatsbürger aus der Dezemberverfassung von 1867. Nach der Revolution von 1848 sind die 1867 verfassungsrechtlich garantierten Grund- und Freiheitsrechte ein zentraler Meilenstein der österreichischen Demokratieentwicklung, die eben nicht erst mit der Ausrufung der demokratischen Republik einsetzt. Dass das aktuelle Bundesmuseumsgesetz festhält, das Haus der Geschichte Österreich soll seine Schwerpunkte ab der Mitte des 19. Jahrhunderts aufnehmen, hat also viele gute Gründe.   

Schließlich gibt es einen dritten Grund für die Eröffnung am 10. November. 1938 haben in der Nacht vom 9. auf den 10. November die Synagogen gebrannt. Der brutale Auftakt zur Shoa, zum Holocaust erfolgte im Morgengrauen des 10. November in aller Öffentlichkeit. Es freut mich, dass Präsident Oskar Deutsch und VertreterInnen der Israelitischen Kulturgemeinde dem Haus der Geschichte Österreich schon vor zwei Tagen die Ehre ihres Besuchs erwiesen haben.

Diese drei Säulen machen auch die inhaltlichen Schwerpunkte des Hauses der Geschichte Österreich aus: es geht 1) um die Gesellschaft und ihre Veränderungen, 2) um Demokratie und Rechtsstaatlichkeit und 3.) um Diktatur, Nationalsozialismus und die Erinnerung an den Zivilisationsbruch Auschwitz.

Das Haus der Geschichte Österreich eröffnet an einem Gedenk-Wochenende von europäischer Dimension – diesem internationalen Kontext fühlen wir uns ebenso verpflichtet: Morgen wird in Frankreich des Endes des Ersten Weltkriegs gedacht, Österreichs Beitrag ist ein Festkonzert der Wiener Philharmoniker. Nicht zuletzt Österreichs weltweite Reputation als herausragende Kunst- und Kulturnation verpflichtet dazu, die konsequente Auseinandersetzung mit den Höhen und Tiefen der jüngeren und jüngsten Vergangenheit zum fixen Bestandteil der politischen Kultur und ebenso zu einem fixen Bestandteil der österreichischen Museumslandschaft zu machen. Ich möchte an dieser Stelle Bundesminister Gernot Blümel und Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka danken, dass sie vor wenigen Tagen ein klares Bekenntnis gegeben haben, das Haus der Geschichte Österreich weiter ausbauen zu wollen. In Rekordzeit haben wir ein solides Fundament für das neue zeitgeschichtliche Museum in der Hofburg gelegt, darauf können wir nun weiter aufbauen.

Wir eröffnen heute mit dem Museum zwei Ausstellungen:

„Aufbruch ins Ungewisse – Österreich seit 1918“, so der Titel der Eröffnungsausstellung, die in sieben Themenschwerpunkten einen Schlüssel zum Verständnis der politischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Entwicklungen des jüngsten österreichischen Jahrhunderts mit seinen Widersprüchen, Herausforderungen und Chancen anbietet. Es ist DIE Ausstellung des Gedenkjahres 2018. Sie nimmt die Ausrufung der demokratischen Republik am 12. November 1918 zum Anlass, Fragen aufzuwerfen, die Österreich und Europa bis heute bewegen. Dabei ist uns der Blick auf die Zukunft zentral. Ich freue mich daher sehr, dass die 8 Klasse der Sacre Coeur Schule heute stellvertretend für die nächste Generation hier ist. Die Klasse sei in einen „fast hysterischen Jubel“ ausgebrochen, schrieb uns ihre Lehrerin, als sie hörte, dass sie zur heutigen Eröffnung eingeladen ist. Das gibt uns Mut, dass hier eine Generation heranwächst, die das Wissen um die Vergangenheit nützt, um ihre Zukunft oder besser ihren „Aufbruch ins Ungewisse“ tatkräftig zu gestalten. Gerade für junge Menschen ist das Haus der Geschichte da, aber auch für generationenübergreifenden Dialog. Die sieben Themen leiten sich aus der Auseinandersetzung mit den Gründungsjahren der Ersten Republik ab, die wir völlig neu beleuchten: Das Faszinierende an den Umbruchstagen 1918 ist die demokratiepolitische Zäsur – nun wurde das Volk zum Souverän. Erstmals zählte bei den Wahlen, die 1919 folgten, jede Stimme gleich viel – auch jene der Frauen. In der Ausstellung haben wir uns für eine spannende Kombination von bekannten und unbekannten Bildern zu diesem österreichischen Jahrhundert entschieden: Viele Objekte der Ausstellung werden erstmals in Österreich gezeigt – etwa der Kalender von Sigmund Freud mit seinen Einträgen zum November 1918, ein Kuvert, das ein Stück des blutdurchtränkten Hemdes des ermordeten Bundeskanzlers Dollfuß enthält und seine kultische Verehrung dokumentiert und eine Postkartenserie mit Bildmotiven aus Österreich, auf deren Rückseite die Erfahrungen eines im KZ Auschwitz-Birkenau Inhaftierten gezeichnet wurden. Aber auch Artefakte der jüngeren Vergangenheit wie die Mitschrift der Vorlesungen von Taras Borodajkewycz – der Auslöser der Borodajkewycz Affäre 1965, das Wehrstammbuch von Kurt Waldheim und ein Mantel von Ceija Stoika werden erstmals präsentiert.

Zeitgenössische Kunst reflektiert Vergangenheit wie Gegenwart und ist daher für das Haus der Geschichte Österreich wichtig: Unser Start war die Klanginstallation „The Voices“ von Susan Philipsz - zum Gedenken an den Heldenplatz 1938 erarbeitet. Kunst ist auch Teil der Eröffnungsausstellung: Die bosnische Künstlerin Sheila Kameric hat uns ihre Arbeit „EU-Citizens/Others“ zur Verfügung gestellt, Iris Andraschek und Hubert Lobnig konfrontieren uns mit dem heutigen Blick auf den 1989 abgebauten Eisernen Vorhang. –um nur einige Beispiele zu nennen.

Unserem kongenialen Ausstellungsarchitekten Johann Moser von bwm Architekten, in allen grafischen Aufgaben unterstützt von Stefan und Aleksandra Fuhrer, ist es zu verdanken, dass die Prunkstiege der Neuen Burg als eigenes Erlebnis wahrgenommen werden kann, und dass die sieben Ausstellungsthemen durch ihre  zeitgemäße Gestaltung den inhaltlichen Bezug zum Heute unterstreichen. Von der Monarchie schreitet man in die Republik.

Wir eröffnen auch noch eine zweite Ausstellung, denn gerade der Ort ist uns Verpflichtung: Das Haus der Geschichte Österreich befindet sich deswegen in der Neuen Burg am Heldenplatz, weil Adolf Hitler von hier, vom Altan der Neuen Burg aus, unter frenetischem Jubel Hunderttausender den „Anschluss“ verkündet hat.

Bauliche Maßnahmen wären notwendig, um diese 240m2 große Terrasse zugänglich zu machen. Aber die Fläche, die dort hinaus führt, trägt ab heute den Namen Alma Rosé Plateau. Wir zeigen dort die Wechselausstellung „Nur die Geigen sind geblieben. Alma und Arnold Rosé“. Denn Arnold Rosé war weltberühmter Geiger und eine Zentralfigur des Wiener Musiklebens, doch unmittelbar mit dem „Anschluss“ wurde er von den Wiener Philharmonikern zwangsbeurlaubt. Er konnte ins Londoner Exil flüchten. Seine Tochter, die Geigerin Alma Rosé, wurde in das KZ Auschwitz-Birkenau deportiert, hat als Leiterin des Frauenorchesters jüdischen Musikerinnen das Leben gerettet und starb dort. Die Geigen der beiden, eine Stradivari und eine Guadagnini erklingen bis heute in den berühmtesten Konzerthäusern der Welt. Wir zeigen erstmals in Österreich – als Leihgabe von Yad Vashem – drei Objekte Alma Rosés aus ihrer Haftzeit im KZ Auschwitz-Birkenau.

Ein Haus, das baut sich nicht allein. Es gilt daher vielen zu danken. Ich bitte um Verständnis, dass ich nicht alle werde nennen können. Wir haben – hoffentlich - alle in das Veranstaltungsblatt gedruckt. Die Dankesliste zeigt: Das Haus der Geschichte Österreich ist bereits jetzt ein Gravitationszentrum, das viele Menschen schon im Vorfeld involviert hat.

Allen voran gilt unser Dank unseren Gründungs-Ministern, Bundesminister a.D. Josef Ostermayer, Bundesminister a. D. Thomas Drozda, Bundesminister Gernot Blümel. Besonders danken wir dem 31 köpfigen internationalen Beirat – viele der Mitglieder sind heute auch hier –, dem wissenschaftlichen Beirat, der zuletzt mit Frau Dr. Wagener (Luxembourg) und Herrn Prof. Hütter (Deutschland) so hochkarätigen internationalen Zuwachs erhalten hat – beide Gremien stehen unter der Leitung von Prof. Oliver Rathkolb – ein unermüdlicher Kämpfer für das Haus der Geschichte Österreich.

Ohne die Unterstützung der Österreichischen Nationalbibliothek unter der Leitung von Frau Generaldirektorin Dr. Rachinger und dem kaufmännischen Geschäftsführer Herrn Mag. Richard Starkel, der Burghauptmannschaft, dem Bundesdenkmalamt, dem KHM-Museumsverband wäre die heutige Eröffnung nicht möglich gewesen, unser Dank gilt weiters den Kolleginnen und Kollegen der Österreichischen Nationalbibliothek, die uns hier herzlich aufgenommen haben.

Mein besonderer Dank gilt den wissenschaftlichen KonsulentInnen

Prof. Dieter Binder (Universität Graz), Prof. Dirk Rupnow (Universität Innsbruck),

ganz besonders Dozentin Heidemarie Uhl (Österreichische Akademie der Wissenschaften). Großartigen Rückenwind durften wir aus der österreichischen und der internationalen Museumslandschaft erfahren: insgesamt 342 LeihgeberInnen, darunter auch viele private, haben diese Eröffnungsausstellung möglich gemacht.

Mein herzlicher Dank gilt insbesondere dem engagierten, ambitionierten und couragierten Team des Hauses der Geschichte Österreich, – zusätzlich zu den schon genannten darf ich an dieser Stelle stellvertretend für alle Dr.in Maria Gruber, Dr. Georg Hoffmann und Dr.in Birgit Johler nennen. Das ganze Team hat sich mit Verve unter dem Motto „unaufhaltsam“ auf diesen Aufbruch ins Ungewisse eingelassen.

Österreich hat jetzt einen Ort, an dem die jüngste österreichische Geschichte zuhause ist. Das Fundament ist gelegt, und ich freue mich auf die gemeinsame Weiterarbeit. Und ich möchte alle, die an der Geschichte, Gegenwart und Zukunft unseres Landes interessiert sind, im Haus der Geschichte Österreich willkommen heißen – es ist jetzt IHR Museum.

Vielen Dank!